Handicapped-Diving bei Fuldas Tauchertreff

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14.07.2011 17:12
Kategorie: News

Mit Behinderten in die Schwerelosigkeit eintauchen

Fuldas Tauchertreff - Behindertentauchen
Fuldas Tauchertreff-Chef Thomas Baum baut regionales Angebot für „Handicapped Divers“ aus

Raus aus der Schwerkraft, rein in die Schwerelosigkeit und in eine Welt, in der man sich frei bewegen kann – ohne Gehhilfe oder Rollstuhl: Für viele Menschen mit Behinderung ist das Tauchen eine ideale Möglichkeit, den eigenen Körper neu wahrzunehmen, Menschen mit einer ähnlichen Lebensgeschichte kennenzulernen und sich zum Beispiel ohne Schmerzen in den Gelenken fortzubewegen. Leider gab es in der Region Osthessen bisher nur vereinzelte Angebote rund um das Behinderten-Tauchen. Das möchte Thomas Baum, Geschäftsführer des Fuldaer Tauchertreffs und selbst passionierter und erfahrener Tauchlehrer, jetzt ändern.

Die üblichen Ausbildungsanforderungen der Tauchverbände können Menschen mit Behinderung in der Regel nicht voll erfüllen. Damit ihnen der Zugang zu diesem Sport dennoch ermöglicht werden kann, hat die internationale Behinderten-Tauchorganisation IAHD Richtlinien entwickelt, die weltweit anerkannt sind. Diese gehen von den Fähigkeiten des behinderten Menschen aus und berücksichtigen gleichzeitig die für den Tauchsport erforderlichen Sicherheitsgrundsätze. Mit diesem Programm arbeiten auch wir“, erklärt der 43-Jährige.
Allerdings fehle es für flächendeckende Kurse aktuell noch an geschultem Fachpersonal. „Ein ausgebildeter Tauchlehrer ist nicht von vorneherein in der Lage, auch einen Tauchgang mit Behinderten zu planen und zu begleiten.“ Hier setzt die Arbeit des Tauchlehrers an, der sogar bereits Astronauten im ESA-Becken in Köln geschult hat. Unterstützung hat Thomas Baum bei Mathias Richter gefunden, der ebenfalls eine Tauchschule betreibt – in Sorpesee im Sauerland. Mit ihm gemeinsam startet er jetzt neue Kurse, um Tauchlehrer fit für das Behinderten-Tauchen zu machen. Der dafür nötige sogenannte „Instructor-Kurs“ dauert zwei Tage, 15 Tauchlehrer sollen dieses Jahr noch in Fulda ausgebildet werden. Für den ersten Kurs, der bereits am 13. August ab 10 Uhr in Fuldas Tauchertreff in Neuenberg beginnt, liegen bereits Buchungen vor.

Informationen zum Thema:

IAHD
HSA
Bericht: Tauchen mit Handicap
Reisebericht: Behindert und Tauchen…!?

Als regionaler Manager, Kurs-Instructor und Instructor-Trainer hält Thomas Baum die Fäden in der Hand, schult nicht nur die Tauchlehrer, sondern bildet auch Tauchlehrer dahin gehend aus, dass diese als Multiplikatoren weitere Tauchlehrer an das Behinderten-Tauchen heranführen können. Dies alles geschieht in Kooperation mit der IAHD, eine der beiden weltweit anerkannten Organisation im Behinderten-Tauchen weltweit.
Wer kann eigentlich am Behinderten-Tauchsport teilnehmen? „Dafür gibt es nahezu keine Einschränkungen. Wir benötigen ein dreifaches ,Ja‘ – vom behandelnden Arzt, dem Instruktor und dem Tauchlehrer selbst, dann kann es losgehen.“ Nach Vorlage eines ärztlichem Attests ist Tauchen beispielsweise auch möglich für Menschen mit Amputationen, Asthma, Hirnlähmung, Downsyndrom, Epilepsie, Schwerhörigkeit, Multiple Sklerose, Querschnittslähmung, künstlichem Darmausgang oder Herzfehlern.

Für die nötige Sicherheit ist darüber hinaus mit besonderer Tauchbekleidung gesorgt: eine Doppel-Dichtung, ein Anti-Rutsch-Sitz sowie ein Ablassventil auf dem Unterarm sind am Neopren-Anzug angebracht, mehr Komfort bieten ein Reißverschluss und zusätzliche Beinfreiheit. „Wir üben dann zunächst den Einstieg und Ausstieg im Schwimmbad oder im See – mit und ohne Hilfeleistung. Bei Menschen mit Sehbehinderung arbeiten wir zur Verständigung unter Wasser mit Berührungen, die zum Beispiel Signal zum Ab- und Aufstieg geben“, erklärt Thomas Baum. Immer mit dabei sind Rollstuhlersatzteile und spezielle Erste-Hilfe-Utensilien. „Außerdem gilt es natürlich, einige Regeln zu beachten wie eine maximale Tauchtiefe von zwölf Metern und Tauchgänge grundsätzlich nur unter direkter Aufsicht eines IAHD-Instructors. Der Betreuungsschlüssel liegt in der Regel bei 1:1.

Thomas Baum, Fuldas Tauchertreff ©Christian Tech
Thomas Baum, Fuldas Tauchertreff (© Christian Tech)

Gefahren beim Tauchen gebe es für Menschen mit Behinderung bei der richtigen Anleitung genauso wenige wie für gesunde, weiß der Geschäftsführer von Fuldas Tauchertreff aus Erfahrung, der ebenso die Instructor-Trainer-Lizenz für DAN (Divers Alert Network) innehat. DAN ist ein internationaler Verband, der in Kooperation mit der University of California in San Diego und der University of Pennsylvania unter anderem eine 24-h-Notfall-Hotline betreibt: Hier sind erfahrene Taucher mit medizinischem Fachwissen weltweit zusammengeschlossen, die wiederum anderen  Tauchern im Notfall Beratung und Unterstützung zukommen lassen.
Wir sind sicher, dass dieses Angebot auf rege Zustimmung stoßen wird und wir auf diese Weise die Lebensqualität behinderter Menschen ein Stück weit verbessern können. Durch ein breites Angebot für Gerätetauchen in Schwimmbädern oder offenen Gewässern bieten wir die Möglichkeit, neue soziale Kontakte zu knüpfen und ebnen den Weg in die faszinierende Unterwasserwelt. Spannende Freizeitgestaltung und Sozialisation durch Sport sind hier für mich die wichtigen Schlagworte“, erklärt Thomas Baum die Beweggründe für sein Engagement. Für die Zukunft hofft er auf regionale Unterstützung durch Physiotherapeuten oder Krankenpfleger, die die Ausbildung der Tauchlehrer begleiten. „Natürlich wäre es auch toll, Kooperationen mit Behinderten-Einrichtungen und Pflege-Zentren in Fulda und Umgebung aufzubauen.

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