Ostsee: Alltaegliche Verschmutzung schlimmer als Tanker-Katastrophen

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09.02.2006 11:23
Kategorie: News
Unglueck vor Estland beweist: Oelverschmutzung auf katastrophal hohem Niveau

Hamburg, 8. 2. 2006: Greenpeace schaetzt, dass der Rohoeltanker "Flawless", der im Verdacht steht die Oelpest in der Ostsee ausgeloest zu haben, morgen oder uebermorgen Port Said am Mittelmeer erreichen wird. Dort muss nach Meinung der Umweltschutzorganisation auf jeden Fall das so genannte Oeltagebuch des Schiffes ueberprueft werden. Nur dann koennen die Behoerden feststellen, ob das Schiff die Katastrophe vor der estnischen Kueste Ende Januar ausgeloest hat, in dem es unerlaubt Oel ins Meer gepumpt hat. Weit ueber 10.000 Voegel sind nach ersten Schaetzungen bereits gestorben.

"Der jaehrliche schleichende Oeleintrag in die Ostsee wird auf ueber 20.000 Tonnen geschaetzt. Das ist jedes Jahr ein Tankerunfall, von dem kaum jemand etwas mitbekommt", sagt Christian Bussau, Schifffahrtsexperte bei Greenpeace. "Was wir jetzt sehen, ist nur die Spitze des Eisberges. Praktisch jeden Tag leiten Schiffe illegal Oel ein. Die Behoerden sind machtlos, ihnen fehlen Geld und Personal. Wie viele Tiere im Jahr durch diese Verschmutzung sterben, weiss niemand."

Durch illegale Einleitungen der Schifffahrt und Schiffsunfaelle gelangen in die Ostsee jedes Jahr zwischen 2.000 und 7.000 Tonnen. Die restlichen 13.000 Tonnen setzen sich zusammen aus Eintraegen ueber Luft und Fluesse. Pro Jahr werden mehrere Hundert Oelverschmutzungen in Nord- und Ostsee bei der Luftueberwachung festgestellt. Das internationale MARPOL Uebereinkommen regelt die Verhinderung der Verschmutzung der Meeresumwelt durch Oel und oelhaltige Gemische. Ostsee und Nordsee sind als Sondergebiete ausgewiesen. Dort ist das Einleiten von Oel oder oeligen Gemischen aus jedem Oeltankschiff und aus jedem anderen groesseren Schiff verboten. Doch trotz dieser Gesetze ist die Situation fuer Nord- und Ostsee hoechst unbefriedigend.

Bussau: "So kann es nicht weiter gehen. Die Kontrollen der Schiffe in den Haefen muessen verschaerft werden. Anhand der Oeltagebuecher laesst sich feststellen, ob die Schiffe illegal Oel einleiten. Ausserdem muss die Luftueberwachung verstaerkt werden und die Strafen fuer die Oelsuender muessen drastisch erhoeht werden. Oelverschmutzung der Meere ist kein Kavaliersdelikt. Man kann die `Flawless` jetzt in Port Said schnappen." Der Rohoeltanker "Flawless" faehrt unter der Flagge von Liberia, ist 274 Meter lang und wurde 1991 gebaut. Am 5. Februar passierte das Schiff Gibraltar.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Oel-Einleitungen die Meereslebewesen stark schaedigen. Kleinste Mengen werden im Meerwasser verteilt und von den Organismen aufgenommen. Sie gelangen so in die Nahrungskette, wo sie sich als Schadstoffe im Organismus von Wuermern, Muscheln, Krebsen, Seesternen, Fischen, Seevoegeln und Meeressaeugern anreichern koennen. Dies kann zu Wachstums- und Entwicklungsstoerungen fuehren. Ueber die Nahrungskette koennen die Schadstoffe schliesslich auch zum Menschen gelangen.

Um auf die vielen Bedrohungen der Weltmeere aufmerksam zu machen, ist Greenpeace seit November 2005 mit dem Flaggschiff "Esperanza" auf den Ozeanen unterwegs. Die einjaehrige Greenpeace-Expedition steht unter dem Motto "SOS Weltmeer". Walfang, Ueberfischung, Verschmutzung durch Oel und andere Einleitungen stehen dabei im Mittelpunkt der Expedition.

Greenpeace Presseerklaerung vom 8. Februar 2006