Gerichtsurteil: Zoo muss Tierschützern Einblick gewähren

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23.08.2011 09:06
Kategorie: News
Die Delfinschützer der WDCS forderten bereits Ende 2009 vor Gericht uneingeschränkte Einsicht in die Akten des Nürnberger Tiergartens, seit dem 22. August 2011 ist das Urteil nun rechtskräftig: Der Tiergarten muss Vertretern der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS vollständigen Zugang zu allen für die Delfinhaltung relevanten Akten des Tiergartens Nürnberg ermöglichen. Das Bayerische Verwaltungsgericht München hat mit Beschluss vom 24. Mai 2011 entschieden, dass Vertretern der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS vollständiger Zugang zu allen für die Delfinhaltung relevanten Akten des Tiergartens Nürnberg zu ermöglichen ist.

Noch Mitte Mai wurde die Verwaltungsgerichtsentscheidung vertagt, so die Nürnberger Zeitung. Kurze Zeit später stellte das Gericht den Rechtsanspruch auf Akteneinsicht fest. Zugang zu Umweltinformationen über die Haltung von artgeschützten Wildtieren wie dem Großen Tümmler in einem Zoo, so der Leitsatz des Urteils, ergeben sich aus der gesetzlichen Definition und dem gesetzlichen Auftrag eines Zoos. Es kommt bei artgeschützten Wildtieren nicht darauf an, welche tatsächlichen Auswirkungen die konkreten Haltungsbedingungen der im Zoo lebenden Individuen auf deren Artgenossen in freier Wildbahn haben. Die Richter erkannten ferner keine qualifizierten Gründe, wonach die Informationsgewährung den Interessen Dritter tatsächlich entgegenstünde. Ebensowenig entstünde durch die Gewährung von Akteneinsicht ein unzumutbarer Aufwand, so der Schiedsspruch.

Auslöser des Rechtsstreits zwischen Tierschützern und der Stadt Nürnberg waren Todesfälle im Nürnberger Delfinarium in den Jahren 2006 und 2007. Die Delfinschutzorganisation hatte ihren Angaben nach versucht, vollständige Akteneinsicht zu erhalten, was aber seitens der Tiergartenleitung als auch der Stadt Nürnberg abgelehnt wurde. Das Verwaltungsgericht wurde angerufen, die WDCS erhielt nun in zwei Instanzen Recht.

Das Urteil stellt laut WDCS ein Grundsatzurteil für die Anwendung des Umweltinformationsgesetzes in Bezug auf die Haltung von Wildtieren in Zoos und Tierparks dar und ermöglicht erstmals eine unabhängige, wissenschaftliche Evaluierung sämtlicher Akten über Haltungsbedingungen von Delfinen in einem Delfinarium innerhalb der Europäischen Union. "Es handelt sich um ein Grundsatzurteil, das ein deutliches Bekenntnis zur Transparenz darstellt, es zeigt, dass Umweltschutz und damit auch Tierschutz nicht vor den Toren von Zoos oder Tiergärten Halt macht", sagt Dr. Karsten Brensing, Verhaltensbiologe bei der WDCS. Wie die Tierschutzorganisation verlautbaren ließ, wird in den kommenden Monaten ein Team der WDCS gemeinsam mit unabhängigen Wissenschaftlern die vorliegenden Akten einer umfassenden wissenschaftlichen Evaluierung unterziehen. Details über den Zeitplan und die genauen Inhalte des Evaluierungsprojektes können erst nach den ersten Sichtungen der Akten bekannt gegeben werden.

Im Sinne der eigentlichen Betroffenen, den Tieren in Zoos, Tierparks und freier Wildbahn bleibt zu hoffen, dass diese Entscheidung künftig zu einem Mehr an kooperativem Verhalten beiträgt, zu einem Mehr an Miteinander - sowohl auf Seiten der Tierschützer, als auch bei Zoos und Tierparks.



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