Schmiergelder für Beobachter an Bord von Tunfischfangschiffen

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10.05.2004 23:22
Kategorie: News
München - Für 10.000 US-Dollar pro Einsatzfahrt drückten offizielle Beobachter an Bord mexikanischer Fangschiffe schon mal beide Augen zu, um eine Schiffsladung Tunfisch als “delfinsicher” gefangen zu bestätigen. Die Aussagen der Beobachter dienten unter anderem als Grundlage für die Ende
2002 von der US-Regierung getroffene, aber noch nicht umgesetzte Entscheidung, die Anforderungen für das dort gesetzlich geschützte Logo “delfinsicher gefangen” zu lockern. Wie sich jetzt herausstellte, waren der US-Regierung die Bestechungsvorgänge schon seit Jahren bekannt.

Im tropischen Ostpazifik werden Delfine mit Ringwadennetzen eingekreist, um die etwa 150 Meter unter ihnen schwimmenden Gelbflossentunfische zu fangen.
Diese Methode wird überwiegend von süd- und mittelamerikanischen Fangflotten eingesetzt. Nach dem Willen der US-Regierung soll derart gefangener Tunfisch künftig als “delfinsicher” gelten. Und dies obwohl nach offiziellen Angaben dabei jährlich noch immer etwa 3.000 Tiere sterben und die Fangmethode mit enormen Stress für die Delfine verbunden ist.

“Die Zahlen sind erschütternd”, meint Projektleiterin Ulrike Kirsch von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), “über 7.600 Mal im Jahr werden Netze um Delfine gesetzt, das heißt 9,3 Millionen Delfine werden jedes Jahr gnadenlos gejagt. Die Delfinbestände im tropischen Ostpazifik sind aber weitaus niedriger, folglich werden unzählige Tiere mehrfach gejagt.” Das ständige Einfangen schädigt Gesundheit und Fortpflanzungsfähigkeit der Meeressäuger. Zahllose Babys, die noch von der Muttermilch abhängig sind, werden dabei von ihren Müttern getrennt und sterben.

Obwohl die Zahlen und Schlussfolgerungen der Studien dagegensprechen, stufte die US-Regierung Ende 2002 diese Fangmethode als für die Delfine harmlos ein. Eine entsprechende Änderung der Anforderungen für das Logo “delfinsicher” scheiterte bisher aber am erbitterten Widerstand amerikanischer Naturschutzorganisationen, allen voran das Earth Island Institute (EII), die 2003 vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen das Inkrafttreten der neuen Bestimmungen erlangten.

Wie jetzt bekannt wurde, wusste die US-Regierung bereits seit fünf Jahren von den Schmiergeldzahlungen. Dennoch wurde dies weder bei ihrer 2002 getroffenen Entscheidung berücksichtigt noch dem Gericht in dem laufenden Verfahren vorgetragen. In einer internen Notiz berichtete ein Biologe der zuständigen US-Fischereibehörde 1999 über die Bestechungsvorgänge. Nach Aussagen eines auf mexikanischen Tunfischfangschiffen beschäftigten Fischers “hatten diese zwar immer Beobachter an Bord, aber jeder in der Flotte wusste, dass die Beobachter regelmäßig geschmiert wurden, um Falschaussagen über den Ablauf der Fangfahrt zu machen…” Er sei persönlich an Bord gewesen, als einem mexikanischen Beobachter 10.000 US-Dollar übergeben wurden, um den gesamten Tunfischfang als “delfinsicher” zu bestätigen.

“Es ist sehr bedauerlich, dass die Bush-Regierung dem Gericht wichtige Beweise vorenthält, die belegen, dass die Anzahl der Verfolgungen und Todesraten von Delfinen auf betrügerische Art und Weise unterschätzt wird.
Die Bush-Regierung ignoriert routinemäßig wissenschaftliche Erkenntnisse zugunsten von offensichtlich politischen Entscheidungen, die die Umwelt schädigen”, erklärt David Phillips vom EII.

Der zuständige Richter Henderson hält die Information über die Schmiergelder für durchaus relevant und verlangt deren Einbeziehung in den laufenden Prozess. Das Urteil, ob die gelockerten Bestimmungen für delfinsicheren Tunfisch nun in Kraft treten dürfen oder nicht, wird gegen Ende Mai erwartet.

Im Rahmen des internationalen Tunfisch-Kontrollprogramms des EII für “delfinsicheren” Tunfisch dürfen beim Tunfischfang keine Netze um Delfine gesetzt werden. Die dem Programm angeschlossenen Firmen werden vom EII bzw.
in Deutschland von der GRD kontrolliert. Wer sicher gehen will, dass an seinem Tunfisch kein Blut von Delfinen klebt, sollte sich an die von der GRD herausgegebene Liste der anerkannten Tunfischmarken und händler halten.

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