Fiebermessen in der Arktis

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04.09.2018 14:38
Kategorie: News

Zweimonatige Expedition in die Laptewsee gestartet

Vor Kurzem kam der russische Forschungseisbrecher „AKADEMIK TRYOSHNIKOV“ in einer speziellen Mission nach Kiel. Das mehr als 130 Meter lange Flaggschiff der russischen Polarforschungsflotte verlud Ausrüstung für eine zweimonatige Expedition in die sibirische Arktis. Am 18. August 2018 startete die Fahrt mit einem internationalen Forschungsteam in Archangelsk.

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Mit dabei sind Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven (AWI). Im Mittelpunkt der Expedition stehen Untersuchungen zur Klimaerwärmung in der Schlüsselregion für die arktische Meereisbildung sowie Vorarbeiten für die Überwinterungskampagne MOSAiC mit dem deutschen Forschungseisbrecher Polarstern, die im Herbst 2019 unter Leitung des AWI beginnt – wir berichteten.

In der sibirischen Arktis herrschen winterliche Temperaturen. Auch im Hochsommer sind Schnee und Eis nicht ungewöhnlich. Aber auch dort ist es wärmer geworden, und zwar deutlich. Das zeigen die langen Messreihen, die die Forschenden vom GEOMAR über viele Jahre in der sibirischen Laptewsee gewonnen haben. Bei der jetzt anstehenden Expedition geht es unter anderem darum, weitere Erkenntnisse zu gewinnen, wie sich diese für die Meereisbildung der gesamten Arktis bedeutsame Region verändert.

Im Rahmen des russisch-deutschen Forschungsprojekt ‚CATS – Das arktische transpolare System im Wandel‘ untersucht ein Konsortium aus zehn deutschen und russischen Forschungseinrichtungen und Universitäten, wie sich der Klimawandel auf den äußerst sensiblen arktischen Lebensraum auswirkt und inwieweit die Veränderungen auch das Klima in Europa betreffen“, erläutert Dr. Heidemarie Kassens vom GEOMAR, die einen Abschnitt der jetzt gestarteten Expedition leitet. Während der Expedition werden unter anderem ozeanische Langzeitbeobachtungsstationen, sogenannte Verankerungen, gewartet sowie Beprobungen in der Wassersäule durchgeführt. „Insbesondere interessiert uns das Verhalten des zirkum-arktischen Randstroms, der große Wärmemengen entlang des Kontinentalhangs transportiert, die potentiell die gesamte arktische Meereisbedeckung zum Schmelzen bringen könnten, wenn sie in oberflächennahe Schichten dringen würden“, so Dr. Kassens.

Zusätzlich werden im Rahmen der Expedition auch Vorarbeiten für die Überwinterungskampagne des deutschen Forschungseisbrechers „Polarstern“ durchgeführt, die ab Herbst 2019 in dieser Region beginnen soll. „Wir werden ein Jahr vorher in der Region Messungen durchführen, wo die 'Polarstern' im kommenden Jahr ihre Expedition durch das arktische Eis beginnen soll“, erklärte Dr. Benjamin Rabe vom AWI, verantwortlicher Wissenschaftler für diesen Abschnitt der Reise. Dafür wird der Forschungseisbrecher weiter nordwärts durch das arktische Eis fahren und autonom messende Bojensysteme ausbringen. Die im Eis verankerten Systeme sollen auf ähnlichen Pfaden wie die Polarstern im Rahmen von MOSAiC über ein Jahr lang Messungen in der oberflächennahen Atmosphäre, dem Eis und dem oberen Ozean durchführen. Die Forscher werden in der Region zudem Messungen der Eis- und Schneedicke sowie ozeanographische Messungen in der Wassersäule vornehmen.

Weitere Informationen: https://www.transdrift.info.