Können Algen das Klima retten?

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03.10.2007 15:35
Kategorie: News
Zwei britische Forscher arbeiten derzeit an einer gewagten Methode um das Kohlendioxid, das für den Treibhauseffekt verantwortlich ist, aus der Atmosphäre zu entfernen.
Im Fachmagazin Nature erläutern der Chemiker Lovelock von der Oxforduniversität und der Astrophysiker Rapley, Direktor des Londoner Science Museum, wie sie das Klima retten wollen, indem sie die Meere dazu anregen, mehr CO2 aufzunehmen. Die Forscher planen, im Ozean zehn Meter dicke Röhren zu installieren, die hundert bis zweihundert Meter senkrecht in die Tiefe ragen und an der Oberfläche von Schwimmkörpern gehalten werden.
Am oberen Ende der Röhren pumpt ein Klappventil, das von der Wellenenergie des Wassers angetrieben wird, das Wasser heraus. So soll nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche gepumpt werden. Tiefere Wasserschichten enthalten nämlich Phosphate, Nitrate und Silikate - diese Substanzen fehlen an der Oberfläche. Die Forscher hoffen, dass das nach oben gepumpte Wasser dort wie ein Dünger eine Algenblüte auslöst. Algen verbrauchen beim Wachsen das Kohlendioxid der Luft. Sterben die Algen ab, sinkt auch der von ihnen aufgenommene Kohlenstoff mit in die Tiefe. Auf diese Weise könnten der Atmosphäre schon bald große Mengen CO2 entzogen werden, schreiben Lovelock und Rapley.
Auch wenn das Verfahren bizarr klingt, es wäre leicht zu verwirklichen. Allerdings bezweifeln andere Wissenschaftler, dass die Methode tatsächlich funktionieren würde. Zu ihnen gehört unter anderem der Meeresbiologe Ulf Riebesell vom Kieler Leibniz-Institut für Meeresforschung IFM-Geomar. Dieser räumt zwar ein, dass die tieferen Wasserschichten jene Nährstoffe enthielten, die an der Oberfläche zu einer Algenblüte führen könnten. "Aber in dem Wasser, das nach oben gepumpt wird, befindet sich auch gelöstes Kohlendioxid", erläutert er. Gelangt das Wasser an die Oberfläche, dann entweicht das Klimagas in die Luft. Nach Ansicht Riebesells würde die Methode der beiden Forscher den natürlichen Kohlenstoff-Kreislauf nicht durchbrechen, sondern ihn nur beschleunigen: Die absterbenden Algen bringen den Kohlenstoff in die Tiefe, dort werden die Organismen zersetzt, das entstehende CO2 löst sich, wird nach oben gepumpt und so weiter. "Das ist ein Nullsummenspiel", sagt der Biologe.
Lovelock und Rapley versprechen sich von der Algenblüte noch einen weiteren klimaschonenden Effekt: Viele Algen setzen bei ihrem Stoffwechsel eine Substanz namens Dimethylsulfid (DMS) frei. Daraus entstehen Partikel, an denen in der Atmosphäre Wasserdampf kondensieren kann, sodass sich Wolken bilden. Durch diese würde das Sonnenlicht ins All zurückgeworfen werden und durch ihren Schatten das Wasser der Ozeane kühlen. Doch auch dieses Konzept wird von Riebesell sehr skeptisch beurteilt: "Wenn man Tiefenwasser nach oben holt, dann wächst vor allem eine bestimmte Art Algen, die fast kein DMS produziert - nämlich die Kieselalge". Demnach würde auch der zweite Effekt der Röhrenpumpe weitgehend verpuffen.