Piratenfischer vor Norwegen

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20.09.2005 11:52
Kategorie: News
Greenpeace-Flaggschiff "Esperanza" entdeckt Piratenfischer vor Norwegen
Umweltschuetzer protestieren gegen Pluenderung der Kabeljau-Schwaerme

Hamburg, 19. 09. 2005 - In der Barentssee vor der Nordkueste Norwegens hatdas Greenpeace-Flaggschiff "Esperanza" heute einen Piratenfischer im Seegebiet des so genannten Loophole entdeckt. Die 61 Meter lange "Murtosa" fischt in der Region nach Kabeljau und haelt sich dabei nicht an gueltige Fischereiabkommen. Die Umweltschuetzer naeherten sich dem Fischdampfer am Abend in Schlauchbooten, stiegen an Bord, forderten den Kapitaen zum Verlassen der Region auf und hissten auf der "Murtosa" den "Jolly Roger", die Piraten-Flagge mit dem Totenkopf.

"Hier werden ganze Kabeljau-Schwaerme gepluendert, ohne dass die Behoerden eingreifen koennen. Obwohl die norwegische Kuestenwache von den illegalen Aktivitaeten weiss, sind ihr die Haende gebunden", sagt Stefanie Werner, Meeresexpertin von Greenpeace an Bord der "Esperanza". In internationalen Gewaessern koennen die Behoerden nicht gegen jedes Schiff vorgehen. Nach Angaben der norwegischen Kuestenwache werden jedes Jahr bis zu 150.000 Tonnen Kabeljau von Piratenfischern in der Barentssee gewildert. Das entspricht etwa einem Drittel der legalen Fangquote. Die Folge: Der Kabeljau-Bestand ist zunehmend ueberfischt und die Kuestenfischerei in ihrer Existenz bedroht.

Das Loophole ist internationales Gewaesser ausserhalb der Wirtschaftszonen Norwegens und Russlands. Da die "Murtosa" unter der Flagge von Togo/Afrika faehrt, muss sie sich nicht an das geltende Fischereiabkommen (North-East-Atlantic-Fishery-Commission, NEAFC) halten. Die Ware der Piratenfischer wird auf hoher See auf Frachter verladen, die ebenfalls unter Flaggen von Staaten fahren, die keinerlei Abkommen und Kontrollen unterliegen. Anschliessend steuern die Frachtschiffe europaeische Haefen in England, Spanien, Portugal, den Niederlanden und Deutschland an und verkaufen dort den Fang.

Greenpeace fordert eine nachhaltige, Bestand sichernde Fischerei. Illegal gefischte Ware darf in den Haefen der EU nicht mehr angelandet werden. "Wenn Ware beschlagnahmt, Haendler verhaftet und Piratenfischer an die Kette gelegt werden koennen, haben Kabeljau und Co. noch eine Chance", sagt Stefanie Werner. Kabeljau gehoert zur beliebtesten Fischart auch in Deutschland. Doch das Ende des Dorschfischs ist nah. Anfang der 70er Jahre gab es allein in der Nordsee noch dreimal so viele geschlechtsreife Tiere wie heute. Heutzutage werden die Tiere hauptsaechlich mit Grundschleppnetzen gefangen, in denen auch viele unerwuenschte Arten (so genannter Beifang) landet, der tot oder sterbend ueber Bord geworfen wird.

Quelle: Presseinfo Greenpeace