Keine Erste Hilfe für den Ostsee-Dorsch

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25.10.2007 10:06
Kategorie: News

Keine Hilfe für den Dorsch

Umweltverband kritisiert Fangquoten

Als "dramatische Fehlentscheidung" hat der Umweltverband WWF die von den EU-Staaten beschlossenen Fangquoten für den vom Aussterben bedrohten Ostsee-Dorsch (Kabeljau) kritisiert. "Die Überfischung geht weiter", sagte WWF-Fischerei-Expertin Karoline Schacht.

Die Fischereiminister hatten am Dienstagabend beschlossen, die Fangmengen für 2008 in der östlichen Ostsee um fünf Prozent zu reduzieren. Im Westen soll die Quote um 28 Prozent sinken. Das aber bleibt deutlich hinter dem Vorschlag der EU-Kommission zurück, die die Mengen um 23 beziehungsweise 33 Prozent kappen wollte. Die Kommission stützte sich bei ihrem Votum auf ein Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES), der einen Fangstopp für Dorsch in der östlichen Ostsee und eine Senkung um die Hälfte im Westen empfahl. Vor allem Dänemark und Deutschland liefen dagegen Sturm.

Die Wissenschaftler des Internationalen Rates zur Erforschung der Meere (ICES) hatten sogar empfohlen, den Fang ganz auszusetzen. »Dies ist eine dramatische Fehlentscheidung«, kritisiert WWF-Fischereiexpertin Karoline Schacht. »Mit diesen Quoten setzen die EU-Minister auch langsam aber sicher ihre Fischer aufs Trockene. Denn wo kein Dorsch mehr ist, kann auch keiner gefangen und verkauft werden.“

Der Deutsche Fischerei-Verbande sieht die Situation folgendermaßen: "Das wird zahlreiche Ostseefischer in ihrer Existenz bedrohen", sagte Generalsekretär Peter Breckling. „Eine Reduzierung der Fangmenge um 15 Prozent hätte genügt. Alles andere bringt Strukturen durcheinander."

© Rudolf Svenson, WWF

Für die Überfischung macht der Fischerei-Verband vor allem die polnische Konkurrenz verantwortlich. Breckling ist gespannt, wie sich die neue polnische Regierung positionieren wird. Mehr Kontrollen brächten nichts. "Die müssen Überkapazitäten abbauen." Das könne am besten mit sozialverträglichen Abwrack-Programmen erreicht werden, wie sie Deutschland nach der Wende auch für Fischer in Mecklenburg-Vorpommern aufgelegt habe.


© Mike.R.Jackson, WWF
Die illegale Fischerei verschärft das Problem. Nach Schätzungen von Wissenschaftlern fischen viele Länder 50 bis 100 Prozent mehr Dorsch ab als erlaubt, ohne Strafen fürchten zu müssen. Derzeit fangen polnische Fischer mit Rückendeckung Warschaus illegal Dorsch und brechen damit wissentlich geltendes Gemeinschaftsrecht, denn die EU-Kommission hatte Polen schon im Juli den weiteren Dorschfang untersagt.   
Der WWF fordert neben einem einjährigen Fangstopp und der strikten Umsetzung des Management-Plans die EU zu einem entschlossenen Kampf gegen die illegale Fischerei in der Ostsee auf. Neben verstärkten Kontrollen schlägt der WWF vor, dass die illegalen Fänge dem betreffenden Land im Folgejahr von der Fangquote abgezogen und Fischerei-Subventionen gestrichen werden. Der WWF rät Verbrauchern, auf Dorsch zu verzichten, bis der Fang nachhaltig geregelt ist.