Kölner bergen Schatz vor Borkum

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01.09.2001
Kategorie: News
Eine längst vergessene Geschichte über eine Schiffskatastrophe wird zur Zeit vor der deutschen Nordseeküste wieder belebt. Taucher bringen sie in diesen Tagen mit der Bergung von Gegenständen, die nahezu 120 Jahre alt sind, wieder an die Oberfläche. Das Porzellan, das sie bergen wollen, könnte sich als echter Schatz entpuppen.
19 Seemeilen nordwestlich von Borkum erschwerte dichter Nebel die Sicht, in der kalten Nacht des 19. Januars von 1883. Die "Cimbria", ein Passagierdampfer, hatte 401 Passagiere – hauptsächlich Auswanderer – an Bord und eine 91 Mann starke Besatzung. Die Fahrt sollte von Hamburg nach New York gehen. Doch die Reise, endete nicht weit von der Küste entfernt.

Gegen zwei Uhr nachts wurden die Passagiere von Wassermassen überrascht, die in ihre Kajüten eindrangen. Die "Cimbria" war mit dem britischen Kohlefrachter "Sultan" kollidiert, der im Nebel scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht war. Anstatt Hilfe zu leisten verschwand die "Sultan", da der Kapitän glaubte, sein Schiff sei schwerer beschädigt als die "Cimbria". Ein Irrglaube, denn in weniger als 15 Minuten verschwand das Schiff von der Oberfläche der Nordsee.

Wie fast alle Schiffe seiner Klasse hatte der Passagierdampfer hochwertiges Porzellan und Glas an Bord. Grund genug für die Kölner Schatzsucher-Aktiengesellschaft Sea Explorer AG, sich mit der Angelegenheit genauer zu befassen. Mit modernster Technik werden von einer fest verankerten Plattform in unmittelbarer Nähe des Wracks rund um die Uhr Taucher eingesetzt.

Deck für Deck wird zur Zeit das in nur 25 Meter Tiefe liegende Schiff erkundet. Die meisten Schiffe der gleiche Klasse hätten 100 bis 200 Tonnen Porzellan im Laderaum als Transportgut gehabt, erzählen die Fachleute. Ein gut erhaltener Porzellanteller aus damaliger Edel-Manufaktur wäre heute immerhin zwischen 200 und 800 Mark wert. Ein Anreiz, die Ladung zu suchen und zu bergen.

Das Wrack des hundert Meter langen und 1974 erstmals zufällig vom Bundesvermessungsamt wieder entdeckten Schiffes liegt bis zur Reling verborgen im Sand. Dies konserviere das Glas und Porzellan, und schütze es vor Stürmen und Strömung, um so größer jedoch ist der Aufwand.

Mit Saugegeräten muss der Sand entfernt werden, und auch Unterwasserbagger werden eingesetzt, um die Ladung zugänglich zu machen. Fast zwei Millionen Mark wird die Bergung insgesamt kosten. Einige Porzellanvasen und Teller konnten inzwischen gehoben werden. Bis Ende September soll der größte Teil der Bergung abgeschlossen sein.

Die geborgenen Schätze sollen dann im November auf einer Auktion versteigert werden. Für Rätselraten sorgt derzeit ein besonderer Fund: Ein Stoßzahn, den Taucher im Wrack entdeckt haben. Was der auf dem Grund der Nordsee zu suchen habe, könne man sich nicht erklären. Dies verlange nach weiteren Untersuchungen. Es sei aber möglich, dass es sich dabei um ein Besitztum der sechs Chippewa-Indianer aus Michigan handele, die mit dem Schiff in ihre Heimat Amerika zurückkehren wollten.