KOMMENTAR: Mal ganz unter uns: Dummheit kennt keine Grenzen!

Teile:
17.03.2020 12:25
Kategorie: News

Mit Spaß und Vollgas in die Krise

Freundlichen Hinweisen und Empfehlungen kann man folgen oder es bleiben lassen. Das gilt selbst noch in der sich ausbreitenden Coronakrise. Das gute Recht deutscher Staatsbürger, wie gestern Abend dem staunenden Nachrichtenpublikum mitgeteilt, dass man es gar nicht witzig findet, dass der gebuchte Urlaub in Hurghada nun durch die ägyptischen Flugeinschränkungen endgültig dahin ist, ruft in Zeiten wie diesen aber nach Einschränkung.  Dummheit kennt nämlich keine Grenzen! Da kann man doch nur konstatieren, dass die Aktion der deutschen Regierung, sich nun auch um solche deutschen Staatsbürger zu kümmern, die sich jetzt noch trotz der bereits ausbrechenden Pandemie und der eskalierenden Entwicklung in Italien, Spanien und anderen Ländern auf den Weg in den „verdienten Frühjahrsurlaub“ gemacht haben, ein zweischneidiges Schwert ist.

„Hamburger Skiferien“ werden die in der Hansestadt vorgezogenen Frühjahrsferien genannt, in der sich gefühlt die Hälfte der Hanseaten traditionell gut gewachst in die Alpen zur Pistenjause aufmacht. Auch in diesem Jahr und trotz der alarmierenden Berichte aus Südtirol und Norditalien! 80 Corona-Infizierte kehrten in den vergangenen zwei Tagen alleine aus Tirol zurück und die Erkenntnis bricht sich Bahn, dass gute Appelle – mit Verlaub – für'n A.... sind, denn offenbar erreichen nur noch drastische Maßnahmen mit knallharten Kontrollen und konsequent umgesetzten Strafen die Spaßgesellschaft.

Ob die Bundesregierung das inzwischen auch so sieht, weiß man nicht. Wer „Tante Google“ zum Thema „Appell“ befragt, findet eine schier endlose Liste von freundlichen Hinweisen, Aufforderungen, Stellungnahmen, doch unbedingt dieses oder jenes zu tun, zu unterlassen, zu unterstützen oder zu begreifen... Nur, was nützt es...??

Gestern Abend startete Außenminister Heiko Maas eine Rückholaktion für deutsche Pauschaltouristen, die wegen Reisebeschränkungen im Ausland gestrandet sind und nun festsitzen. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor, aber es soll sich um mehr als 4.000 Bundesbürger handeln! Bis zu 50 Millionen Euro stellt der Staatshaushalt für diese Aktion zur Verfügung, die mit ein wenig mehr Weitsicht sowohl von den Touristen selbst, als auch von Reiseveranstaltern oder gar von der für gewöhnlich gut informierten Bundesregierung, hätte vermieden werden können.

„Rücksturz nach Deutschland“ für 4.000 Spaßbürger aus Krisengebieten, deren Entwicklung des Elends dem derzeitigen deutschen Status oft voraus sind.  Die meisten von ihnen hatten sich den freundlichen Hinweisen zum Trotz und bei schon bekannten Krisenhinweisen aufgemacht und kehren nun auf Staatskosten heim. Und niemand weiß, wieviele von ihnen mehr zurückbringen, als sie mitgenommen hatten! Italien und Spanien – aber auch Österreich zeigen, wie es geht! Mit klaren Ansagen und strikten, klar formulierten Anweisungen und Verboten. Nur schade, dass man es dort zunächst auch mit freundlichen Appellen versucht hatte und erst, als das Wasser bis zum Halse stand, zu den drastischen Lösungsansätzen griff.

Der Pegel steigt auch bei uns, nur ob die Wasserstandsmeldungen in den für gewöhnlich gut informierten Kreisen im Berliner Parlament angekommen sind und auch richtig interpretiert werden, wage ich zu bezweifeln. Und solange es noch Spaßvögel unter uns gibt, die alles für einen großen vorgezogenen Aprilscherz halten,  die so agieren als seien sie gegen Viren immun und die sich nicht drum scheren, ob Kolleginnen oder Kollegen, Oma, Opa oder die alte Dame von gegenüber zur Hochrisikogruppe gehören, mag ich nicht mit Zuversicht durch diese Zeiten gehen! Woher sollte die auch kommen....?  Harald Apelt