Meeresschildkröten erinnern sich an ihr "Lieblingsrestaurant"

Teile:
28.04.2007 15:42
Kategorie: News
Sensationelle Entdeckungen über bedrohte Meeresreptilien

London (pte/27.04.2007/15:45) - Britische Forscher haben bei Meeresschildkröten einige bisher unbekannte Top-Leistungen entdeckt: Die Tiere können gezielt über Hunderte Kilometer weit dorthin schwimmen, wo sie fünf Jahre zuvor gute Nahrung gefunden haben. Bekannt war bereits, dass Seeschildkröten über ein extrem gut funktionierendes Orientierungssystem verfügen, mit dem sie an jenen Strand zurück finden, an dem sie zuvor genistet haben, berichtet das Wissenschaftsmagazin NewScientist Online.

Das Forscherteam um Annette Broderick von der Universität Exeter http://www.uec.ac.uk hat mit Hilfe von Satellitenüberwachung 20 weibliche Unechte Karettschildkröten (Caretta caretta) sowie Suppen-Schildkröten (Chelonia mydas), die auf zwei Stränden der Mittelmeerinsel Zypern nisteten, beobachtet. Sie benutzten sogar fast exakt die gleiche Route, um an ihr Ziel zu gelangen. Aufgefallen war den Forschern auch, dass die Tiere bis zu zehn Stunden und 12 Minuten ohne Luft zu holen unter Wasser bleiben konnten. Damit sind die Schildkröten die am längsten tauchenden Lungenatmer unter den Wirbeltieren.

Bodericks Forscherteam hatte die Schildkröten an der Küste Libyens gefangen und mit dem Sender versehen. Fünf Jahre später konnten sie fünf der Tiere wieder finden und sie erneut mit einem Sender versehen, um anschließend ihre zweite Migration zu beobachten. Tatsächlich kehrten die Tiere immer wieder an den exakt gleichen Strand zurück und schlugen exakt den gleichen Weg ein. "Das Besondere an diesen Untersuchungen ist die Tatsache, dass die Forscher die gleichen Tiere mehrmals hintereinander verfolgen konnten", so Graeme Hays, Experte für Meeresschildkröten der University of Swansea http://www.swan.ac.uk, der bei der Untersuchung allerdings nicht mit dabei war.

Meeresschildkröten haben einen ausgeprägten Instinkt, um ihren Geburtsplatz wieder zu finden. Alle zwei bis vier Jahre kehren sie für ein paar Monate an ihre Geburtstätte zurück, um dort erneut Eier abzulegen. "Aber nicht alle Schildkröten einer Brutstätte fressen auch an den selben Stellen", meint Broderick. Das lege die Vermutung nahe, dass sie sich Fressplätze suchen und den Weg dorthin auch merken.

Für den zukünftigen Erhalt der Meeresschildkröten sind die jüngsten Erkenntnisse jedenfalls wichtig. "In Zukunft sollten die Reptilien in allen Lebenslagen inklusive ihren Nistplätzen unter Schutz gestellt werden", so Broderick. Das erfordere eine regionale Zusammenarbeit zahlreicher Umweltorganisationen.