Probelauf Spezialkurs „Denkmalgerechtes Tauchen“

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17.05.2003 11:43
Kategorie: News
Noch mehr Denkmalgerechtes Tauchen im VDST!

Wracktauchen! Nach wie vor haben „alte“ Schiffe unter Wasser ihren ganz besonderen Reiz und ziehen magisch Taucher an. Ohne Zweifel, die Unterwasserkulisse und eventuell ein überaus interessanter Bewuchs gepaart mit „dicken“ Fischen und riesigen Fischschwärmen machen einen Wracktauchgang zu einem ganz besonderen Erlebnis. Doch wie sieht es mit dem Schutz dieser Kulturgüter unter Wasser aus? Sind wir im VDST darüber ausreichend informiert? Gäbe es da nicht noch den einen oder anderen interessanten neuen Tauchplatz, sogar in Deutschland? Fragen, die zur Zeit mit den zuständigen Fachleuten aus der professionelle Unterwasserarchäologie intensiv diskutiert werden. Aufbauen können diese Gespräche auf der bereits zur Tradition gewordenen engen Zusammenarbeit organisierter Sporttauchergruppen mit der Landesarchäologie an der Ostsee und am Bodensee, und auf die bestehende Zusammenarbeit des VDST mit der Deutschen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie. Die DEGUWA bietet bereits seit einigen Jahren in Kooperation mit dem VDST erfolgreich Kurse für Sporttaucher an.

Bei allem bisherigen Erfolg dieser Zusammenarbeit dürfen wir uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass an der Gesamtzahl der aktiven Sporttaucher gemessen, dennoch nur Wenige bewusste Erfahrungen mit Unterwasser - Kulturgut machen. Mit fatalen Folgen nicht nur für den Unterwasser-Denkmalschutz. Entstehen durch Unachtsamkeit oder Unkenntnis Schäden, gehen nicht nur potentiell wissenschaftlich bedeutsame Informationen verloren, sondern auch ein Stück Attraktivität für den Sporttaucher. Ein gutes Beispiel vom Bodensee ist der Raddampfer „Jura“, der seit seiner Entdeckung durch Souvenirjägerei, Unachtsamkeit oder Ankerschäden stark gelitten hat. Umdenken und Handeln hin zu einem vermehrten Schutz der Kulturgüter unter Wasser tut also Not: Sporttaucher müssen im gemeinsamen Interesse verstärkt für die Problematik des Unterwasser-Denkmalschutzes gewonnen werden. Und das heißt, zumindest vom Standpunkt des professionellen Archäologen aus gesehen: Funde melden! Selbstkontrolle durch die Taucher selbst! Und ganz besonders: Weiterbildung in Sachen Archäologie und Denkmalschutz!

Ein verstärkter Gedankenaustausch mit dem Ziel, den für beide Seiten unbefriedigenden Ist-Zustand zu verändern hat auf der boot dieses Jahr begonnen und wird derzeit vertieft zwischen den zuständigen Gremien bei VDST und CMAS Germany einerseits und den zuständigen Landesarchäologen andererseits. Die Zielrichtung wird dabei immer klarer: Wir benötigen über den bestehenden DEGUWA – Kurs hinaus weitere Angebote, die Sporttauchern Kenntnisse, Techniken und Fähigkeiten in die Hand geben, die sie in letztlich jedem Tauchgang anwenden können. Dazu gehört vor allem, Unterwasser – Kulturgut als solches erkennen zu können, aber auch richtige Tauchgangsplanung, Körperhaltung (Tarierung) und nicht zuletzt Ortungstechnik. Solche Kurse können letztlich in jedem Baggersee durchgeführt werden, aber auch im Schwimmbad oder im Urlaubsgewässer. Basiswissen, Quellenkunde, Recht können an einem präparierten oder auch an einem im heimischen oder Urlaubsgewässer vorhandenen Fallbeispiel durchgespielt werden. Eine ganze Reihe entsprechender theoretischer und praktischer Module sind am Bodensee wie an der Ostsee bereits entwickelt und erprobt.

Ebenso wie der Schutz von Unterwasser – Kulturgut nicht Sache der staatlicher Behörden alleine sein kann, können nicht nur Unterwasserarchäologen diejenigen sein, die entsprechende Kenntnisse vermitteln. Multiplikatoren müssen auf mittlere Sicht die Tauchausbilder selber sein. Die Tauchverbände verfügen über ein Netz hervorragend ausgebildeter, hoch motivierter und erfahrener Leute, die diese Aufgaben ja auch in anderen Bereichen – beispielsweise dem Umweltgerechten Tauchen - sehr erfolgreich übernehmen können. Wenn nun die ersten Lehrgänge am Bodensee, an der Ostsee, eventuell auch in diesem Jahr noch in einem der Urlaubsgewässer stattfinden sollen, gehören die Ausbilder neben dem interessierten Sporttaucher ganz sicher zur Zielgruppe. Auch wird das denkmalgerechte Tauchen erstmalig mit eigenen Folien im neuen offiziellen Lehrfoliensatz des VDST vertreten sein.

Der erste Probelauf wird am 28./29. Juni 2003 in Dingelsdorf am Überlingersee stattfinden. Vermutlich werden wir ein – bislang unter Sporttauchern noch nicht bekanntes – Wrack eines kleinen Seglers als „Versuchsobjekt“ betauchen. Der Probelauf wird erweisen, ob unser Konzept „Denkmalgerechtes Tauchen“ als Modul einer mehrstufigen, an die international gültigen Standards der Nautical Archaeology Society (NAS) angelehnten Lehrgangsabfolge taugt. Ausschreibungsunterlagen findet man in Kürze auf den Internet-Seiten des VDST und CMAS Germany, weitere Info unter Stephan.Siroky@gmx.de

M. Mainberger, Kommission für Unterwasserarchäologie beim Verband der Landesarchäologen der Bundesrepublik Deutschland KUWA
F. Brümmer, Verband Deutscher Sporttaucher VDST
U. Müller, Deutsche Gesellschaft für Unterwasserarchäologie DEGUWA