Grabt den Fischen nicht das Wasser ab

Teile:
01.02.2007 10:31
Kategorie: News
WWF macht auf die Bedeutung intakter Süßwassersysteme für die weltweite Versorgung mit Fisch aufmerksam

Frankfurt - Seit 1970 ist der so genannte Living Planet Index aller Arten, die im Süßwasser von Flüssen, Seen, Mooren, Mangrovenwäldern, Sümpfen und Feuchtgebieten leben, um 28 Prozent zurückgegangen. Dies belegt die größte Umweltstudie des WWF über den Gesamtzustand der Erde - der „Living Planet Report“. Zu den Sorgenkindern gehören auch viele Süßwasserfische. Zum Weltfeuchtgebietstag am 2. Februar, der in diesem Jahr unter dem Motto „Fish for tomorrow?“ steht, macht der WWF auf die besondere Bedeutung dieser Ökosysteme für die weltweite Versorgung mit Fisch aufmerksam. „Oberirdische Süßwasser machen nur ein Prozent des gesamten Wasservolumens der Erde aus. Pro Kubikmeter werden im Süßwasser jedoch zehn Mal mehr Fische gefangen als in den Meeren“, erläutert Petr Obrdlik, Süßwasserexperte des WWF.

Als ein besonders anschauliches Beispiel nennt Obrdlik das Einzugsgebiet des Mekong: Der mit 4.500 Kilometern zehntgrößte Fluss der Welt wird aufgrund seiner Artenvielfalt auch als „Garten Eden Asiens“ bezeichnet und ernährt mit seinen Nebenflüssen mehr als 70 Millionen Menschen. Die Binnenfischerei am Mekong hat einen jährlichen Marktwert von umgerechnet einer Milliarde US-Dollar. Unter den insgesamt 1.300 Fischarten findet sich auch der akut vom Aussterben bedrohte Mekong-Riesenwels - ein echter Weltrekordler unter den Fischen, der mit bis zu 300 Kilogramm so schwer und groß werden kann wie ein Grizzly. Noch gilt der Fluss als weitgehend intakt, doch das rasante Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum in der Region bedrohen den Wasserhaushalt am und um den Mekong. Petr Obrdlik: „Die Auen werden für neue Baugebiete zugeschüttet oder durch schlecht angelegte Straßen und Hochwasserdämme von der natürlichen Überflutung ausgeschlossen. Letztendlich bedeutet das, dass die Auen und damit die Laichplätze schrumpfen und es langfristig immer weniger Fische geben wird.“ Hinzu komme, dass Abwässer ungeklärt eingeleitet und die Fischbestände mithilfe illegaler Fangmethoden ausgeplündert werden. Der WWF setzt sich am Mekong unter anderem dafür ein, dass beim Bau von neuen Straßen und Dämmen schonende Methoden eingesetzt und Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt werden. Außerdem fördert der WWF hier die Aquakultur-Zucht heimischer Fischarten.

Der Weltfeuchtgebietstag wird seit 1997 am 2. Februar begangen - der Tag, an dem 1971 in Iran die Ramsar-Konvention zum Schutz der Feuchtgebiete unterzeichnet wurde. Der Konvention sind bis heute 150 Staaten beigetreten. Sie verpflichten sich unter anderem dazu, mindestens ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung zu benennen, das die Kriterien der Konvention erfüllt. Zum Beispiel: regelmäßiges Vorkommen von mindestens 20.000 Wasser- und Watvögeln und ein bedeutender Anteil einheimischer Fischarten. Deutschland trat der Ramsar-Konvention im Februar 1976 bei und hat seither 32 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 839.327 Hektar ausgewiesen, darunter mehrere große Seen, Teile des Wattenmeers und der Rheinauen. Als Feuchtgebiete bezeichnet man alle Lebensräume, die eine Verbindung zwischen Wasser und Land herstellen und in denen der Grundwasserspiegel nahe oder oberhalb des Bodens liegt.

Quelle: WWF
Bildquelle: © WWF / Suthep-Kritsanavarin -Mekong-Riesenwels-