Mutationen und genetische Schäden im Golf?

Teile:
23.04.2012 08:33
Kategorie: News
Ölkatastrophe Golf von Mexiko, Deepwater Horizon
Die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko hat offenbar weit schlimmere Schäden hinterlassen als bisher bekannt (siehe auch DiveInside News vom 3.4.2012). Sowohl ortsansässige Fischer als auch Wissenschaftler berichten von gravierenden Missbildungen in der Tierwelt der betroffenen Region.

Fische mit Deformationen und veränderten Kiemen sowie Garnelen ohne Augen treten in der Golfregion gehäuft auf. Das ausgetretene Öl und die zur Bekämpfung der Ölpest verwendeten Chemikalien des Betreibers BP haben das gesamte Ökosystem der betroffenen Region geschädigt, erläutern Wissenschaftler. Die Belege dafür sind vielfältig: Neben mutierten Garnelen wird von Fischen mit Geschwüren und deformierten Blaukrabben mit fehlenden Scheren berichtet. In einigen besonders betroffenen Regionen fehlen nach Angaben befragter Fischer jedem zweiten Exemplar die Augen - zudem seinen oftmals Deformationen am Panzer und im Bereich des Kopfs zu erkennen. Ausgewachsene Krabben würden nur mehr auf 20-30% ihrer ursprünglichen Größe kommen.

Geschwüre und Mutationen in der Fischwelt im Golf von Mexiko
Nicht nur das in Unmengen ausgetretene Öl sorgt für große Probleme, sondern auch die Chemikalie die im Kampf gegen die Ölpest in rauen Mengen eingesetzt wurde - insgesamt handelte es sich um über 7 Millionen Liter. Dieses Lösungsmittel ist ein toxischer Schadstoff, der nachhaltig erbgutschädigend und erbgutverändernd wirkt. Der Lebenszyklus der Garnelen ist derart kurz, dass sich seit dem Beginn der Ölpest bereits drei Generationen fortpflanzten, was den aggressiven Schadstoffen den Eintritt in das Erbgut erleichtert hat. Sogenannte Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wurden im Zuge der Verbrennung des ausgetretenen Öls freigesetzt, bevor sie sich im Wasser absetzen konnten. Ölschwaden binden diese Schadstoffe, die sich in der Folge auf dem Meeresgrund abgelagert haben. Diese Kohlenwasserstoffe sammeln sich jedoch nicht nur auf dem Meeresboden, sondern setzen sich auch in der Erde und in der Vegetation fest. In Krabben und anderen, an der Oberfläche aktiven Tieren können diese Ablagerungen festgestellt werden. Im Labor können Wissenschaftler erkennen, dass die Kohlenwasserstoffe entsprechende Genomveränderungen bei Lebewesen herbeiführen.

Der Konzern BP streitet jede Gefahr ab und spricht vom bestgetesteten Gebiet der Welt. Der Konzern bezieht sich dabei auf Untersuchungen der U. S. Food and Drug Administration (FDA) sowie der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA). Die beiden nationalen Instanzen haben den gleichen Sicherheitslevel wie vor der Ölpest festgelegt: „Die Missbildungen stehen nicht im Zusammenhang mit der Ölpest. Die Meereslebewesen sind schon vor der Katastrophe davon betroffen gewesen - Auslöser sind in erster Linie Parasitenbefall.

Geschwüre und Mutationen in der Fischwelt im Golf von Mexiko
Die Universität von Louisiana hat am Golf von Mexiko vor, während und nach der Ölpest Tests durchgeführt, und deren Untersuchungen widersprechen der Aussage von BP, aber auch den der US-Umweltbehörden. Abermals ist von Abnormitäten und unnatürlichen Mutationen die Rede. Auch sind einige Arten in den betreffenden Regionen bereits ausgestorben.

In dem Bericht der Louisiana-State-Universität rückt auch der Zahnkarpfen in den Mittelpunkt. Der sogenannte Killifisch gilt als Indikator, also als Lebewesen, welches auf Einflüsse des Menschen mit Veränderungen in dessen Lebensfunktionen oder dessen Vorkommen reagiert sowie die vom Menschen in die Umwelt eingebrachten Stoffe speichert. Er tritt in diesem Gebiet in sehr großer Anzahl auf. Der Fisch ist für die Nahrungskette bedeutsam, denn Zahnkarpfen sind Teil der lokalen Ernährungskette.

Informationen zum Thema:

100 Jahre Einsamkeit (pdf)
Beschwichtigung und Realität
Ölplattform gesunken

Aufgrund nachweisbarer Erkrankungen bestehe gerade bei dieser Fischart die Sorge einer unnatürlichen Veränderung. Aufgrund der Bedeutung des Killifisches seien Veränderungen in der Fortpflanzung sofort messbar - was als klarer Beweis für die nachhaltige Verschmutzung durch Öl und Schadstoffe gilt. „Die Population des für die Nahrungskette essentiellen Killifisches gefährden, wäre wohl das Schlimmste, was passieren kann“, so einer der bei der Studie beteiligten Wissenschaftler.