Ozeanversauerung: Korallen wachsen langsamer

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17.03.2016 08:33
Kategorie: News

Wissenschaftler simulieren Umweltbedingungen aus vorindustrieller Zeit direkt am Riff

Ein Team von Wissenschaftlern von der amerikanischen Carnegie Institution for Science hat zum ersten Mal überhaupt die Seewasser-Chemie eines natürlichen Korallenriffs manipuliert und dabei Umweltbedingungen der vorindustriellen Zeit von vor 200 Jahren simuliert – Bedingungen ohne die durch Kohlendioxid verursachte Ozeanversauerung. Das Ergebnis: Die Korallen wachsen bereits heute langsamer.

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Wenn wir Kohle verbrennen, Öl oder Gas, wird massiv Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt, wo es als Treibhausgas wirkt. Vom Menschen verursachte Treibhausgase wirken aber nicht nur in der Atmosphäre: Sie haben auch einen negativen Einfluss auf die Weltmeere. Im Laufe der Zeit wird der größte Teil des Kohlendioxids in der Atmosphäre durch die Ozeane absorbiert, wo das Gas mit dem Meerwasser reagiert und eine Säure bildet, die neben Korallenriffe auch Muscheln und andere Meereslebewesen angreift. Dieser Prozess ist als Ozeanversauerung bekannt.

Korallenriffe sind besonders anfällig für die Versauerung der Ozeane, weil Riff-Architektur durch die Akkretion von Kalziumkarbonat entsteht, die so genannte Verkalkung. Diese die wird immer schwieriger, wenn sich die Säurekonzentrationen erhöhen und der umgebende pH-Wert des Meerwassers sinkt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Riffe aufgrund derv zunehmenden Versauerung noch in diesem Jahrhundert von der Verkalkung zur Auflösung wechseln könnten.

Frühere Studien haben große Rückgänge der Korallenriffen in den letzten Jahrzehnten nachgewiesen. Ein  Ergebnis der Forscher: Die  Riffverkalkung war in den Jahren 2008 und 2009  um 40 Prozent niedriger als in den Jahren 1975 und 1976 zur gleichen Jahreszeit. Aber es war schwer, zu ermitteln, welcher Anteil des Rückgangs auf die Ozeanversauerung zurückgeht und welche Anteile durch Erwärmung, Umweltverschmutzung und Überfischung zurückgehen.

Das Forscherteam hat für ihre aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift Nature erschienen ist, die Alkalität des Seewassers eines flachen Riffabschnitts bei One Tree Island im südlichen Great Barrier Riff (Australien) manipuliert. Sie passten den pH-Wert des Riffs an ein Niveau aus vorindustrieller Zeit an, basierend auf Schätzungen des atmosphärischen Kohlendioxids jener Zeit. Dann maßen sie die Verkalkung des Riffs in Reaktion auf den manipulierten, gesenkten pH-Wert und fanden heraus, dass die Verkalkungsraten unter diesen vorindustriellen Bedingungen höher waren als sie es heute sind.

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"Unsere Arbeit ist der erste deutliche Hinweis auf Grundlage von Untersuchungen an einem natürlichen Ökosystem, dass die Versauerung der Ozeane bereits das Wachstum der Korallenriffe verlangsamt", so die Forscher. "Die Ozeanversauerung fordert hier bereits ihren Tribut. Das ist nicht mehr eine Angst für die Zukunft; es ist die Realität von heute."

Zur Rettung flacher Meeresökosysteme wurde eine Erhöhung der Alkalität bereits als  Geo-Engineering-Maßnahme vorgeschlagen. Die Ergebnisse der Forscher zeigen, dass diese Idee durchaus wirksam sein könnte. Die praktische Anwendbarkeit solcher Maßnahmen scheint allerdings fast unmöglich, wenn überhaupt dann nur im äußerst kleinen Maßstab.

"Der einzige dauerhaft wirksame Art und Weise, Korallenriffe zu schützen, ist eine tiefgreifende  Reduktion unserer Kohlendioxid-Emissionen. Wenn wir in dieser Frage nicht sehr schnell handeln, werden die Korallenriffe und alles, was von ihnen abhängt, einschließlich der Tierwelt und lokaler Gemeinschaften, das nächste Jahrhundert nicht überleben." resümieren die Forscher.

Weitere Informationen: carnegiescience.edu

Link zur Studie: www.nature.com/..landmark-experiment-confirms-ocean-acidification