Sensationsfund im Bodensee

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06.11.2009 15:42
Kategorie: News

600 Jahre altes Schiff im Bodensee entdeckt

Seit dem Mittelalter ruhte das Wrack auf dem Seegrund. Archäologen bergen das neun Meter lange Boot für eine detaillierte Untersuchung, bevor es erneut versenkt wird.

Vermutlich handelt es sich bei dem Fund um ein Fischerboot aus dem 14. Jahrhundert. Zwar ist der Bodensee schon von den Römern und davor auch von den frühzeitlichen Pfahlbaubewohnern mit Schiffen beziehungsweise Einbäumen befahren worden - ältere Wracks als dieses hat man bisher noch nie gefunden.
 
Ein Anwohner hatte es im Winter 2006 beim Schlittschuhlaufen in einer flachen Bucht durch das Eis hindurch gesehen. Nach Weitergabe der Fundstelle an die zuständigen Behörden wurde ein Expertengremium aus Deutschen und Schweizer Archäologen mit der Untersuchung beauftragt. Deren Angaben zufolge handelt sich um einen mittelalterlichen Schiffstyp, auffällig seien die aus dem Seeboden herausragenden Spanten des neun Meter langen Schiffsskeletts.
Die Wrackteile werden zurzeit aus dem See geborgen. In einem Labor sollen sie dann untersucht werden. Später werden die Teile des Schiffs wieder an einer geschützten und tieferen Stelle in dem See vor der Reichenau eingegraben werden, um dort erhalten zu bleiben, sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums.

Der Bootsfund aus dem Mittelalter zeige zusammen mit einigen wenigen weiteren Unterwasserdenkmalen, dass die Weltkulturstätte Reichenau nicht an der Uferlinie ende, sondern dass rund um die Klosterinsel noch mit bedeutenden archäologischen Funden zu rechnen sei.

Der schlanke, kastenförmige Rumpf mit einem flachen Boden, weit aufragendem Bug und breitem Heck sei bezeichnend für die mittelalterliche Schiffsbautechnik. Alle noch vorhandenen konstruktiven Verbindungen zwischen den Holzbauteilen seien aus Holz und ohne Zuhilfenahme von Eisen hergestellt. Allerdings seien exponierte Bauteile abgerissen. Von den zahlreichen aus Holz gebauten Lastsegelschiffen des Mittelalters und der frühen Neuzeit habe an Land bis heute kein einziges überdauert, betonte das Regierungspräsidium. Die wenigen verbliebenen Schiffswracks und Pfahlsetzungen alter Wasserbauten am Seegrund seien daher "archäologische Unterwasserdenkmale von ganz besonderer Bedeutung".