Ostsee - künstliches Riff in Gefahr

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14.06.2002 23:03
Kategorie: News
Liebe Taucher,
wer die Ostsee kennt, der weiß um folgendes:
Sie ist dank jahrzehntelanger Nährstoffeinträge damit angereichert.
Sie ist überfischt.
Die Steinfischerei hat vielen Arten den Lebensraum weitgehend entzogen.
Der Grund ist über weite Strecken schlammig und lebensfeindlich.
An künstlichen Riffen wie Wracks findet man zahlreiches und vielfältiges Leben.

Zwei dieser seit 1983 bestehenden Lebensräume sollen nun per Bundesgesetz verschwinden.

In der Eckernförder Bucht stehen zwei aus Stahlbeton gefertigte Ölförderplattformen, die ausgedient haben. Wir haben an beiden Plattformen unterwasser dokumentiert und fanden eine üppige Hartbodenfauna sowie zahlreiche Fische vor.

Das Bundesberggesetz schreibt dem Betreiber vor, die Plattformen vollständig zu demontieren und wieder nackten schlammigen Meeresboden zurückzulassen. Damit wird ein für die Ostsee seltener und wertvoller Lebensraum unwiderbringlich zerstört. Ene einzige große Miesmuschel filtert pro Tag ca. 100 Liter Wasser, und davon gibt es dort Zigtausende!

Umweltschutzgesetze verbieten die vorsätzliche Zerstörung von Lebensräumen, hier ist er! Das Zuschütten eines Tümpels von 100 qm Größe wird untersagt, wenn da Kröten ablaichen, und hier wird bundesgesetzlich ohne Kenntnis und Würdigung der speziellen Gegebenheiten vorgeschrieben, einen weithin einzigartigen Lebensraum dem Betonshredder zuzuführen!
Leider haben Miesmuscheln und Seenelken kein emotionale Lobby, weil sie weder Wirbelsäule noch Federn oder Fell haben.

In anderen Staaten werden diverse große Objekte absichtlich versenkt, um neue Lebensräume zu schaffen. Wir haben den Lebensraum vor der Haustür und er soll zerstört werden!

Unser Verein möchte erreichen:
Die Betonsockel sollen nicht entfernt, sondern aus Gründen der Schiffssicherheit bis in eine Tiefe von 8 - 10 Meter abgesprengt und auch die tieferliegenden Teile (bis 16 bzw. 25 Meter) zersprengt werden und so ein künstliches Riff erhalten bleiben. Ein Kieler Meeresforschungsinstitut hat uns bereits im Frühjahr 2001 den erheblichen Wert eines Riffes aus den Resten dieser Plattformen bestätigt.

Der Zeitplan sieht die Entfernung der in 25 m Tiefe stehenden Plattform für Ende Juli vor - wenig Zeit für Maßnahmen, deshalb unsere Bitte:
Es ist Wahlkampf - jede Partei will sich profilieren.
Sprecht eure zur Wahl stehenden Bundestagsabgeordneten auf die Diskrepanz zwischen (diese Situation nicht berücksichtigendem) Berggesetz und diversen Umweltschutzgesetzen an.
Helft mit, dass die Betonsockel als Lebensraum erhalten bleiben!

Danke!

Für den Verein Fördetaucher

Joachim Warner