Row for silence

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26.08.2011 10:26
Kategorie: News

Rudern für stille Ozeane

Row for silence
Ab Dezember 2011 rudert Janice Jakait über den Atlantischen Ozean. 7‘000 Kilometer, 120 Tage ohne Unterbrechung. Aus Freude an der Herausforderung. Doch das genügt ihr nicht. Sie rudert auch für stille Ozeane, denn unter Wasser gibt es viel zu viel Lärm. Und das muss sich ändern. Mit „Row for Silence“ unterstützt die deutsche Athletin die Kampagne „Silent Oceans“ der Organisation OceanCare.

Um genau zu sein, so sind es 3'500 Seemeilen, die Janice Jakait zurücklegen wird. In der Weite des Atlantik wird ihr spektakuläres Ruderboot nicht mehr als eine Nussschale sein. Im kommenden Dezember will die 33-Jährige von der portugiesischen Küste ablegen und mit dem Nordäquatorialstrom unter dem Kiel bis zur Karibikinsel Antigua rudern. Tag und Nacht. Wind und Wetter werden ihre Begleiter sein, wobei sie mit mehr als zehn Meter hohen Wellen rechnen muss.

Weshalb sie sich das antut, möchte man fragen. „Ich leugne nicht, dass ich mir und der Welt etwas beweisen will, wenn ich als erste Deutsche allein über den Atlantik rudere“, sagt Janice. „Ich will mit dem Projekt aber auch etwas bewegen. Sinnbildlich sollen mich viele Menschen auf einer Reise zum Schutz der Meere begleiten. Über den Ozean zu rudern ist ungewöhnlich und erregt Aufmerksamkeit. Und die hat das arg gebeutelte Meer dringend nötig.

Schlag um Schlag für mehr Stille im Meer

Der Schutz der Hoch- und Tiefsee liegt ihr am Herzen. Und so hat sich Janice mit OceanCare eine Organisation als Partner an Bord geholt, deren Bemühungen um stille Ozeane sie in den Fokus rücken will. Passend zu ihrer lautlosen Art übers Wasser zu gleiten, nennt sie das Projekt „Row for Silence“ (Rudern für die Stille). Das Motto verweist darauf, dass es Stille in den Ozeanen nicht mehr gibt, und es ist schon fast ein Plädoyer: Ruderschläge statt Motorengedröhn.

Viele Wale mussten sterben, bevor internationale Gremien die gefährliche Dimension des Unterwasserlärms ernst zu nehmen begannen. Schiffsverkehr, Militärsonare sowie seismische Tests zur Ortung von Erdölvorkommen bedeuten massive akustische Verschmutzungen der Meere. Wenn Wale aufgrund des Lärms noch immer stranden, sehen wir nur die Spitze des Eisbergs. Die Beschallung setzt auch den Fischbeständen zu. Summiert man die Folgen des Lärms mit jenen der Überfischung und der Meeresverschmutzung, so wird klar, dass die Nahrungskette hochgradig geschwächt sein muss. Immer mehr Meerestieren droht der Hunger. Aber auch die Menschen werden darben, denn ein Grossteil vor allem der ärmeren Weltbevölkerung ist auf Fisch als primäre Proteinquelle angewiesen.

Das Dröhnen für Politiker hörbar machen

OceanCare setzt sich als eine der international aktivsten Organisationen gegen den exponentiell zunehmenden Unterwasserlärm ein. Als federführende Instanz der International Ocean Noise Coalition (IONC) verzeichnete sie 2010 bahnbrechende Erfolge: Das UN-Abkommen für wandernde Fischbestände anerkannte, dass Lärm die Fische beeinträchtigt. Die UN-Konvention zur Artenvielfalt will das Thema Unterwasserlärm an der nächsten Vertragsstaatenkonferenz diskutieren. Die UN-Generalversammlung fördert wissenschaftliche Studien zur Auswirkung der Beschallung und beabsichtigt, den Einfluss von Lärm auf Fischbestände sowie sozioökonomische Auswirkungen geringerer Fischfänge zu untersuchen. Und die Mitgliedstaaten des Abkommens zum Schutz der Wale und Delphine im Mittelmeer sind aufgrund der Vorstösse von OceanCare bereit, bis 2013 Pilotprojekte zur Reduktion von Lärm in drei sensiblen Meeresgebieten durchzuführen.
Aus der konstruktiven Zusammenarbeit mit Janice erhofft sich OceanCare mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung für das Engagement gegen das Dröhnen im Meer. Die Meerestiere sind für Beutefang, Orientierung und Kommunikation auf ihr feines Gehör angewiesen und können nur überleben, wenn der Lärm in ihrem Lebensraum deutlich eingeschränkt wird.

Ruderschlag um Ruderschlag wird Janice Jakait ab Dezember die Aufmerksamkeit auf das lenken, was sich unserem Auge entzieht. Sie bietet den Gewalten des Meeres die Stirn und zählt darauf, dass sie nach rund vier Monaten erleichtert feststellen kann: Land in Sicht – was im übertragenen Sinn auch für die Meere gelten soll!