Jagd nach Wilderern in afrikanischen Gewässern

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27.03.2006 16:33
Kategorie: News
Hamburg/Westafrika, 27.03.2006
Greenpeace hat gemeinsam mit Fischerei- Inspektoren des westafrikanischen Staates Guinea und der Umweltrechtsstiftung Environmental Justice Foundation begonnen, Piratenfischer vor der Kueste Guineas aufzuspueren. Die Fischer, die illegal die Fischbestaende in der Meeresregion im Ostatlantik pluendern, sollen festgenommen werden, bevor sie ihre Beute ueber europaeische Haefen verkaufen koennen. In den letzten zehn Tagen hatten die Umweltschuetzer undercover fast 70 Fischfangschiffe erfasst. Die Schiffe, die aus Italien, China, Korea, Liberia und Belize kommen, fischen zum Teil sogar innerhalb der Zwoelf-Meilen-Zone und damit in einem Gebiet, das fuer die Versorgung der lokalen Bevoelkerung in einem der aermsten Laender der Erde von grosser Wichtigkeit ist.

"Piratenfischerei ist eine grosse Bedrohung fuer die Ozeane. Deshalb geben wir den Behoerden von Guinea Amtshilfe im Kampf gegen die Pluenderer. Die Behoerden haben sonst keine Moeglichkeiten, diese Leute zu fassen", sagt Timo Liebe, Hamburger Greenpeace-Aktivist an Bord der "Esperanza".

Westafrika ist die einzige Region der Erde, in der der Fischkonsum zurueckgeht - unfreiwillig. Die oertlichen Fischer, die meist nur Kanus haben, stehen in Konkurrenz zu den grossen auslaendischen Trawlern, die illegal in die Fanggruende fahren und sich dabei bis auf wenige Meilen an die Kueste heran wagen. Der Fisch wird noch auf See auf Kuehlschiffe umgeladen, falsch deklariert und unter anderem ueber den Hafen Las Palmas auf den Kanaren auf den europaeischen Markt gebracht.

Die Welternaehrungsorganisation FAO schaetzt, dass die illegalen Fischer ueber 30 Prozent der gesamten Fangmenge in den Weltmeeren abschoepfen - unkontrolliert und weit ueber das hinaus, was die Bestaende vertragen. Allein in Guinea erbeuten Piratenfischer Fisch fuer knapp 100 Millionen Euro. Die Einheimischen gehen leer aus. "Es ist widersinnig, wenn Europa auf der einen Seite grosse Mengen an Hilfsgeldern ausgibt und auf der anderen die Beute importiert. Sehen die Menschen in Westafrika keine Zukunft mehr, machen sich viele von ihnen auf den Weg nach Norden, nach Europa", so Timo Liebe.

Westafrika ist die zweite Station der ueber einjaehrigen Expedition der "Esperanza" zum Schutz der Weltmeere. Nach der ersten Fahrt in die
Antarktis zum Protest gegen japanische Walfaenger ist das groesste
Greenpeace-Schiff nun vor Westafrika.

Greenpeace fordert Schutzgebiete zu Land und zu Wasser. Nur in solchen Gebieten ohne menschliche Nutzung kann die Artenvielefalt des Planeten ueberleben und ausserhalb dieser Schutzzonen auch schonend genutzt werden. Auf der Konferenz zur Artenvielfalt (CBD), die zur Zeit in Brasilien stattfindet, hat Greenpeace genau ein solches Netzwerk an Schutzgebieten zu Wasser und zu Land vorgestellt. An Land sind es vor allem die letzten grossen Urwaldregionen, die so vor der Zerstoerung gerettet werden muessen. Auf dem Meer geht es um 40 Prozent der Ozeane.

Presseerklaerung vom 27. Maerz 2006