Kunstformen des Meeres - Ausstellung in Tübingen

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21.03.2006 21:46
Kategorie: News
Schwämme, Quallen und andere Meerestiere - Kunstformen des Meeres

Vom 1. April bis 9. Juli zeigt das Stadtmuseum Tübingen in Kooperation mit der Zoologischen Sammlung der Eberhard-Karls-Universität Tübingen die Sonderausstellung „Kunstformen des Meeres“. 40 faszinierend naturgetreue Glasmodelle von Schwämmen, Quallen, Seeanemonen und anderen wirbellosen Meerestieren der Gebrüder Blaschka (1863 – 1890) werden zu sehen sein.

Der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) unterstützt die Ausstellung mit kunstvollen Unterwasserfotografien. Faszinierend naturgetreu, wissenschaftlich exakt und äußerst kunstvoll sind die Glasmodelle von Leopold (1822-1895) und Rudolf Blaschka (1857-1939), zwei naturwissenschaftliche „Glasmodelleure“ aus Dresden. Die gläsernen filigranen Meerestiere wurden zwischen 1860 und 1890 als Lehrmittel für Universitäten, Museen und andere Bildungseinrichtungen weltweit angefertigt.

"Es ist beeindruckend mit welcher Detailgetreue die Gebrüder Blaschka schon im 19. Jahrhundert die Unterwasserwelt der Meere den Menschen näher bringen konnten", so VDST Umweltreferent Dr. Ralph O. Schill. "Die filigranen Kunstwerke aus Glas sind etwas ganz besonderes und zeigen, wie faszinierend Schwämme, Quallen, Seeanemonen und anderen Meeresbewohner sein können." Die gläserne Unterwasserwelt zeugt von akribischer Arbeit und einer einmaligen Handwerkskunst. Sie illustrieren eine wichtige Periode der Meeresforschung und führen in eine Zeit herausragender zoologischer Entdeckungen. Große Namen wie Ernst Haeckel, Philip Gosse, Louis Agassiz und Franz Eilhard Schulze sind mit den Modellen ebenso verknüpft, wie deren zum Teil revolutionären wissenschaftlichen Erkenntnisse auf den Gebieten der Artenforschung, der Stammesentwicklung und der Entwicklungsbiologie. Heute sind die ehemaligen Lehrmodelle zu museale Kostbarkeiten geworden. In Deutschland sind über die Jahrzehnte nur gut 100 Modelle erhalten geblieben: 65 in Berlin, 32 in Tübingen, 9 in Rostock, von denen 4-5 auch in Tübingen zu sehen sein werden.

Weltweit gibt es noch einige wenige Sammlungen zu bestaunen, etwa in Kremsmünster (Österreich), Pisa (Italien), Cardiff (Wales) und Corning (NY, USA). Die außerordentliche Handwerkskunst des Vater-Sohn-Gespanns wird heute von keinem Glasbläser mehr beherrscht und ihre lebensechten Glasmodelle für die universitäre Lehre sind unübertroffen. Die Sonderausstellung „Kunstformen des Meeres“ wirft einen Blick auf das Leben und Arbeiten der Blaschkas und stellt dar, wie Vater und Sohn dazu kamen, Lehrmodelle aus Glas zu fertigen, wie sie sich das Können und Wissen hierfür erarbeiteten und in welcher Beziehung sie zur Wissenschaft und ihren Forschern standen. Dabei wird beleuchtet, wie die Modelle entstanden sind: in der Regel anhand zweidimensionaler zeichnerischer Vorlagen und Beschreibungen der Tiere in wissenschaftlichen Publikationen, aber auch durch Studien am Präparat oder am lebendigen Tier. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden bei den großen Meeresexpeditionen zahlreiche neue Tiere entdeckt, die sich aber wie beispielweise Quallen nicht angemessen konservieren liesen.

Die Glasmodelle, erwiesen sich – verglichen mit Zeichnungen, Wachs-, Papier- oder Holzmodellen – als die naturgetreuesten Kopien der lebendigen Originale, um diese der Öffentlichkeit zu zeigen. Erst neue Technologien wie das autonome Tauchen mit Druckluft und dem sich inzwischen daraus entwickelten Natursport Tauchen zusammen mit der Unterwasser-Fotographie ermöglichten es der interessierten, breiten Öffentlichkeit die Faszination der Unterwasserwelt näherzubringen und die Tiere und Pflanzen in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten und darzustellen.


Das Stadtmuseum bietet zu der Sonderausstellung ein interessantes Belgeitprogramm mit Vorträgen und Führungen für Familien und Gruppen.

„Kunstformen des Meeres“
1. April 2006 – 09. Juli 2006
Eröffnung am 31. März, 20 Uhr
Stadtmuseum Tübingen, Kornhausstraße 10,
72070 Tübingen
http://www.tuebingen.de/1564_14182.html

Pressemitteilung des VDST
Dr. Ralph O. Schill
Fachbereich Umwelt & Wissenschaften