Erdbeben und Tsunami schädigten die Korallenriffe vor Sumatra weniger als Überfischung

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26.01.2006
Kategorie: News
Erdbeben und Tsunami schädigten die Korallenriffe vor Sumatra weniger als Überfischung: Sedimenteintrag weiterhin ein Problem

Bremen / Los Angeles - Sedimenteintrag, Überfischung und zerstörerische Fangmethoden wie Gift- oder Sprengstofffischen bedrohen weiterhin die Korallenriffe in Aceh, dem Epizentrum des viert¬stärksten Erdbebens in der Geschichte. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, deren Abschluss¬bericht heute von der weltweit agierenden Korallenriff-Organisation Reef Check veröffentlicht wurde.

Die Expedition im Oktober 2005, an der Wissenschaftler aus vier Ländern teilnahmen, entdeckte neue Erdbebenschäden, die sich jedoch auf wenige Stellen beschränkten. Bei mehr als der Hälfte der 200 unter¬suchten Korallenriffe entlang der Küste von Aceh wurden keine Tsunami- oder Erdbebenschäden verzeichnet.

“In den meisten Riffen, die wir untersuchten, fanden sich nur wenige Fische, von denen die meisten kleiner als 25 cm waren", so Reef Check-Wissenschaftler Bob Foster. “Die geringe Größe und Anzahl von Fischen aus zehn der wichtigen Speisefischfamilien sind deutliche Hinweise auf Überfischung, die das gesamte Ökosystem schwächen kann. Das Fischen mit Gift und Sprengstoff ist in dieser Region verbreitet".

An mehreren Stellen wurden schwere Erdbebenschäden verzeichnet. Durch das Beben vom 26. Dezember 2004 mit einer Stärke von 9,15 wurden einige der Banyak-Inseln, 190 km südlich des Epizentrums, geneigt und hektargroße Korallenriffe wurden vollständig aus dem Wasser gehoben, wodurch die Korallen starben. Die Wissenschaftler fanden während der Untersuchung u.a. große Areale der halbedlen Blauen Koralle (Heliopora), die abgebrochen und abgestorben waren.

In den meisten Riffen verursachte der durch die Erdbeben ausgelöste Tsunami, der ganze Städte wie Banda Aceh auslöschte, verhältnismäßig geringfügige direkte Schäden: weniger als 3% der untersuchten Korallen wurden umgestürzt und starben. Ernstere Auswirkungen der Flutwelle sind die erhöhte Sedimentbildung und Trübung des Meerwassers, die nun langfristig die Korallenriffe bedroht: Der Tsunami hat große Teile der Küstenvegetation weggespült, wodurch der nun unbedeckte Boden verstärkt der Erosion durch Regen ausgesetzt ist, leichter abgetragen und ins Meer gespült wird.

Die Aceh-Expedition war ein gemeinsames Projekt von Reef Check, der World Conservation Union (IUCN) und der Khaled bin Sultan Living Oceans Foundation, hauptsächlich finanziert durch Living Oceans. Die Expedition mit einem Forschungsschiff sammelte Daten an mehr als 200 Riffstandorten entlang einer 660 km langen Strecke zwischen Sibolga und Pulau Rondo, der Nordwestspitze Indonesiens.

“Bislang war nur sehr wenig über den Zustand der Riffe in diesem Gebiet bekannt", so Reef Check-Gründer und Direktor Dr. Gregor Hodgson. “Diese Expedition verdeutlicht die Notwendigkeit eines verbesserten Umgangs mit den Korallenriffen in dieser Region, die über eine außerordentlich hohe Biodiversität verfügt. Das Schöne an Korallenriffen ist, dass sie sich bei richtiger Pflege sehr schnell erholen können."

Die Reef Check-Stiftung, die 1997 gegründet wurde, um den weltweiten Trend der Verschlechterung des Zustands der Korallenriffe aufzuhalten und umzukehren, ist eine gemeinnützige Organisation, die das weltweit umfangreichste Programm zur Beobachtung und Erhaltung der Korallenriffe unterhält. Vertreten in mehr als 80 Ländern, erhebt ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und freiwilligen Tauchern standardisierte Daten, die von regionalen Koordinatoren und in der Hauptgeschäftsstelle von Reef Check in den USA ausgewertet werden. Internationale Teams arbeiten zusammen mit Gemeinden, Regierungen und Unternehmen, um Korallenriffe wissenschaftlich zu beobachten, geschädigte Riffe zu rehabilitieren und weltweit intakte Riffe zu erhalten.

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