Rücktritt oder ... Verwirrung um Ägyptens Tourismusminister

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19.06.2013 16:20
Kategorie: News

Ägypten - Quo Vadis?

Hischam Zaazou - Ägyptens Tourismusminister (Svenska mässan; aus Wikipedia)
Ägyptens Tourismusminister Hischam Zaazou hat am Mittwoch seinen Rücktritt eingereicht. Grund für die Entscheidung sei die Ernennung des Islamisten Adel Asaad al Chajat zum Gouverneur in Luxor. Dieser stand der Terrorgruppe Gamaa Islamija nahe, die für mehrere blutige Angriffe auf Touristen verantwortlich gemacht wird. Der Vorgang wird als schwerer Rückschlag Ägyptens auf dem Weg zu einer Normalisierung des Tourismus gesehen.

Wie gestern gemeldet wurde, habe Mohamed Hisham Abbas Zaazou gesagt, er könne seine Aufgabe, die Zahl der ausländischen Urlauber zu steigern, nicht erfüllen, wenn ein Mitglied der radikalen Gamaa Islamija Gouverneur von Luxor sei. Ministerpräsident Hischam Kandil akzeptierte seinen Rücktritt zunächst nicht. Kandil habe Zaazou gebeten bis zu einer Klärung weiter im Amt zu bleiben, sagte Zaazous Sprecherin. Zaazou selbst bekräftigte, nicht als Minister amtieren zu wollen, solange Al Chajat auf seinem Posten sei. Die Situation ist also noch nicht ganz klar.

Mohamed Hisham, der bestens bekannt und gut vernetzt in den weltweiten Touristiknetzwerken ist, brachte mehr als 25 Jahre Berufserfahrung im globalen Tourismus als Grundlage mit in den Ministerjob. Für den ägyptischen Tourismus konnte eigentlich kein besserer Kandidat in das Amt berufen werden. Zaazou hatte sich in den vergangenen Monaten viel Ansehen in der Branche erworben, wenn auch nicht alle seine Pläne umgesetzt werden konnten.

Das Fremdenverkehrsamt Ägyptens in Frankfurt widerspricht aktuell den Meldungen: „Wir möchten klarstellen, dass Herr Zaazou nicht zurückgetreten ist“, schreibt Direktor Mohamed Gamal in einem Statement. Zaazou wolle vielmehr in Kürze bekanntgeben, „weshalb ein derartig schneller Rücktritt unvorstellbar“ sei. 

Präsident Mohammed Mursi hatte Al Chajat sowie mehrere andere umstrittene Gouverneure am vergangenen Sonntag ernannt. Unter den zehn neu ernannten Regionalpolitikern sind sieben Mitglieder der islamistischen Muslimbruderschaft. In der nördlichen Provinz al-Manufija verwehrten Demonstranten dem neuen Gouverneur Ahmed Scharawi laut Medienberichten den Zugang zu seinem Büro. Am Dienstag hatte es in insgesamt sechs Provinzen Proteste gegen die neu ernannten islamistischen Gouverneure gegeben, die Präsident Mohammed Mursi am Sonntag berufen hatte. In der Stadt Tanta kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei denen 19 Menschen verletzt wurden.

Al Chajat ist führendes Mitglied der früheren Terrororganisation Gamaa Islamija. Die Islamistenbewegung, die inzwischen offiziell der Gewalt abgeschworen hat, trägt die Schuld für zahlreiche Angriffe auf Touristen in den 90er Jahren. Sie ist auch verantwortlich für des Massakers im Hatschepsut-Tempel von 1997. Damals hatten sechs Attentäter in dem Tempel 62 Menschen massakriert. Die meisten Opfer waren Touristen aus der Schweiz und aus Deutschland.

Seit der Ernennung Chajats gehen in Luxor die Wogen hoch. Der Vizepräsident der Vereinigung der Tourismusunternehmer von Luxor, Mohammed Othman, nannte es Anfang der Woche skandalös, dass ausgerechnet ein radikaler Islamist für eine Stadt wie Luxor, die vorwiegend von Einnahmen aus dem Tourismus lebt, ausgewählt worden sei. Lokale Tourismusbetriebe und Gewerkschaften drohen damit, alle Tempel und Touristenattraktionen in Luxor zu schließen, sollte Chajat im Amt bleiben.