Haiattacken und andere sensationelle Stories auf Taucher.Net

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12.12.2017 15:01
Kategorie: News

Warum wir so sind, wie wir sind

Sind wir eigentlich ein bunte-Bilder-Portal, ein Medium, dass sich nur um die schönen Seiten des Tauchsports zu kümmern hat? Bunte Fische, tolle Riffe und kuscheliges, kristallklares Wasser...?
Klares: Nein! Nein und nochmals nein! Warum? Weil wir, obwohl alle leidenschaftliche Taucherinnen und Taucher, auch Journalisten sind und weil wir es zu unseren Aufgaben zählen, die Finger in die Wunden zu legen! Die Schattenseiten gehören dazu und wenn nicht wir, wer soll dann noch etwas bewegen, wenn ganze Spezies aus Profitgier ausgerottet werden, sinnlose Blutbäder an Walen und Delfinen unter fadenscheinigen Traditions- oder Wissenschaftsgründen angerichtet werden, ganze Unterhaltungsindustrien mit Tourihorden in die Schutz- und Ruhezone von Delfinen einfallen oder in Aquarien „Flipperplantschen“ oder „Orcazirkus“ zelebriert und ausgeschlachtet werden – das Elend hat ein vielfältiges Gesicht.

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Oder Tauchunfälle – am besten totschweigen, man will ja nicht unbedingt damit konfrontiert werden, dass das geliebte Hobby auch erhebliche Gefahren birgt, wenn man anfängt schlurig und nachlässig damit umzugehen, oder es schon mal schiefgehen kann, wenn man sich leider für die falsche Tauchschule oder -basis entschieden hat.

Tja, und wenn es mal wieder einen Taucher erwischt hat, weil sich ein Hai eben nicht so verhalten hat, wie viele tausendmal zuvor gelernt und erlebt wurde, bloß nicht thematisieren, weil dabei könnte einem ja beim nächsten Tauchgang am Elphinstone der neugierige Longimanus einen Schauer über den Rücken führen... Und vor allem: Wenn wir uns über solche Userwünsche hinwegsetzen und über all diese schattigen Seiten unseres schönen Sports berichten, kommt erst die richtige Breitseite: Wir würden all das nur aus Sensationsgier veröffentlichen, um die Zugriffszahlen zu erhöhen und bei Facebook „likes“ einzuheimsen und sensationsgeile User zu uns auf die Seite zu locken.

Was für ein Schmarrn!!! Wir machen das, weil es zu unserer Chronistenpflicht gehört! Und wir tun es, um zu polarisieren und Diskussionen anzuregen und Dinge zu hinterfragen, zu Verurteilen, Stellung zu beziehen und auch um aus Fehlern zu lernen und dem einen oder anderen von euch fatale Situationen zu ersparen, weil wir über Unfälle, Zwischenfälle und Pannen berichten und versuchen, diese zu analysieren. So gut wir es können, mit aller gebotenen Aufmerksamkeit und Sorgfalt! Nicht jedoch wegen Zugriffszahlen oder der Sensationsgier!

So auch geschehen im Fall der toten US-amerikanischen Taucherin, die vorvergangene Woche durch den Biss eines Tigerhais so schwer verletzt wurde, dass sie kurz nach der Attacke ihren Verletzungen erlag. Wir berichteten auf Facebook und natürlich ausführlich auf Taucher.Net. So ausführlich jedenfalls, wie die Informationslage es zuließ. Wir hielten uns strikt an die wenigen Fakten und vermieden Spekulationen. Wir warnten sogar davor „ohne genauere Kenntnisse der Abläufe voreilige Schlüsse zu ziehen und Angst vor Interaktionen von Tauchern mit Haien zu schüren“.

Was in den Medien in diesem Fall passierte, ist eigentlich der Grund für diese Stellungnahme. Die Verantwortlichen des Liveaboards, das vor Ort in Cocos Island mit Tauchern unterwegs war und dessen Tauchguide verletzt und eine Passagierin tödlich verletzt wurde, sind uns bekannt. Sie sind mit der  „Undersea Hunter“ Mitglied bei den Quality Divers. Sie wurden nicht gefragt, als Medien und gewöhnliche Besserwisser über den Zwischenfall berichteten oder ihn kommentierten. ABC, das seriöse US-Nachrichtenportal berichtete weitgehend sachlich, besorgte sich von Getty Images ein schönes Foto zum Thema und zeigte dann einen Sandtigerhai quer über den Screen und sagte in einer kleinen Bildzeile, dass es ein Tigerhai war, der die Taucherin tödlich verletzte. So entstand vermutlich eine Reihe von Falschmeldungen, die einen Sandtigerhai für den Zwischenfall verantwortlich machten. In Portalen, Foren (übrigens auch bei uns bzw. auf unserem FB-Kanal) meldeten sich schnell die üblichen „Fachleute“ zu Wort, und machten das Chumming oder Anfüttern der Haie für die Tragödie verantwortlich, der Tauchgang, der am Morgen stattfand wurde kurzerhand in die Nacht verlegt, weil nachts sind Haie gefährlicher und die vorstellbare Szenerie doch viel gruseliger... Über die BILD, die grenzwertig seriös aber halt im bekannten Boulevardstil berichtete, wurde hergefallen und wir wurden von einigen „Spezialisten“ gleich mal mit in denselben Topf gesteckt. 

