Schiffsarchäologisches Seminar in Rostock

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30.07.2012 08:44
Kategorie: News

Hinweise auf Wrackplünderungen sorgen für Unmut

Schiffsarchäologisches Seminar in Rostock
Der Rostocker Verein Gesellschaft für Schiffsarchäologie e.V. führte erfolgreich das „13. Schiffsarchäologische Seminar“ durch. Doch die Teilnehmer, aus mehreren Bundesländern angereist, nehmen nicht nur positive Eindrücke mit. Unbekannte haben wiederholt in das Schiffswrack eines etwa 100 Jahre alten Schleppers vor Warnemünde eingegriffen.

In der letzten Woche fand vom 23.-28. Juli 2012 das traditionsreiche Schiffsarchäologische Seminar in Rostock statt. Elf Teilnehmer und die Veranstalter der Rostocker Gesellschaft für Schiffsarchäologie e.V. sind zufrieden. Bei sehr guten Wetterbedingungen konnten ein Schiffswrack und ein Teil einer vermutlich hafenbaulichen Anlage vor Rostock untersucht und dokumentiert werden. Die Tauchteams hatten als Aufgabe, die Fundstellen zu vermessen und zu zeichnen. „Es war mir vorher nicht bewusst, wie anspruchsvoll das Arbeiten unter Wasser ist. Alles muss genauestens geplant sein, man sich mit seinen Partnern blind bzw. unter Wasser stumm verstehen.“ so Sporttaucher Andreas Kühn aus Bad Freienwalde in Brandenburg. Laut Kursleiter Henrik Pohl wurden die Anforderungen durch die Teilnehmer bestens erfüllt. „Alle Tauchteams haben hervorragend zusammengearbeitet und super Ergebnisse produziert. Diese werden wir mit Freude in unsere Forschungen einfließen lassen und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege übergeben.“ Die praktischen Übungen am Strand und unter Wasser wurden durch ein Vortragsprogramm zu Schifffahrtsgeschichte und Häfen ergänzt. Die Sporttaucher, unter ihnen auch praktizierende und angehende Archäologen, verfolgten mit Interesse die Vorlesungen zu Beispielen der Unterwasserarchäologie im Ostseeraum. Die Seminare und Workshops der Gesellschaft, Teilverein im Landesverband für Unterwasserarchäologie MV e.V., haben den Zweck, Taucher für den Denkmalschutz zu sensibilisieren. „Wir freuen uns,“ so Archäologe Pohl, „dass wir wieder einigen Tauchern die Faszination der Denkmale auf dem Grund der Ostsee näher bringen konnten. Den Schutzgedanken werden die 11 Teilnehmer mit Sicherheit in ihre Vereine tragen.

Schiffsarchäologisches Seminar in Rostock
Dass dies dringend nötig ist, zeigen Entdeckungen, die Teilnehmer und Veranstalter des Seminars auch aktuell machen mussten. Wiederholt haben sich unbekannte am Wrack des Schleppers zu schaffen gemacht. Wurde im Vorjahr das gesamte Vorschiff auseinandergerissen, stießen die Taucher in der letzten Woche auf Spuren, die auf ein gezieltes Graben im Wrack deuten. „Es ist bekannt, dass Taucher dem Fundplatz Gegenstände entnehmen. Auch die neuen Spuren deuten auf eine gezielte Suche durch Souvenirjäger hin.“ sagt Martin Siegel, Vorsitzender der Gesellschaft. Dabei vergessen oder ignorieren die Schatzjäger, dass es sich bei Schiffswracks um Denkmale und somit Allgemeingut handelt. Laut Siegel ist der Eingriff kein Einzelfall. Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass Fundplätze nach Bekanntwerden geplündert werden und so ihre Aussagekraft als Denkmal und für die Forschung verlieren. Die Wissenschaftler und ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger befinden sich stetig in einem Rennen gegen die Zeit. Von den Rostocker Vereinsmitgliedern klingt durch, dass sie sich von der Landespolitik im Stich gelassen fühlen. „Dass gerade in Mecklenburg-Vorpommern mit der langen Ostseeküste nicht mehr für Erforschung, Erhalt und Schutz des Kulturgutes unter Wasser getan wird, kann ich nicht nachvollziehen“ so Kursteilnehmer und angehender Archäologe Stefan Dziwis aus Fürth in Bayern. Trotzdem wollen viele der Kursteilnehmer wieder kommen, um mit den Schiffsarchäologen auf dem Ostseegrund zu tauchen.