Konferenz in Rom - Artenschutz hat geringe Priorität

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05.12.2008 18:48
Kategorie: News

Ohrfeige für weltweite Artenschutzbemühungen!

Nicolas Entrup - WDCS
Nicolas Entrup, Sprecher der WDCS bei der
Arttenschutzkonferenz in Rom

Rom, 5. Dezember 2008: Heute endete in Rom, Italien, die 9. Vertragsstaatenkonferenz des Abkommens zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten (CMS). Die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS begrüßt die Fortschritte bei den Bemühungen einiger Teilbereiche des Meeresschutzes, insbesondere die Listung mariner Säugetierarten in die Anhänge I und II der Konvention, sowie die Absicht,  intensive Anstrengungen zu unternehmen, wandernde Arten in der Arktis, die vor allem von den Auswirkungen klimatischer Veränderungen betroffen sind, zu schützen.  Erfreut sei man auch über die Einleitung der Entwicklung regionaler Schutzabkommen für Wale und Delfine im Indischen Ozean und Südostasiens.
 
Grundsätzlich gibt es jedoch nicht viel zu feiern”, sagt Nicolas Entrup, Sprecher der WDCS in Rom. Während der vergangenen Woche haben Experten der WDCS offiziell ihre Besorgnis über den verschärften Einfluss des Klimawandels auf die intensive, von Menschen erzeugte Lärmbelastung der Meere zum Ausdruck gebracht. Die wissenschaftlichen Fakten zu Lärm als potentielle Gefahr für Wale und Delfine und andere Meereslebewesen sei erdrückend.  Die von der Europäischen Union eingereichte und heute angenommene Resolution zeigt jedoch keinerlei Absicht, das Thema ernst zu nehmen.
 
Informationen zum Thema:

Wal- und Delfinschutz im Mittelmeer
Ende der IWC - Hoffnung für die Wale?
Japans "wissenschaftliche" Jagd
Tötung von Buckelwalen verhindert

Die Resolution ist ein Kniefall vor den Interessen der Verteidigungsministerien und Industrien, nachdem die Vertreter der Europäischen Union ausgehend von ihrem eigenen ursprünglich ambitionierten Resolutionsentwurf ein inhaltloses Dokument ausverhandelt haben“ kritisiert Entrup, der sich erstaunt zeigt, dass Vertreter Europäischer Regierungen dieses Dokument als Fortschritt bezeichnen, obwohl es keinerlei verpflichtende Aktionen vorsieht, um konkret Unterwasserlärm zu reduzieren.
 
Kopfschütteln verursacht bei den Artenschützern aber vor allem das heute beschlossene Budget für die Aktivitäten im Rahmen der Konvention für die kommenden drei Jahre und hinterfragt die Ernsthaftigkeit des globalen Engagements insbesondere Europäischer Regierungen zum Schutz bedrohter wandernder Arten. Zeigen Artenschützer Verständnis für Einsparungen auf Grund der weltweiten Finanzkrise, bekräftigen diese, dass ein Artenschutzkonzept, das erst Maßnahmen vorsieht, wenn es um eine Art oder Population bereits zu spät ist, teuer und irrational sind.
 
Vaquita
Vaquita - kleine Schweinswalart
Die Mexikanische Regierung (kein Vertragsstaat der Bonner Konvention) investiert gegenwärtig 18 Millionen US-Dollar,  um eine einzige Kleinwalart - den heimischen Vaquita - vor dem Aussterben zu bewahren. Eine wichtige aber späte Initiative die ca. 150 Schweinswale in Mexiko zu retten. Die 110 Mitgliedsstaaten der Bonner Konvention beschlossen im Gegensatz dazu heute eine Gesamtbudget von weniger als 7. Mio EUR für die kommenden drei Jahre. Der Betrag für konkrete Schutzprojekte für wandernde Tierarten beträgt darin 170.000 EUR. “Das ist eine Ohrfeige für den internationalen Artenschutz. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen“ zeigt sich Entrup, Sprecher der WDCS in Rom, enttäuscht.
 
Regierungen sind immer sehr schnell schön klingende Entscheidungen zu treffen, doch sämtliche bereits in der Vergangenheit getroffenen Beschlüsse verstauben dann in Schubladen. Das heute beschlossene Budget werden vor allem Initiativen in Afrika, Lateinamerika und Asien bitter zu spüren bekommen. Unter dem Strich sind die Leidtragenden die bedrohten Arten,  deren Kampf ums Überleben heute sicherlich keine Unterstützung bekommen hat“ zieht Entrup enttäuscht Bilanz.
 
Insgesamt sind nun 69 Wal- und Delfinarten und Populationen in den beiden Anhängen der Bonner Konvention gelistet. Das Verbreitungsgebiet von mindestens 20 Arten und Populationen ist nicht durch ein regionales Schutzübereinkommen abgedeckt.

Angenommene Listungsanträge bei COP9 CMS in Rom:
  • Großer Tümmler im Schwarzen Meer, Tursiops truncatus ponticus
  • Irawadi Delfin, Orcaella brevirostris
  • Kamerunflussdelfin, Sousa teuszii
  • Schweinswal, Phocoenaphocoena, Nordwestafrikanische Population
  • Rissos Delfin, Gramus griseus, Mittelmeerpopulation
  • Clymene-Delfin, Stenella clymene, Westafrikanische (ostatlantische) Population
  • Änderung der Listung des Großen Tümmlers, Tursiops truncatus von “westliche Mittelmeerpopulation” auf “Mittelmeerpopulation”
Im Rahmen der Bonner Konvention wurden bislang vier regionale Schutzübereinkommen entwickelt, die Wale und Delfine im Mittelmeer und Schwarzen Meer, in der Nord- und Ostsee, in westafrikanischen Gewässern, sowie im Südpazifik besser schützen sollen.


Weitere Informationen:
WDCS
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