Pfarrer geht für Andacht aufs Wasser

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25.11.2004 00:49
Kategorie: News
Ungewöhnliche Töne zogen am Sonntag bei eisigen Temperaturen und stürmischem Wind über den Kulkwitzer See. Die "Leipziger Delphine" hatten aus Anlass des Totensonntags zur dritten Andacht an ihr Hausgewässer geladen. Mehr als 40 Zuhörer waren dieser Einladung gefolgt.

Auf einer kleinen, vor der Tauchbasis der "Leipziger Delphine" im Wasser schwankenden Insel trotzte der Markranstädter Pfarrer Michael Zemmrich den Elementen und hielt eine Predigt, in der viel vom Tod, aber noch mehr vom Leben die Rede war.

Er erinnerte an die Gefahren des Tauchens, die zugleich den Blick für die Begrenztheit des eigenen Lebens öffnen sollten. Zugleich verwies er auf die Parallelen zum Bergsteigen, denn trotz seiner Kamera-den sei auch ein Taucher unter Wasser auf sich allein gestellt. Er bewege sich in einem Medium mit eigenen Gesetzen und gewinne Zugang zu einer andersartigen Welt. Das hinterlasse in den Tauchern Spuren. "Sie tauchen aus dem Wasser anders auf, als sie untergetaucht sind", beschrieb Zemmrich die Veränderungen.

"Der Tod mündet in die Auferstehung", resümierte der Markranstädter Pfarrer seine Überzeugung angesichts der Unfälle, die sich auch beim Tauchen im Kulkwitzer See immer wieder ereignen. In sein Gebet für die Menschen, die im "Kulki" Leben oder Gesundheit einbüßten, schloss er ausdrücklich auch jenes Opfer mit ein, das seinem Leben in diesen Jahr im See ganz bewusst ein Ende setzte.

Unterstützt wurde Zemmrich durch die Mitglieder des Markranstädter Posaunenorchesters, die trotz kalter Lippen und eines Windes, der den Noten den Kampf angesagt zu haben schien, die Andacht musikalisch umrahmten.

Nachdenkliche Töne gab es im Anschluss in einem beheizten Zelt am Seeufer zu hören. Dort berichtete Andreas Böhm, Kommissar bei der sächsischen Wasserschutzpolizei, über die Ergebnisse seiner Ermittlungen bei einer Reihe von Tauchunfällen, die sich seit 1997 in Sachsen ereignet haben. Insgesamt waren bei diesen Unfällen zehn Tote zu beklagen, drei Taucher trugen Verletzungen davon, einer von ihnen ist an den Rollstuhl gefesselt.

Als Ursache praktisch aller Unfälle führte Andreas Böhm eine unglückliche Mischung aus Leichtsinn, ungenügender Erfahrung und Selbstüberschätzung an. Technische Defekte hätten hingegen in keinem Fall zwingend zu Unfällen geführt.

"Immer wieder höre ich von Tauchern, die sich über Sicherheitsvorschriften hinwegsetzen, dass sie doch nur zum Spaß unterwegs seien", beklagt Andreas Böhm. "Wer so zu einem Tauchgang aufbricht, für den hört irgendwann der Spaß auf."

Dass es im Kulkwitzer See praktisch jährlich einen schweren Tauchunfall gibt, habe nichts mit einer besonderen Gefährlichkeit des Gewässers zu tun. "Im Gegenteil, andere Seen sind viel tückischer und bergen erhebliche Risiken für die Taucher", so Böhm. "Aber der Kulkwitzer See ist sehr beliebt und zieht viele Taucher an. Damit wächst auch die Unfallwahrscheinlichkeit."

Quelle: Leipziger Volkszeitung, André Dreilich