Europäischer Tag der Meere

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19.05.2009 18:40
Kategorie: News

Nicht nur Überfischung, auch Lärm bedroht die Fischbestände

Walstrandung
Viele Wale mussten stranden, bevor internationale Gremien die gefährliche Dimension des Unterwasserlärms ernst zu nehmen begannen. Doch das Dröhnen unter Wasser setzt nicht nur den Meeressäugern zu. Aktuelle Studien belegen, dass die Beschallung auch für Fische verheerende Folgen hat. Wo Überfischung und Lärm zusammen kommen, haben Fischbestände wenig Chance. Die Nahrungskette im Meer wird so empfindlich geschwächt. Immer mehr Meerestieren droht der Hunger. Aber auch Menschen, denn ein Grossteil vor allem der ärmeren Weltbevölkerung ist auf Fisch als primäre Proteinquelle angewiesen.

Den kommenden Mittwoch, 20.5.2009, hat die Europäische Union zum Tag der Meere ausgerufen. Und dies mit gutem Grund. Die Meere werden immer leerer, lauter und schmutziger. Der Mensch scheint vergessen zu haben, dass auch seine Zukunft von einem intakten marinen Ökosystem abhängt. Während hierzulande das Fischangebot in Restaurants und Läden noch immer trügerisch üppig ist, bekommen die Bewohner ärmerer Küstenländer die Misswirtschaft in den Ozeanen bereits hautnah zu spüren.

Lärm als Bedrohung für die Fischbestände wird in Fachkreisen trotz deutlicher wissenschaftlicher Hinweise noch zu wenig zur Kenntnis genommen. Im vergangenen März hat Sigrid Lüber, Delegierte der Internationalen Koalition gegen Unterwasserlärm (IONC) und Präsidentin der Schweizer Organisation OceanCare, an der Tagung der Fischereikommission in Rom Vertreter der Welternährungsorganisation auf das Problem aufmerksam gemacht. Sie forderte die Politiker auf, zum Schutz der Fischbestände neben der Beschränkung der Fischerei auch die Reduktion des Unterwasserlärms anzugehen.

Auf mindestens 55 Arten von Meerestieren hat Lärm einen negativen Einfluss, darunter auch auf rund zwanzig kommerziell genutzte Fischarten. Insbesondere der Schiffsverkehr, militärische Sonare und der Einsatz von Luftdruckkanonen zur Sondierung von Erdöl setzen den Fischen zu. So wurden bei Thunfischen aufgrund des Schiffverkehrs Abweichungen von Wanderrouten zu Laichplätzen und Nahrungsgründen beobachtet, wodurch sich deren Überlebenschancen stark reduzieren. Nach seismischen Tests oder Sonarbeschallung brechen die Fänge unter anderem von Kabeljau, Dorsch, Hering und Sandaalen um bis zu achtzig Prozent ein.

Beifang - Raubbau an den Ressourcen der Meere
Beifang - extremer Raubbau an unseren natürlichen Ressourcen

Bereits heute sind die Fangquoten bei einem Drittel aller kommerziell genutzten Fischarten um 90 Prozent zurück gegangen. Wenn die Ursachen dafür nicht umgehend behoben werden, sind die Bestände aller vom Menschen genutzten Fischarten in rund vierzig Jahren erschöpft. Für Bewohner von Drittwelt- und Entwicklungsländern, welche auf die Küstenfischerei angewiesen sind, hätte dies fatale Konsequenzen. Doch auch für die internationale Sicherheit ist es wichtig, diese essentielle Nahrungsressource zu schützen, wie sich aktuell im Falle Somalias zeigt.  

In europäischen Gewässern unternimmt die EU nun wichtige Schritte. Mit der so genannten Habitats-Direktive will die Union das marine Ökosystem umfassend schützen. Aufgrund diverser Vorstösse seit dem Jahr 2002 konnten die IONC und OceanCare sicherstellen, dass innerhalb der Direktive auch der Unterwasserlärm reduziert und reguliert werden soll.

Ohne Nachfrage kein Angebot. OceanCare sensibilisiert die Bevölkerung laufend für die Problematik der Überfischung und bewegt sie dazu, weniger Meeresfisch zu essen und sich auf nachhaltige Produkte zu beschränken.


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