Dabei hatten wir nichts anderes getan, als die wenigen zur Verfügung stehenden Fakten zu einer Nachricht zu verarbeiten und zu veröffentlichen. Der Grat, den man als Journalist aber auch als kommentierender User in solchen Fällen beschreitet, ist ein schmaler. Er sollte stets ein objektiver sein und von journalistischen Stolperfallen wie Mutmaßungen, haltlosen Interpretationen und unzutreffenden Analysen oder inhaltlichen Ergänzungen frei gehalten werden. Wir werden das weiter so machen und weil der große Boulevardtross schon längst von der Tragödie von Cocos Island an die nächsten Nachrichten-Brennpunkte weitergezogen ist, sind wir für euch am Ball geblieben und haben nachgefragt und auch Antworten erhalten. Deshalb gehen wir – ganz ohne jede Sensationsgier – noch einmal wie versprochen zurück zu den tragischen Ereignissen vom vorvergangenen Donnerstag und lassen Alan Steenstrup, den International Sales Manager der Undersea Hunter, hier zu Wort kommen (siehe ab Textende).

Dr. Jeffrey Rosenthal, ein bekannter New Yorker Schönheitschirurg und Verlobter der verstorbenen amerikanischen Taucherin Rohina Bhandari erhebt gegen den Tauchveranstalter in einem Beitrag der New York Post inzwischen den Vorwurf, seine Verlobte nicht ausreichend geschützt zu haben. In der New York Post wird er zitiert, dass sie und der Tauchguide überhaupt keinen Schutz gehabt hätten. Weder die Guides noch die Gäste verfügten über etwas, was Fische oder Haie hätte abwehren können, bemängelte er. Muss man so etwas noch kommentieren? (hap)


Alan Steenstrup, Eigner der Undersea Hunter, zum tödlichen Unfall mit einem Tigerhai

Danke für deine Anfrage, wir wissen es zu schätzen. Es ist so, wie du erwähntest, es sind eine Menge falscher Informationen im Umlauf, so ist halt die Welt, in der wir heute leben. Alles, was wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt gesichert wisssen ist folgendes:

Am Morgen des 30. November befanden sich ein dive guide und ein Passagier von uns nach einem Tauchgang an der Wasseroberfläche und warteten auf die Aufnahme durch unser Beiboot. Hier stießen sie auf einen großen Tigerhai und es kam zu dem bekannten Zwischenfall. Die Taucherin wurde durch einen Biss schwer verletzt und verstarb an den Folgen, während der Dive Guide sich eine Verletzung am Fuß zuzog. Er wurde von Ärzten an Bord behandelt und befindet sich im Moment in einem stabilen gesundheitlichen Zustand.

Diese Tragödie macht uns bestürzt und traurig! Wir sind zurzeit vollkommen fokussiert auf der Aufarbeitung des Zwischenfalls mit der Familie, der Betreuung unserer Gäste und der Kooperation mit den Behörden. Auf Ersuchen der US-Botschaft werden wir so lange keine Stellung mehr zu dem Vorfall nehmen, bis wir von der Familie hierzu authorisiert sind. Das Parkmanagement hat den Tauchplatz (Manuelita Island. Die Red.) bis auf weiteres gesperrt.

Wir untersuchen den Zwischenfall gegenwärtig und warten nun auf weitere Informationen. Einen Zwischenfall wie diesen, hat es in den vergangenen 27 Jahren die wir hier auf Cocos bereits tauchen, nie zuvor gegeben.

Die Tigerhaie sind in bestimmten Bereichen nahe Manuelita Island auf Cocos zu finden. Wir sind dabei, unser Tauchprogramm zu überarbeiten und zu verändern. Darüber hinaus sind wir im Dialog mit Haiexperten um den Zwischenfall aufzuklären und zu begreifen und das Verhalten von Haien besser zu verstehen..

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Thank you for reaching out to us, we truly appreciate it. Like you said, there is a lot of wrong information out there, this is the world we live in today. Here is what we can tell you at this time:
 
The morning of Nov. 30 a dive guide and a passenger were at the surface, at the end of the dive, getting ready to board the dive skiff, when they were confronted by a large tiger shark. The passenger suffered a serious bite, and passed away, while the dive guide suffered an injury to his foot, but he was treated by doctors onboard and is in a stable condition at this time.
 
We are stunned and saddened by this tragedy, and are focused entirely on working with the family, caring for our guests, and cooperating fully with the authorities. At the request of the US Embassy, we are not referring further to the case unless the family authorizes it. The park management have closed down this particular dive site until further notice.
 
We are investigating the incident and awaiting further information. An incident like this has never occurred at Cocos in the 27 years we have been diving there.
 
The tiger sharks are found in specific areas near Manuelita Island at Cocos, and at this time we are altering our dive program. Furthermore we are working with shark experts to learn more about the incident and their behavior.
 
Thank you,
Alan Steenstrup
Undersea Hunter