Mauritius: Wilderer im Paradies

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09.04.2006 00:08
Kategorie: News
Mauritius ist weithin bekannt als die Perle des indischen Ozeans. Für zahlreiche Europäer und andere Urlaubshungrige, ist die Insel ein Synonym
für das tropische Paradies, ein Traumziel. Nicht allzu bekannt ist Mauritius für seine schöne Unterwasserwelt, obschon viele Tauchbasen auf der Insel operieren. Mauritius wird auch zukünftig ganz gewiss keine Chance haben,
zur Traum-Tauchdestination zu werden. Dafür sorgen organisierte Banden von Wilderern, die unter Wasser hemmungslos alles killen, was ihnen vor die „Flinte“ kommt.
Obwohl seit nunmehr schon ca. 30 Jahren das „Speergunfishing“, also das Fischen mit automatischen Waffen, auf Mauritius verboten ist. Doch Gesetze nutzen eben dort nichts, wo sie durch Korruption der örtlichen Fisheries und Coast Guards (Fischereibehörde und Küstenwache) unterlaufen werden.
Die Vorgehensweise der Wilderergruppe von Rivière Noire
Besonders negativ und zerstörerisch hervor tut sich eine Gruppe von Wilderern, die in Rivière Noire, einem schönen Ort an der Westküste, ihr Unwesen treibt. Nicht etwa Arme und Mittellose, wie vermutet werden könnte, sondern für mauritianische Verhältnisse wohlhabende Mauritianer, gruppieren sich um einen „Belgier“, den alle nur „Mike“ nennen und schließen sich ihm auf seinen illegalen Unterwasserraubzügen an. Dieser Belgier, der in Rivière Noire, La Preneuse, lebt und „arbeitet“, unterhält ironischerweise ein Tauchunternehmen das Longueville heißt. Darüber hinaus bietet er auch Hochseefischen für Interessenten an.
Laut Augenzeugen (die aus Angst vor den Wilderern hier namentlich nicht genannt werden möchten) geht Mike jeden Tag zweimal in einem kleinen Boot, das den (seinen) Namen „Longueville“ seitlich trägt, auf Beutezug und kehrt mit vollen Säcken aus dem eigentlich geschützten indischen Ozean vor Mauritius zurück. Manchmal mit, manchmal ohne sein „Wilderer-Team“. Die Augenzeugen dieses Treibens haben die Machenschaften des Belgiers bereits den zuständigen mauritianische Behörden gemeldet. Nichts ist daraufhin geschehen. Der getötete Fisch und die großen Muscheln und Korallen, die er uns seine Kameraden gut verpackt und versteckt in Säcken aus dem Meer mitbringt, wird von ihm ohne Scham und ganz offensichtlich unter den Augen von zufällig Anwesenden und Anwohnern, direkt unter die Plane seines schon bereit stehenden Pick-up’s verbracht. Dieser Pick-up ist von ihm direkt vor dem Gebäude der Fischereibehörden (Fisheries, am Strand von Rivière Noire) geparkt (!), von denen er ganz offensichtlich nichts zu befürchten hat. Vertraute Quellen, die ebenfalls aus Angst vor Repressalien nicht genannt werden möchten*, berichteten, dass jeder der Wilderer ein Bestechungsgeld von 100 mauritianischen Rupien täglich an die Fisheries bezahlt, um unbehelligt den schmutzigen Geschäften um der Ausbeutung des Meeres nachgehen zu können.
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Da die Wilderer-Gruppe um Mike so gut organisiert ist und für regelmäßige Einkünfte der Fisheries und auch der Coast Guards sorgt, traut sich niemand, ihnen zu nahe zu treten. Die mit der Thematik vertrauten Personen mutmaßen sogar, dass höhere mauritianische Stellen (Behörden) ebenfalls involviert sind. Die Plätze, an denen die Wilderer tauchen um zu töten, sind diesen und allen Anwohnern hinlänglich bekannt. Es ist unter anderem „La Passe“ of Rivière Noire.
