Hobbytaucher "wildern" im Amazonas

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08.11.2001
Kategorie: News
Aquarienliebhaber in aller Welt sind mitverantwortlich für den Run auf die kleinen gestreiften Fische im Amazonas. Die unerbittliche Jagd auf die kaum daumenlangen Zebrafischchen des Amazonas-Gebietes Brasiliens kostet jährlich einige Taucher das Leben und trägt mit zur Zerstörung der Biodiversität des Regenwaldes bei.
Die kleinen Fische sind bei Sammlern in aller Welt so begehrt, dass sie in Japan einen Preis bis zu 1200 DM erreichen.

Mehr als 400 Taucher versammeln sich zur Zeit in einem kleinen Ort Nahe der Stadt Altamira in der Provinz Para. Die Zeit ist günstig, da das Ende der brasilianischen Trockenzeit naht, berichtet das Cotovelo do Xingu Journal. Die Taucher, die teilweise ohne Maske und Schnorchel immer tiefer tauchen, um die Fische zu fangen, erleiden häufig Trommelfell-Perforationen und andere Ohr-Erkrankungen.

"Diese Art nach den Fischen zu fangen ist schmerzhaft und gefährlich, und die Taucher müssen dafür den höchsten Preis bezahlen", so Antonio Melo, regionaler Repräsentant des Brazilian Institute for the Environment and Renewable Natural Resources, einer Organisation, die versucht, Umwelt- und Artenschutz durchzusetzen. Alleine im vergangenen Jahr wurden drei tödliche Tauchunfälle bekannt. Melo beklagt jedoch die eingeschränkten Möglichkeiten seines Handelns.

Als Währungsmittel verwendet

Ein guter Fischfänger verdient bis zu 300 DM pro Woche. Ein herkömmlicher Arbeiter schafft im Durchschnitt einen Monatslohn von 160 DM. In der Zwischenzeit sind die Fische bereits so selten geworden, dass sie in der einsamen Gegend als Währungsmittel verwendet werden. Der Umtauschkurs in den kleinen General Stores beträgt rund 8 DM für einen Fisch. Bisher haben alle Versuche, den Handel mit den Aquarienfischen lahmzulegen, fehlgeschlagen. "Das offizielle Verbot hat zu einer Verlagerung auf den Schwarzmarkt geführt. Die Leute, die hier mitmischen, sind aufgrund der großen Gewinne skrupellos."

In der Zwischenzeit sind auch die Flussgegenden von Tapajos und Trombetas als neue Fischgründe entdeckt worden, berichtet Bruno Kempner, Vorsitzender einer lokalen Umweltschutzgruppe. Durch die Vielzahl der Taucher flüchten die Tiere in immer tiefere Gewässer. Das sei schlussendlich aber besonders für die Jäger selbst gefährlich.