Gegen Delphinschutz - Vorrang für den Kommerz

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01.03.2016 08:51
Kategorie: News

Welthandelsorganisation schwächt Delphinschutz in den USA

Nach einer Entscheidung der Welthandelsorganisation (WTO) von Ende 2015 darf delphintödlicher Thunfisch aus Mexiko nun auch in den USA als "delphinsicher" verkauft werden. Bisher war diese Bezeichnung dort per Gesetz streng geschützt.

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Anders als in Deutschland durfte in den USA Thunfisch bisher nur dann als "delphinsicher" bezeichnet werden, wenn er weder mit Treibnetzen noch durch Setzen von Netzen um Delphinschulen gefangen wurde. Jetzt müssen die USA ihre strengen Vorgaben lockern, sodass künftig auch Thunfisch aus Mexiko, an dem das Blut von Delphinen klebt, das Logo "delphinsicher" für sich beanspruchen darf.

Bei der WTO spielen Verbraucher-, Umwelt-, und Naturschutz keine Rolle

Laut Earth Island Institute (EII), der amerikanischen Partnerorganisation der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) beim Internationalen Kontrollprogramm für delphinsicheren Thunfisch/SAFE, beruht die Entscheidung der WTO nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern dient lediglich dem freien Handel. "Leider hat die WTO wiederholt gezeigt, dass ihr Umwelt, Natur und Wahrheit bei Zertifizierungsprogrammen egal sind", kritisiert David Phillips, Leiter des Internationalen Meeressäugerschutzprojekts des EII. "Mexiko soll sich wie jede andere Fischereination auch an dieselben Regeln halten, wenn es das US-Label 'delphinsicher' verwenden will, und das bedeutet, keine Jagd auf Delphine, kein Einkreisen von Delphinen mit Netzen und keine toten Delphine. Alles andere macht aus dem Logo eine Farce", erklärt er.

"Die WTO-Entscheidung zeigt einmal mehr, dass Umwelt-, Tier- und Naturschutz bei internationalen Handelsabkommen absolut zweitrangig sind und man mit Recht um viele bereits erreichte Erfolge fürchten muss", erklärt der GRD-Biologe Ulrich Karlowski.

Delphine als billiges Mittel zum Zweck

Die mexikanischen Fangflotten machen sich ein nur im tropischen Ostpazifik vorkommendes Phänomen zunutze, bei dem Thunfischschwärme oft mit Delphinschulen vergesellschaftet sind. Die Fischer orten die an der Wasseroberfläche schwimmenden Delphine, um den etwa 150 m darunter schwimmenden Thunfischschwarm einzufangen. Die Meeressäuger werden dann mit mitgeführten schnellen Beibooten bis zur völligen Erschöpfung gehetzt und in die Netze (Ringwade) getrieben. Dann wird die Ringwade unterhalb des Thunfischschwarms wie ein Beutel zugezogen. Delphine und Thunfische befinden sich jetzt im Netz. Bevor der Thunfisch an Bord geholt wird, werden die Delphine durch Herablassen des oberen Netzteils freigelassen. Allerdings kann nicht jeder Delphin lebend entkommen.

Hohe Sterblichkeit bei Delphinbabys

Durch diese Fangtechnik sterben jedes Jahr mehrere Hunderte, manchmal auch Tausende Delphine. Die Meeressäuger werden mitunter mehrmals täglich gejagt und eingefangen, Mütter werden von ihren Kälbern getrennt, viele Delphine sterben nach der Fangprozedur, auch wenn sie freigekommen sind, an Verletzungen oder aufgrund von stressbedingten Krankheiten.

Mehr als 7 Millionen toter Delphine in 40 Jahren

Mit dieser weltweit einzigartigen Fangmethode wurden seit den späten 1950er-Jahren bis Anfang der 1990er-Jahre in der Thunfischerei mehr als 7 Millionen Delphine getötet. Ein Vergleich verdeutlicht das Ausmaß dieses ungeheuerlichen Beifangtods: Etwa 2 Millionen Wale wurden im kommerziellen Walfang im 20. Jahrhundert getötet.

"Es ist höchste Zeit, dass Mexiko diese umweltschädigende Fangmethode einstellt, anstatt delphintödlichen Thunfisch in amerikanische Supermärkte zu bringen und über Handelsbarrieren zu jammern", erklärt Phillips. Das EII war maßgeblich an der Entwicklung der internationalen Standards für "delphinsicheren" Thunfisch beteiligt und etablierte bereits Ende 1990 das International Monitoring Program (IMP/SAFE), das 1991 von der GRD in Deutschland eingeführt wurde, mit bindenden Richtlinien für die Thunfischindustrie. Dank dieser Maßnahmen konnte das weltweit größte Massensterben von Delphinen um über 90 % reduziert werden.

Weitere Informationen: www.delphinschutz.org