Schwerer Sturm am suedlichen Roten Meer

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15.11.2004 11:04
Kategorie: News
Vom 4 ? 14.11. habe ich eine Safari geleitet, die uns zu den Syal Island, ca 3 Stunden südlich Abu Fendera geführt hatte. Bereits am 5.11. kam immer mehr Wind von Süden her auf. In der Ferne konnten wir bereits eine grosse Gewitterfront mit enormen Blitze ausmachen. Da das Wetter sehr unsicher war, entschlosse ich zusammen mit dem Kapitän bei St. Johns an einem geschützten Ankerplatz zu warten wie sich das Wetter entwickeln würde.



Da der Wind stabil blieb und die Front sehr weit weg war, legten sich alle schlafen oder schauten den Blitzen zu die sehr weit in der Ferne waren. Ich selber hatte ein sehr ungutes Gefühl und hielt Wache auf Deck. Mein ungutes Gefühl bestätigte sich jedoch innert Minuten. Der Wind frischte plötzlich sehr schnell auf. Aus Sorge um unsere Taucher weckte ich den Kapitän. Er schaute verschlafen aus seiner Kabine und meinte, dass sei nicht so schlimm. Er zündete erstmals eine ?Aufwach Zigarette an und schaute auf der Wetter abgewandten Seite dem geschehen zu. Als ich dies bemerkte, forderte ich Ihn auf, mit mir sofort auf die andere Seite des Schiffes zu kommen und doch einen Blick nach Süden zu werfen. Dies haben wir dann auch gemacht. In diesem Augenblick fuhr ein enormer Blitz ins Wasser und der Kapitän realisierte erst jetzt warum ich ihn aufweckte. Die Zigarette fiel Ihm aus dem Mund und ein ? in shala? entfuhr ihm mit grossem entsetzen. Jetzt erst realisierte er, dass wir in Teufels Küche waren. Es war jedoch zu spät und der Sturm erfasste uns, wenn auch nur am Rande der Gewitterzelle in seiner vollen Härte. Die Taue musste gekappt werden und das Schiff einigermaßen in die Wellen stellen zu können. An einer Leine hängend versuchten wir nun den ganz extremen Sturm zu überstehen. Die Gäste hatten enorme Angst und die Crew war komplett überfordert. Ca. 1,5 Stunden kämpften wir in der tosenden See begleitet von noch nie gesehenen Blitzen und Donnergrollen. Dank dem sehr erfahrenen Kapitän Geha von der MS Poseidon haben wir den Sturm überstanden. Das grösste Problem war dabei die anderen Boote, die offenbar nicht so erfahrene Leute an Bord hatte. Maschienenausfälle und unerfahrene Crews liessen die Schiffe in den Element tanzen. Mehrmals mussten wir zuschauen wie die Schiffe auf uns zutreiben. Nur mit den Zodiacs konnte dabei Schlimmes verhindert werden.



Am anderen Tag haben wir erst erfahren wie ernst die Situation war. 12 Schiffe waren im St. Johns Gebiet in erhebliche Seenot geraten, 2 Schiffe wurden auf die Riffe geknallt. Das schlimmste war aber, dass ein Schiff mit 27 Leuten an Bord vermisst wurde. Erst am 14.11. wurde das Schiff auf einem Riff westlich von St. Johns gefunden. Es wurde uns auch bestätigt, dass es am Roten Meer einen solchen Sturm letztmals vor 10 Jahren gegeben hatte. Wir waren alle heilfroh, dass wir ohne grössere Schäden davon gekommen sind. Am anderen Tag konnte wir unsere Safari Südwärts mit gemischten Gefühlen fortsetzen.



Ab dieser Safari gehört nun auch ein Notfallbriefing Sturm und Havarie am ersten Tag der Safari zu meinen Erklärungen. Auch gewisse Verhaltenregeln werden nun den Gästen schriftlich abgegeben. Die Kontrolle nach den Schwimmwesten sowie den Funk gehört zur Pflicht vor dem Auslaufen. Wir sind jedenfalls im Gegensatz zu anderen Schiffen wieder heil nach Hause gekommen mit sehr vielen neuen Erfahrungen.