Meeresalgen und Weltklima

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26.03.2008 17:15
Kategorie: News

Forscher untersuchen Einfluss des Klimawandels auf Phytoplankton



Bremerhaven, 26.03.2008 - Um die Folgen des Klimawandels auf Meeresalgen zu klären, unterstützt der Europäische Forschungsrat (European Research Council) ERC) ein neues Projekt am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung AWI http://www.awi.de. Das Projekt PhytoChange von Björn Rost wird von der EU über fünf Jahre mit insgesamt 1,4 Mio. Euro gefördert. Für den gesamten Kohlenstoffhaushalt des Planeten spielt das so genannte Phytoplankton eine wesentliche Rolle, denn es ist nicht nur Nahrungsgrundlage, sondern auch CO2-Speicher.

"Im Oberflächenwasser der Ozeane sorgt das Phytoplankton für die Nahrungsgrundlage der marinen Artengemeinschaft. Als Energiequelle für ihr Wachstum nutzen die Algen das Sonnenlicht, um CO2 zu organischen Verbindungen wie Zucker umzuwandeln", erklärt Rost gegenüber pressetext. "Über den Prozess der Photosynthese bindet das Phytoplankton große Mengen an CO2 und beeinflusst maßgeblich das Klima auf der Erde." Bekannt ist bereits, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel große Veränderungen für die Ökosysteme der Meere zur Folge hat. Der Anstieg im atmosphärischen CO2-Gehalt erhöht die CO2-Konzentrationen im Meerwasser und verringert damit seinen pH-Wert - die Meere werden saurer.

"Bisher wurde in Experimenten in der Regel nur der Einfluss einzelner Umweltfaktoren untersucht und selten die kombinatorischen Effekte. Das soll sich hier ändern", meint Rost. Die zunehmende Erwärmung des Oberflächenwassers beeinflusse die Durchmischungstiefe, das Lichtklima und den Nährstoffeintrag aus tieferen Wasserschichten. "Die Veränderungen dieser physiko-chemischen Bedingungen beeinflussen das Phytoplankton hinsichtlich ihrer Produktivität und der Artenzusammensetzung." Dies wiederum wirke sich auf die biogeochemischen Kreisläufe aus, die mit dem Klimasystem gekoppelt sind.

"Vorhersagen, wie das Phytoplankton sowohl auf zellulärer Ebene als auch im Ökosystem auf die zukünftigen Veränderungen reagiert, sind eine der zentralen Aufgaben in der Klimaforschung", meint Rost. Dafür müsse man die Reaktionen der Arten in Experimenten nicht nur beschreiben, sondern auch verstehen, warum Photosynthese, Kalkbildung, Stickstofffixierung und andere wichtige zelluläre Prozesse von Meeresalgen sich unter dem Einfluss des Klimawandels verändern. "Das genauere Verständnis, vor allem das warum, wird dann auch die Vorhersehbarkeit verbessern", meint der Forscher.

Die neue Arbeitsgruppe PhytoChange wird den Einfluss von Umweltveränderungen auf ausgewählte Phytoplanktongruppen wie Kieselalgen und Kalkalgen untersuchen. Dazu werden verschiedenen Projekte, unter anderem im südlichen Ozean laufen. "Mit den Methoden, die wir in den vergangenen Jahren entwickelt haben, sollen dann neben der Beschreibung auch Erklärungen für die artspezifischen Reaktionen auf die veränderten Umwelteinflüsse geliefert werden", so Rost. PhytoChange kooperiert mit Forschungseinrichtungen der Universität von British Columbia, der Technischen Universität Sydney, der Biologischen Station Roscoff in Frankreich, der israelischen Bar Ilan Universität, der Universität Kopenhagen und der Universität von Edinburgh.



Quelle: pressetext.austria