Schützenfische sind schnelle Rechner

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19.01.2008 16:17
Kategorie: News
Kleines Netz von Nervenzellen im Gehirn reicht dafür aus

Nürnberg-Erlangen (pte/19.01.2008/13:45) - Die tropischen Schützenfische sind als geschickte Jäger bekannt: Mit einem gezielten Wasserstrahl "schießen" sie fliegende Insekten praktisch vor ihr Maul. Zwei Zoologen von der Universität Nürnberg http://www.biologie.uni-erlangen.de haben nun entdeckt, dass die Fische dabei eine ganze Reihe hoch komplexer Entscheidungen treffen müssen. Dieser Prozess läuft in einem erstaunlich kleinen Netz von Nervenzellen im Gehirn ab. Das haben die beiden Wissenschaftler Stefan Schuster und Thomas Schlegel in Experimenten nachgewiesen und darüber im Wissenschaftsmagazin Science berichtet.

Die Schützenfische können Wasser mit Hochdruck über Distanzen von bis zu zwei Metern schießen. Ein so getroffenes Insekt fällt ins Wasser und ist leichte Beute für seinen Jäger. Doch der Kampf um Futter ist mühsam und andere Fische könnten die Beute ganz schnell abjagen. Damit andere Nahrungskonkurrenten leer ausgehen, muss der Schütze möglichst genau vorhersehen, an welcher Stelle sein Futter auf die Wasseroberfläche auftreffen wird, und es blitzschnell ansteuern. Diese Entscheidung treffen die Schützenfische im Durchschnitt in 40 Millisekunden.

Bisher war unklar wie Schützenfische diese Aufgabe zur Nahrungsbeschaffung meistern. Nach jüngsten Erkenntnissen der beiden Zoologen haben Informationen wie der Schusswinkel oder die Position der Beute vor dem Abschuss keine Bedeutung für die Berechnungen, wo das betreffende Insekt ins Wasser fällt. Die Fische orientieren sich einzig an der Bewegung der Insekten im Fall. Versuche der beiden Zoologen haben das deutlich gemacht. Die Fische konnten nämlich ihr zukünftiges Futter erst sehen, als es ins Wasser fiel. Selbst wenn zwei Beuteobjekte gleichzeitig starteten, entschieden sich die Fische blitzschnell für dasjenige, zu dem sie eine kürzere Stecke zurücklegen mussten.

Da die Schützenfische stets mit gleicher Schnelligkeit auf ihre Beute reagierten, vermuten die Forscher, dass dieser Prozess in einem sehr kleinen neuronalen Schaltkreis stattfindet. Möglicherweise finden die ersten Berechnungen dazu vielleicht sogar schon auf der Netzhaut statt.

Aussender: pressetext.austria
Redakteur: Wolfgang Weitlaner
Foto: V. Runkel, Labor Schuster, Uni Erlangen