Ölrausch im Mittelmeer

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19.04.2013 09:00
Kategorie: News

Seismischer Lärm bei der Ölsuche gefährdet Wale und Delphine

Ölteppich im Golf von Mexiko, Explosion Deepwater Horizon
Ölteppich nach der Explosion der Deepwater Horizon

Morgen, am 19.April 2013, jährt sich zum dritten Mal die Explosion der BP-Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko.

Im Verlauf der Umweltkatastrophe flossen rund 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer. Und der Run auf das Schwarze Gold geht unvermindert weiter. Nun ist auch das Mittelmeer verstärkt dran. Der Energiehunger der Industriestaaten und die begleitende Finanzkrise haben zu einem wahren Run auf vermutete Öl- und Gasvorkommen im Mittelmeer geführt.

Doch schon lange vor den Bohrungen und dem Beginn der Förderung, fängt die schleichende Zerstörung der Umwelt an. Denn bereits bei der Suche nach begehrten Gas- und Ölvorkommen erzeugen Druckluftkanonen ohrenbetäubenden Lärm unter Wasser. Dieser raubt Meeressäugern und Fischen die Orientierung, vertreibt sie aus angestammten Lebensräumen und kann zu deren Tod führen.

Her mit den Schutzzonen!

19 Gebiete im Mittelmeer hat ACCOBAMS, das Abkommen zum Schutz der Wale und Delfine im Mittelmeer und im Schwarzen Meer, seinen Mitgliedern als Meeresschutzgebiete empfohlen. Darunter den Hellenischen Graben, der südwestlich des Peloponnes bis nach Kreta verläuft: mit bis zu 5.300 Metern Tiefe einer der wichtigsten Lebensräume für bedrohte Wal- und Delphinarten. Als solcher ist er unter anderem entscheidend für den Fortbestand des Pottwals, der als Tieftaucher auf Unterwassercanyons angewiesen ist.

Verantwortung übernehmen

Die Schweizer Meeresschutzorganisation OceanCare ruft anlässlich des Jahrestags der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko die Ölindustrie und Politik zum verantwortungsvollen Handeln beim Erschließen der Ölressourcen auf.

Der Verdacht, dass der verantwortungslose Run auf die Öl- und Gasvorkommen im Mittelmeer unter dem Druck der Eurokrise vorangetrieben wird, ist nicht von der Hand zu weisen“, sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare. Lüber fürchtet um den Fortbestand bedrohter Wal- und Delphinarten im Mittelmeer. Denn die Öl- und Gasförderung erzeugt Schallwellen, die so laut sind wie Düsenjets oder große Trägerraketen.

Pottwal - © Andrea und WIlfried Steffen
Pottwale brauchen tiefe Schutzzonen (© Andrea und Wilfried Steffen)

Bereits die Suche nach neuen Vorkommen mittels seismischen Tests bedroht die Meeressäuger akut mit Unterwasserlärm: Was für die Menschen die Augen sind, ist für die Wale und Delphine das Gehör. Diese "Lärmverschmutzung" verursacht bei den Tieren, die sich unter Wasser akustisch orientieren innere Verletzungen, die häufig Orientierungslosigkeit zur Folge haben. Dies ist auch der Grund, weshalb immer mehr Meeressäuger orientierungslos an den Küsten stranden und verenden.

Airguns - dagegen ist ein Presslufthammer "Stille"

Seismische Untersuchungen des Meeresbodens erzeugen unvorstellbar laute Schallwellen, die die Meerestiere akut gefährden. Airguns generieren in Intervallen von 6 bis 20 Sekunden Luftdruck-Explosionen mit bis zu 260 dB. Der Schalldruck ist mehr als 10.000 Mal so groß wie der eines Presslufthammers in einem Meter Abstand. Die enthaltene Schallintensität ist sogar über 100 Millionen Mal grösser.
Schutz für sensible Lebensräume

Mit dem Ziel, die Meeressäuger vor dem tödlichen Unterwasserlärm zu schützen, stellt OceanCare klare Forderungen an die Vertreter der EU: Sensible Lebensräume der Meeresssäuger im Mittelmeer sollen für seismische Tests sowie für die Öl- und Gasförderung tabu sein.

Weiter verlangt die Meeresschutzorganisation das Mittelmeer vor Tiefseebohrungen zu verschonen und in der Seismik ausschließlich lärmschonende Technologien zu erlauben.


Mittelmeer-Delfine - auch sie sind durch die akustische Kontamination gefährdet
Weiterführende Informationen zum Thema:

Delfinsterben nach Ölkatastrophe
Zwischen Beschwichtigung und Realität
Lärm macht Blind (Sonar Sucks)
Akustische Kontamination (pdf / DiveInside)