Ostsee: Extreme Ausdehnung der "Todeszonen"

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01.04.2014 09:26
Kategorie: News

Größte Sauerstoffmangelzone menschlichen Ursprungs

Seeanemone © Uwe Schmähling
Seeanemone in der Ostsee (Uwe Schmähling)

In der Ostsee hat sich die Fläche der sauerstoffarmen und damit lebensfeindlichen Zonen in den letzten hundert Jahren mehr als verzehnfacht. Insgesamt wuchsen die Areale mit extremem Sauerstoffmangel von 5.000 auf ca. 60.000 Quadratkilometer, was knapp 15% der Gesamtfläche der Ostsee darstellt, an.

Ein dänisch-schwedisches Forscherteam um Jacob Carstensen von der Universität Aarhus, hat diese Ergebnisse ermittelt. Ursachen sind laut Studie die Erwärmung des Wassers, vor allem aber die deutlich erhöhte Konzentration von Nährstoffen etwa durch die Landwirtschaft.

Die Gewässer rund um die dänische Insel Bornholm und die schwedische Insel Gotland waren im Fokus der Wissenschaftler. Untersucht wurden wie sich Temperatur, Salzgehalt und Sauerstoffwerte in den vergangenen 115 Jahren entwickelt haben. Ein Ergebnis der ersten Untersuchung war, dass die Wassertemperatur in beiden Gebieten um etwa zwei Grad Celsius im Vergleichszeitraum angestiegen ist. Durch die erhöhte Temperatur kann sich natürlich weniger Sauerstoff im Wasser lösen.

Die wirklich besorgniserregende Entwicklung aber stellen die Nährstoffe dar, die z.B. aus der Landwirtschaft über Grundwasser und Flüsse in die Ostsee gespült werden. Sie lassen unter anderem Cyanobakterien sprießen, die sich stark vermehren und extreme Sauerstoffverbraucher sind. Die Forscher bezeichnen die Ostsee als die weltweit größte Sauerstoffmangelzone menschlichen Ursprungs.

Todeszonen in der Ostsee extrem gewachsen

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Interessant ist, dass die Ergebnisse des Jahres 1993 (für die gleichen Zonen) extrem gut aussahen: Damals waren die Todeszonen auf das Maß der 30er Jahre geschrumpft. Die Ostsee schien sich nach langer Zeit erholt zu haben. Doch die Studie zeigt, dass dies einem seltenen Ereignis geschuldet war: Im Normalfall fließt Nordseewasser, welches deutlich salzhaltiger ist, in die Ostsee. In diesem Zeitraum kehrte sich der Zufluss um – die Ostsee nahm wenig Nordseewasser auf, der Salzgehalt sank. Die Schichten aus Wasser mit geringem und hohem Salzgehalt wurden durchlässiger. Tiefen- und Oberflächenwasser tauschten sich stärker aus und mehr Sauerstoff gelangte in die Tiefe.

Seit 1993 dehnten sich die sauerstoffarmen Zonen wieder deutlich aus und sind heute größer als je zuvor. Die Meeresbewohner haben dadurch einen deutlich verringerten Lebensraum. Die Wissenschaftler sehen eine Möglichkeit, die Ostsee wieder gesünder zu machen: Die auf Felder ausgebrachten Düngemittel müssten verringert werden.

Direkter Link zur Studie in den "Proceedings" der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA: www.pnas.org/content/early/2014/03/27/1323156111