Erderwärmung nur Episode?

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13.02.2007 15:25
Kategorie: News
Kieler Forscher weisen Kohlendioxid-Anstieg in der Tiefsee nach

London (pte/13.02.2007/13:51) - Kaum ist der jüngste IPCC-Klimabericht veröffentlicht, melden sich die Skeptiker zu Wort, die versuchen mitzuteilen, dass die globale Erwärmung bei weitem nicht so schlimm ausfällt wie befürchtet. Jüngstes Beispiel ist ein Bericht in der Times, der die kosmische Strahlung und vor allem die Sonne für die Klimaerwärmung verantwortlich macht.

"Es war ja zu vermuten, dass nach dem Medienrummel um den AR4-IPCC-Bericht nun wieder die Skeptiker sich zu Wort melden werden", meint der Wiener Klimaforscher Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur http://www.boku.ac.at im pressetext-Interview. Deshalb habe der Klimaexperte Stefan Rahmstorf von der Universität Potsdam http://www.pik-potsdam.de für die Münchner Rück http://www.muenchnerrueck.de, einer der größten Rückversicherer der Welt, einen umfassenden Bericht über die Argumente der Klimaskeptiker verfasst.

In der Times kritisiert der dänische Forscher Henrik Svensmark gemeinsam mit dem Journalisten Nigel Calder, dass die Erderwärmung nur eine Episode und der Mensch daran gar nicht schuld sei. Zudem sei die Hyperaktivität der Sonne verantwortlich für die vorübergehende Wärmephase, die es in ähnlicher Form auch im Mittelalter gegeben habe. Allerdings sind auch die Untersuchungsergebnisse von Svensmark nicht wirklich neu, sondern wurden bereits vor fünf Jahren in ähnlicher Form aufgestellt. Allerdings weist Rahmstorf darauf hin, dass die ursprüngliche Sonnenkurve, die als Hauptargument verwendet wurde, von ihrem Autor öffentlich als Fehler zurückgenommen wurde.

Svensmark habe vor zehn Jahren die Daten von Wettersatelliten ausgewertet und Korrelationen zwischen der Häufigkeit von Wolken und atomaren Partikeln aus dem All herstellen können. "Für dieses Argument wurde eine Reihe von statischen Korrelationen ins Feld geführt, die sich aber bislang alle bei näherer Analyse mit weiteren Daten nicht bestätigt haben", so Rahmstorf. Es sei unbestritten, dass Schwankungen der Sonnenaktivitäten in der Vergangenheit zu Klimaschwankungen beigetragen haben - etwa zu kühleren Klimaphasen um 1700. "Berücksichtigt man die Schwankungen der Sonnenaktivität in Modellrechnungen, die sich aus den Isotopendaten rekonstruieren lassen, kann man die Klimaschwankungen der abgelaufenen tausend Jahre recht gut reproduzieren", schreibt Rahmstorf. Diese Sonnenschwankungen wären aber nicht in der Lage, die Erwärmungen im 20. Jahrhundert zu erklären. Zum einen, weil ihre Stärke zu gering und die Strahlungswirkung der vom Menschen produzierten Treibhausgase inzwischen um ein Mehrfaches stärker sei. Zum anderen, weil die Rekonstruktionen der Sonnenaktivität zwar einen Anstieg bis 1940, seither aber keinen signifikanten Trend aufweisen. Das gelte auch für die Messungen der kosmischen Strahlung.

Rahmstorf hat in dem "Klimaskeptiker-Bericht" fünf Kernaussagen getätigt, die wissenschaftlich bewiesen sind. Demnach ist die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre seit ca. 1850 stark angestiegen - von dem für Warmzeiten seit mindestens 400.000 Jahren typischen Wert von 280ppm auf inzwischen 380ppm. Die zweite Kernaussage bezieht sich auf die Aktivitäten des Menschen. Dieser ist in erster Linie durch Verbrennung fossiler Brennstoffe und durch Abholzung der Wälder dafür verantwortlich, dass es zum Anstieg dieser CO2-Konzentration gekommen ist. Der dritte Punkt betrifft die klimarelevanten Eigenschaften des Kohlendioxids: Der Anstieg der Konzentration führt zu einer Erwärmung der oberflächennahen Temperaturen. Bei einer Verdoppelung der Konzentration liegt die Erwärmung im globalen Mittel sehr wahrscheinlich zwischen 1,5 und 4,5 Grad. Das Klima hat sich im 20. Jahrhundert deutlich erwärmt - und zwar um 0,6 Grad. Die Temperaturen der vergangenen zehn Jahre waren global die wärmsten seit Beginn der Messungen im 19. Jahrhundert und seit mindestens mehreren Jahrhunderten zuvor. Als letzten Punkt schreibt der Experte: "Der überwiegende Teil dieser Erwärmung ist auf die gestiegene CO2-Konzentration und andere anthropogene Gase zurückzuführen - ein kleiner Teil auf natürliche Ursachen wie der Schwankung der Sonnenaktivität.

In der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Proceedings of the National Acedemy of Sciences PNAS http://www.pnas.org berichten Forscher des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) http://www.ifm-geomar.de darüber, dass es zu einer Zunahme von CO2 aus der Atmosphäre in einer Tiefe von 3.000 bis 4.500 Metern im Nordatlantik gekommen ist. Messdaten haben dies belegt. Mit einer neuen, am IFM-Geomar entwickelten Methode, konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass der Anstieg des Treibhausgases durch die Nutzung fossiler Brennstoffe dazu geführt hat, dass deutlich mehr CO2 in tieferen Schichten des Ozeans gespeichert wird als bisher angenommen. Die Erkenntnisse sind nicht nur für den globalen Kohlenstoffkreislauf von Bedeutung, sondern auch für andere Prozesse wie die Versauerung der Ozeane.