Lebendiger Pottwal in der Ostsee...

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05.08.2004 10:08
Kategorie: News
Gemeinsame Pressemitteilung von:
M.E.E.R. e.V. (Berlin)
Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD, München)
Deutsche Umwelthilfe (DUH, Radolfzell)

Lebendiger Pottwal in der Ostsee – tote Wale auf den Kanaren

Ungewöhnliche Ereignisse deuten auf den schädigenden Einfluss von Lärm im
Meer hin.

Berlin - "Glauben Sie es oder nicht: ein Pottwal ist in die Ostsee
geschwommen" kommentiert Carl Kinze, Vorsitzender der Dänischen
Gesellschaft für Meeressäuger, die Sichtung eines Pottwals in dänischen
Gewässern. Der Wal wurde zuletzt nordöstlich von Bornholm gesehen, eine
Gegend, in die es die tief tauchenden Pottwale sonst nie verschlägt. Es ist
die erste gut dokumentierte Sichtung dieser Walart in der Ostsee. "Über die
Gründe der Verirrung kann man nur spekulieren, vermutlich ist der Pottwal
orientierungslos geworden, bevor er in die Ostsee schwamm. Dies könnte auf
den zunehmenden Einfluss von Lärmverschmutzung in den Ozeanen hinweisen",
sagt Fabian Ritter, Biologe vom Berliner M.E.E.R. e.V.

Bei der erneuten Massenstrandung von Walen auf den Kanarischen Inseln Ende
Juli hingegen ist man einer Erklärung schon näher. Nach einem NATO-Manöver
vor der marokkanischen Küste, 100 Meilen von den Kanaren entfernt, bei dem
über 20 Kriegsschiffe teilnahmen, strandeten Ende Juli an der Küste von
Fuerteventura mehrere Wale - die Angaben über die Anzahl der gefundenen
Tiere schwankt zwischen vier und elf. Alles deutet darauf hin, dass es zur
massiven Schädigung der Meeressäuger durch die Militärs kam. Denn ähnliches
ereignete sich bereits mehrfach auf den beliebten Urlaubsinseln, zuletzt im
September 2002. Damals wurde der Einsatz von extrem schallintensiven
Sonarsystemen der Militärs für den Tod von mindestens 15 Walen
verantwortlich gemacht. Besonders Schnabelwale reagieren sehr empfindlich
auf die Schallverschmutzung. Sie erleiden Verletzungen aufgrund des hohen
Schalldrucks, werden orientierungslos, stranden schließlich oder sterben
auf hoher See. Vermutlich wird nur ein verschwindend kleiner Teil der
tatsächlich getöteten Tiere überhaupt gefunden, da nur wenige Kadaver an
den Küsten angeschwemmt werden. Die Kanarische Regierung hatte nach dem
letzten Vorfall die weitere Nutzung ihrer Gewässer für großangelegte
Manöver untersagt.

"Die militärische Nutzung von nieder- und mittelfrequentem Schall hoher
Intensität ist inzwischen ein globales Problem. Die Weltmeere werden
weltweit fast flächendeckend beschallt, ohne dass man die Auswirkungen auf
die Organismen eingehend untersucht hat", so Ritter, der auch Mitglied der
deutschen Delegation im Wissenschaftsausschuss der Internationalen
Walfang-Kommission (IWC) ist. Erst vor wenigen Wochen hat die IWC darauf
hingewiesen, dass es sich beim zunehmenden Lärm um eine massive und ernst
zu nehmende Bedrohung der Meeresumwelt handelt. Neben den Militärs nutzen
auch Wissenschaftler Schall, etwa für seismische Untersuchungen. Hinzu
kommt der enorm angestiegene Schiffsverkehr. Der Hintergrundschall im Meer
hat sich so in den letzten fünf Jahrzehnten jeweils verdoppelt. Gut
möglich, dass auch der Pottwal in der Ostsee durch Lärm desorientiert
wurde. "Wale und Delfine leben in einer Welt des Schalls, und wir sind weit
davon entfernt zu wissen, welche Auswirkungen unser Tun auf die Meerestiere
hat. Es wird höchste Zeit, vorbeugend und nachhaltig zu handeln und nicht
erst zu reagieren, wenn es wieder einmal zu spät ist", so Ritter.

Weitere Informationen :
M.E.E.R. e.V., Berlin. TEL: (030) 85 07 87 55, meer@infocanarias.com,
www.m-e-e-r.de
GRD, München. TEL: (089) 741 604-10, info@delphinschutz.de