Neues aus der Aquapharmazie

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07.05.2003 13:29
Kategorie: News
Meerestiere und -pilze sollen Krankheiten heilen:

Das Manteltierchen sieht aus wie eine kleine Weintraube. Es hängt an Felsen im Mittelmeer und lebt davon, Nährstoffe aus dem Wasser zu filtern. Bislang kaum vom Menschen beachtet, könnte es bald schwer kranken Krebspatienten helfen: Eine Substanz, die Wissenschaftler in der weintraubengroßen Seescheide Ecteinascidia turbinata fanden, stoppte in klinischen Tests das Wachstum von Tumoren. «Wir erwarten noch in diesem Jahr die europäische Zulassung unseres Medikaments mit dem Wirkstoff des Manteltierchens», sagt Maren Koban von PharmaMar, einer Tochter des spanischen Pharmaunternehmens Zeltia. Anfangs sollen Ärzte das so genannte Weichteilsarkom (Bindegewebskrebs) damit behandeln. «Es laufen zudem klinische Studien für die Behandlung von Eierstock- und Brustkrebs.»

Tiere, Algen und Mikroorganismen aus den Meeren könnten sich nach Meinung vieler Forscher zu einer der wichtigsten Quellen für neue medizinische Wirkstoffe entwickeln. «Zum Schutz vor Fressfeinden haben viele marine Lebewesen giftige Substanzen entwickelt», erklärt der Düsseldorfer Professor für Pharmazeutische Biologie, Peter Proksch. Diese eigneten sich häufig für die Behandlung von Krebs, bakteriellen Infektionen oder entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma. «Bislang ist zwar noch keiner der gefundenen Wirkstoffe auf dem Markt», sagt Proksch. Die vor 25 Jahren aufgekommene Aquapharmazie sei noch sehr jung - besonders im Gegensatz zur Erkundung von Heilpflanzen. «Aber es gibt heute weltweit schon etwa 15 Substanzen aus marinen Lebewesen, deren Wirkung klinisch erprobt wird.»

Quelle: dpa; chemie.de