Koreas Walfang kurz vor der Wiederaufnahme

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14.03.2009 16:50
Kategorie: News
Walfluke

Diese Woche endete die interimistische Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Rom. Zentraler Punkt der Verhandlungen war die Ausarbeitung eines  angestrebten Kompromisses, der Japan freiwillig zur Reduktion oder vollkommenen Einstellung seines wissenschaftlichen Walfangprogramms in der Antarktis bewegen und im Gegenzug den „traditionellen Walfang“ in Küstengewässern ermöglichen soll. Korea begrüßte den Vorschlag und stellte klar, dass es großes Interesse an der Wiederaufnahme des Walfangs in Küstengewässern habe. Bekäme Japan eine Fangquote zugesprochen, werde es sich ebenso um eine solche bemühen.

Die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS warnt die Mitgliedsstaaten der IWC seit längerem davor, dass der sogenannte Kompromissvorschlag die Situation für Wale noch verschlimmern und neue Staaten dazu einladen wird, Walfangaktivitäten wieder aufzunehmen. Während die Regierungen auf eine Lösung des Walfangkonfliktes mit Japan bedacht sind, werden die andauernden, völlig außer Kontrolle geratenen, kommerziellen Walfangaktivitäten Norwegens und Island außer Acht gelassen – mit fatalen Folgen, was die stetige Erhöhung der selbst auferlegten Fangquoten deutlich zeigt.

Aktueller Handel mit Walprodukten:

Norwegen, Island und Japan haben einen Vorbehalt gegenüber der Listung einiger Walarten in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) und sehen sich somit nicht an das bestehende internationale Handelsverbot mit Walprodukten gebunden.

Seit Beginn der Verhandlungen über die „Zukunft der IWC“ stiegen die Exportmengen von Walprodukten an.

2008: Island exportiert nahezu 82 Tonnen Finnwalfleisch nach Japan, ca. 900 kg Zwergwalfleisch an die Färöer Inseln, sowie 90 kg Walöl nach Norwegen. Norwegen exportierte fünf Tonnen Zwergwalfleisch nach Japan.

2009: die in Norwegen für Lebensmittelsicherheit zuständige Behörde  (Mattilsynet) beschlagnahmt 4.320 kg Walfleisch. Ein Teil davon war für den Export an die Färöer Inseln bestimmt.

Das Treffen fand unter Ausschluss der Medien und einige Sitzungen auch unter Ausschluss von  Beobachtern statt, was den IWC-Mitgliedsstaaten heftige Kritik von Seiten der Walschützer entgegenbrachte. “Diese Geheimniskrämerei spricht deutlich für den Fakt, dass viele der Delegierten offensichtlich beschämt darüber sind, für etwas einzutreten, das von der eigenen Bevölkerung verachtet und strikt abgelehnt wird“, erklärt Sue Fisher, Leiterin der Anti-Walfangkampagne der WDCS.

Intensiv wurde auch die Zunahme des Handels mit Walprodukten seitens der Walfangstaaten trotz bestehendem Handelsverbot durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen diskutiert. Zahlreiche NGOs unterzeichneten einen Appell der WDCS an die IWC-Mitgliedsstaaten, in dem diese aufgefordert werden, die Verhandlungen mit Walfangstaaten einzustellen, solange diese das Handelsverbot mit Walprodukten nicht anerkennen und einhalten. Die Zunahme des Handels mit Walprodukten sei eine Untergrabung internationaler Beschlüsse und führe zu einem Anstieg illegaler Walfangaktivitäten und einer weiteren Destabilisierung der IWC selbst.

Nicolas Entrup, Sprecher der WDCS, zieht Bilanz: “Regierungen sind es ihren Bürgern schuldig, ihre Position und Aktivitäten transparent zu kommunizieren. Und eines ist sicher: Die breite Mehrheit der Öffentlichkeit weltweit möchte ein Ende des kommerziellen Walfangs und eine bessere Zukunft für die weltweiten Walbestände sehen.“