Island und Norwegen weiten Walfleischhandel aus

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30.09.2016 07:30
Kategorie: News

Start des Washingtoner Artenschutzabkommens: Walschutz soll geschwächt werden
 
Eine Koalition von Natur- und Tierschutzorganisationen hat bestätigt, dass Island erneut mehr als 1.500 Tonnen Finnwalfleisch nach Japan verschifft hat. Finnwale sind nach wie vor stark bedroht. Die Meldung kommt passend zu Beginn der 17. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES), die in diesem Jahr in Johannesburg stattfindet.

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Die Artenschützer der Wal- und Delfinschutzorganisation WDC, OceanCare, Pro Wildlife, des Animal Welfare Institute (AWI) und der Environmental Investigation Agency (EIA) hatten zwischen Juli und September 2016 den Weg des Transportschiffs „Winter-Bay“ vom isländischen Hafnarfjörður, über die Nordostpassage, bis ins japanische Osaka verfolgt. Der Verdacht, dass es sich bei der Ladung um das Fleisch bedrohter Finnwale handelt, wurde schließlich durch die isländischen Handelsdatenbank „Hagstofa“ und isländische Medienberichte bestätigt. Die „Winter-Bay“ hatte bereits im letzten Jahr 1.800 Tonnen Finnwalfleisch nach Japan geliefert.

Das CITES-Sekretariat hat für die  Konferenz  den umstrittenen Vorschlag eingebracht,  Entscheidung „14.81“ zu Großwalen aufzuheben. Dies könnte zu einer verfrühten Neueinstufung des Schutzstatus vieler Walarten führen und das Walfangverbot gefährden.

Astrid Fuchs, Programmleiterin bei WDC, erklärte: "Es ist unverständlich, dass CITES diesen Vorschlag überhaupt in Erwägung zieht. Der Handel mit Walprodukten eskaliert dank Island, Japan und Norwegen momentan - trotz Handelsverbot und Walfangmoratorium.

"Die CITES-Vertragsparteien müssen sicherstellen, dass die Entscheidung '14.81' beibehalten wird, wie sie ist", so Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare. “Eine Aufhebung könnte erneut dazu führen, dass der Handel eine unkontrollierbare Walfangindustrie befeuert.

Auch aus Norwegen steht gerade die Ausfuhr von 195 Tonnen Zwergwalfleisch nach Japan an. Dies wäre die größte norwegische Lieferung seit Einführung des internationalen Walfangverbots vor 30 Jahren.

Auch Susan Millward, Geschäftsführerin von AWI, äußerte sich besorgt: "Island, Norwegen und Japan tun, was sie können, um den kommerziellen Walfang und den Handel mit Walprodukten anzuheizen. CITES muss das IWC-Moratorium unterstützen und den ausufernden Handel mit Walfleisch endlich thematisieren“.

Island, Norwegen und Japan haben gegen das Handelsverbot mit Finn- und Zwergwalprodukten einen sogenannten Vorbehalt eingelegt, was ihnen den Im- und Export untereinander ermöglicht.

"Es gibt keine Entschuldigung für Island und Norwegen weiterhin Wale unter Missachtung des seit 30 Jahren bestehenden Walfang-Moratoriums zu schlachten. Die internationale Gemeinschaft muss  endlich entschieden einschreiten“, so Clare Perry, Kampagnenleiterin von EIA.