Minentaucher trainieren im Mittelmeer

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02.05.2009 11:27
Kategorie: News

Minentaucher: Tieftauchen vor Sardinien

Minentaucher mit Handsonar
Minentaucher mit Handsonar

Der Tauchgang beginnt von einem Schlauchboot... Unter Wasser suchen die Minentaucher mit einem Handsonargerät und einer Sonde nach ausgelegten Objekten. Die Orientierung mit Kompass steht ebenfalls auf dem Programm. Hintergrund: Ende März verlegten die Tauch-Profis aus Eckernförde mit ihrer gesamten Ausrüstung mit einem Flugzeug vom Typ Transall von der Ostsee ans Mittelmeer. Auftrag: Tieftauchen und das Training von Einsatzverfahren zum Lokalisieren von Minen und anderen Sprengmitteln auf dem Meeresgrund. Warum das Mittelmeer? "Wir können dort unten bei optimalen Wetterbedingungen hervorragend üben", sagt Thorsten Klinger. Der Kapitänleutnant ist Chef der Minentaucherkompanie. "In der Ostsee ist es nicht so tief und die Wetterbedingungen sind im Frühling nicht vorhersehbar - auf Sardinien sind wir wetterunabhängig und können uns auf das Tauchen konzentrieren", sagt Klinger. Auch seien dort unten Sichtweiten von über 20 Meter durchaus keine Seltenheit.

Hintergründe zu den Minentauchern
Die Minentaucher gehören neben den Kampfschwimmern und Boarding-Soldaten zu den Spezialisierten Einsatzkräften der Marine (SEK M). Ihre Tätigkeit  erfordert höchste Einsatzbereitschaft, Teamfähigkeit, Entschlossenheit und körperliche Leistungsfähigkeit. Allein die Einsatzausrüstung wiegt über 45 Kilogramm. Die Minentaucher sind mit ihren Fähigkeiten einzigartig in der Bundeswehr. Sie bedienen Drohnen, vernichten See- und Landminen oder andere Kampfmittel. Sie sind überall da unentbehrlich, wo Schiffe nicht operieren können. Zum Beispiel bei der Absuche von Flachwasserbereichen oder dem Beseitigen von Minen in Hafenanlagen. Die Minentaucherkompanie ist in drei Züge mit jeweils drei hochmobilen Einsatzgruppen gegliedert. Die Taucher werden auch an Land eingesetzt. So waren sie schon auf dem Balkan und in Afghanistan zur Kampfmittelbeseitigung im Einsatz. Momentan sind sie vor dem Libanon im UN-Einsatz.

Minentaucher beim Übungseinsatz vor Sardinien
Personalprobleme
Die Minentaucher plagen Personalprobleme. Von den 120 Stellen sind nur knapp die Hälfte besetzt. "Wenn das so weiter geht droht uns der Verlust einer einzigartigen Fähigkeit", erklärt Klinger und nennt zwei Gründe: "Die körperlichen Anforderungen sind sehr hoch, ausreichend qualifizierte Bewerber finden sich kaum noch", sagt Klinger. Ein weiterer Grund sei die Erhöhung der Zulagen von den deutschen Spezialkräften, zu denen die Minentaucher als so genannte Spezialisierte Kräfte nicht gehören. So würden die Kommandosoldaten des Heeres oder die Kampfschwimmer neuerdings knapp 900 Euro brutto monatlich erhalten. "Wir Minentaucher bekommen vergleichsweise 330 Euro brutto - da zieht es mögliche Aspiranten natürlich zu den anderen Einheiten", ergänzt Klinger. Für eine Ausbildung zum Minentaucher kann sich sowohl jeder Soldat der Bundeswehr als auch ungediente Deutsche bewerben. Voraussetzung ist die körperliche Eignung sowie ein mittlerer Bildungsabschluss. Die Ausbildung dauert bis zu drei Jahre. (Siehe Meldung: Petition beim Bundestag vom 10.4.09).