Auch eine Insel-bekannte Stelle vor der Küste Rivière Noires, die „Aquarium“ genannt und von zahlreichen Touristen täglich zum Schnorcheln frequentiert wird, wird von den Killern nicht verschont – im Gegenteil, hier wird gefischt und mit den Speerguns getötet, was das Zeug hält. Und das in „Nachbarschaft“ zu den Schnorchlern, die, dank der nicht allzu guten Unterwassersicht, nicht sehen können, was in unmittelbarer Nähe zu ihnen vor sich geht. Das, was sie im Augenblick noch bewundern, wird in den nächsten Minuten, Stunden oder Tagen, Opfer der Wilderer. Der Name Aquarium hat schon lange seine Berechtigung und, was viel schlimmer ist, seine Schönheit und Faszination verloren, die einst seine Unterwasser-Bewohner geprägt haben.
Delfin-Tourismus auf Mauritius vor der Westküste
Zum Treiben an der Wasseroberfläche: Vor der Westküste leben seit geraumer Zeit verschiedene Gruppen von Delfinen. Zur „Delfinbeobachtung“ mit Touristen finden sich seit einiger Zeit jeden Tag zahlreiche Boote ein – es werden immer mehr - und jagen den beliebten Tieren hinterher. Jagen, weil auf die Delfine keine Rücksicht genommen wird. Es wird weder ein bestimmter Abstand zu den Tieren gehalten, noch darauf geachtet, die Tiere nicht zu stören. Hier geht es wieder einmal mehr nur um den Profit.
Ein sogenannter Delfin-Forscher- und Liebhaber, Alain, der als solcher in der TV-VOX-Serie Voxtours (vom 12. Februar 2006) gezeigt und interviewt wurde, gehört zu denjenigen, die täglich hinter den Delfinen her sind. Angeblich lässt er die Einkünfte aus den Delfin-Touren wieder in seine „Forschungen und Beobachtungen“ fließen, ist aber nichts anderes als ein simpler Skipper, der seinen Lebensunterhalt damit verdient, Touristen zu den Delfinen zu bringen und sie mit den Tieren schwimmen zu lassen. Er hat weder ein persönliches Interesse an den Tieren, noch liegt ihm daran, sie zu erforschen oder gar zu schützen. Das Geschäft mit dem Delfin-Tourismus blüht und lässt die Kassen derjenigen klingeln, die sich nicht im Geringsten um das Wohlergehen der Delfine scheren. Und ganz nah dort, wo die Delfine sich tummeln, spießen die Wilderer in der Zwischenzeit eiskalt alles auf, was sich bewegt. Die Ironie und Konsequenz: Damit wird auch den Delfinen langsam aber sicher die Möglichkeit genommen, sich ungestört vor der Küste von Mauritius aufzuhalten und sich langfristig zu ernähren.

Wilderer im Marine Park
Rivière Noire ist nicht der einzige Ort, in dem Unterwasser-Wilderer auf Mauritius ihr Unwesen treiben. Im offiziell geschützten (!) Marine-Park im Süden der Insel, nahe dem Hotel Shandrani, wird ebenso illegal wie fröhlich alles aus dem Wasser gefischt, was sich bewegt. Auch hier bleiben die Wilderer unbehelligt, obwohl der Marine Park als offizielles Schutzgebiet deklariert ist. Die Behörden schließen beide Augen. Der Aktionär der ansässigen Tauchbasis des Hotel Shandrani, Steve, berichtete uns sogar, dass die bekannte Gesellschaft „National Geographic“ plant, den Unterwasserpark zu sponsern. Da warten offensichtlich noch zahlreiche, schier unüberwindbare Aufgaben auf National Geographic...
Mauritius ist zugegeben keine Insel, auf der Naturschutz großgeschrieben wird – insbesondere Tiere haben keine Lobby. So ist es nicht verwunderlich, dass die Unterwasser-Bewohner erst recht keine Herzen erweichen – sehr zum Schaden der Unterwasserwelt und letztlich auch zum Schaden von Mauritius. Einer Insel, für die der Tourismus zur wichtigsten Einnahmequelle geworden ist. Insbesondere die Tauchbasen, die ja letztlich auf eine intakte Unterwasserwelt angewiesen sind, leiden mehr und mehr unter dem „Schwund“ der Fischbestände und Korallen.