Piranhas tragen Killerimage zu Unrecht

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02.07.2007 17:11
Kategorie: News
Forscher zeichnen differenziertes Bild der südamerikanischen Raubfische

London/St. Andrews (pte/02.07.2007/13:55) - Die Piranhas gelten zu Unrecht als die Killer im südamerikanischen Amazonasgebiet. Zu diesem Schluss kommen Forscher um Anne Magurran vom Gatty Marine Research Institute an der schottischen St. Andrews University http://www.st-andrews.ac.uk. Freilich sind Piranhas Raubfische, aber sie ernähren sich auch von Pflanzen und Insekten und ihr Verhalten sich in Gruppen zusammenzuschließen, dient in erster Linie der Verteidigung ihres eigenen Lebens, berichten die Wissenschaftler bei der Royal Society Summer Science Exhibition http://www.royalsoc.ac.uk in London.

"Ursprünglich dachten wir, dass die Piranhas sich zu Gruppen formieren, um dann gemeinsam zu jagen", erklärt die Biologin. "Wir konnten allerdings feststellen, dass das Verhalten in erster Linie dazu dient, sich vor Feinden zu schützen." Feinde haben die Piranhas in den Flüssen und Bächen jedenfalls genug: Flussdelfine, Kaimane, Schnappschildkröten und Arapaimas, die bis zu drei Meter groß und 250 Kilogramm schwer werden, jagen nach kleineren Fischen wie es die maximal 40 Zentimeter großen Piranhas sind. Die Forscherin hat gemeinsam mit ihren Kollegen entdeckt, dass die Schwarmgröße der Raubfische vom Gesamtrisiko abhängt. Das Risiko selbst hängt von der Art der Räuber sowie vom zur Verfügung stehenden Platz ab. Regen- und Trockenzeit sowie die Schneeschmelze in den Anden bestimmen im Amazonas den Wasserstand. Die Amplituden betragen bis zu zwölf Meter jährlich. Bei Hochwasser bilden die Piranhas kleinere Schwärme, da es genügend Fluchtmöglichkeiten vor Feinden gibt. Wenn der Wasserstand fällt, werden die Schwärme der Räuber immer größer. Bis zu 50 Fische in einem Schwarm sind dann keine Seltenheit.

Die "Teamarbeit" unter den Piranhas scheint allerdings nicht besonders ausgeprägt zu sein: Ein Schwarm besteht nämlich nicht immer aus denselben Tieren. Ein Leittier konnten die Forscher auch nicht ausmachen. Die Regel scheint allerdings zu sein, dass ältere ausgewachsene Tiere im Schwarm weiter innen schwimmen und jüngere außen. Ein Grund dafür ist der leichtere Zugang zu Nahrung für die noch nicht ausgewachsenen Tiere.

Zu den Piranhas werden fünf südamerikanische Fischarten aus der Familie der Salmler und zusammengefasst. Piranhas sind zumeist hochrückige, seitlich stark abgeflachte Schwarmfische mit sehr scharfen Zähnen. Die Lebenserwartung der räuberischen Fische beträgt in freier Wildbahn etwa 15 Jahre, in Gefangenschaft können sie sogar doppelt so alt werden. Eine besondere Eigenschaft der Piranhas ist ihre extrem schnelle Wundheilung. Auch angebissene Schwanz- und Rückenflossen wachsen innerhalb kurzer Zeit wieder vollständig nach.

(Foto: pixelio)