Massenstrandungen von Walen

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12.06.2009 10:04
Kategorie: News

Studie findet Erklärung für Walstrandungen

Walstrandung an der spanischen Küste
Warum verenden Wale an Stränden? Die Lärmverschmutzung der Weltmeere und besonders starke Sonarsignale von Marineschiffen standen bereits länger als Ursache in Verdacht: Verlust der Orientierung der Meeressäuger. Eine Studie von Marineforschern weist nun einen extrem hohen Stickstoffgehalt bei gestrandeten Walen im Blut auf.

Untersucht wurden drei Arten aus der Familie der Schnabelwale, zwei in hawaiianischen Gewässern und eine vor Nova Scotia in Kanada. Die Studie kommt zu dem Schluss: Die Tiere haben in ihrem Blut einen extrem hohen Partialdruck des in der Atemluft enthaltenen Gases Stickstoff. Schnabelwale bekommen die Dekompressionskrankheit, wenn sie zu schnell an die Meeresoberfläche schwimmen - etwa, wenn sie vom Sonar von Marineschiffen erschreckt wurden. Diese These wird von einer neuen Studie untermauert, die in dieser Woche von der US-Fachzeitschrift "Respiratory Physiology and Neurobiology" online veröffentlicht wurde.

Auf der Jagd nach Tintenfisch tauchen Schnabelwale bis zu 1900 Meter tief. Ein Tauchgang in solchen Tiefen dauert im Schnitt eine Stunde, danach halten sich die Wale längere Zeit nur in mehreren hundert Metern Tiefe auf. Forscher vermuten, dass die Meeressäuger beim Aufstieg Dekompressionsstopps einlegen. Wenn Marineschiffe ihr Sonar einsetzen, erschrecken sie die Wale. Das Sonar gibt so genannte Pings zwischen 1000 und 10.000 Hertz ab - die Geräusche sind so laut, dass sie bei den Tieren massive Verletzungen im Innenohr verursachen. Bei gestrandeten Schnabelwalen stellten Forscher fest, dass ihr gesamtes Gehörsystem blutig war. Geplagt von starken Schmerzen verlieren die Wale ihre Orientierung und steigen viel zu schnell zur Wasseroberfläche auf. Das hastige Auftauchen lässt bei den Walen die Dekompressionskrankheit auftreten.

Die US-Marine setzt Sonar zum Aufspüren von U-Booten ein. Sie hat sich zu einigen Maßnahmen zum Schutz der Wale bereiterklärt, die Umweltschützern aber nicht weit genug gehen. Die Marine dringt nun auf weitere Forschung auf dem Gebiet und hat dafür 26 Mio. $ über die kommenden fünf Jahre bereitgestellt. Auch die neue Studie wurde teilweise von ihr finanziert.