Eisfreie Arktis: Zunehmende Schifffahrt birgt unkalkulierbare Umweltrisiken

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29.09.2017 07:54
Kategorie: News

Schwerölverbot in arktischen Gewässern einzig sinnvolle Maßnahme zum Schutz von Mensch und Umwelt

Angesichts des jüngst dokumentierten Eisrückgangs in der Arktis fordert der NABU ein Schwerölverbot in arktischen Gewässern. Durch die Klimaerwärmung könnten Reedereien die Nordostpassage bald dauerhaft nutzen, was unkalkulierbare Umweltrisiken mit sich bringe. Im Falle einer Havarie gäbe es in diesen Breitengraden kaum eine Möglichkeit, austretendes Schweröl einzudämmen, warnt der Umweltverband. Die Folgen für die Region wären verheerend.

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Zudem fehle es laut NABU nach wie vor an Systemen zur Abgasreinigung. Schiffsabgase schädigten jedoch in erheblichem Maße die Meeresumwelt und heizten das Klima zusätzlich auf.

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Schweröl als Schiffskraftstoff ist für die Arktis und für unser Klima nicht zu verantworten. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation muss schnellstmöglich handeln und ein Verbot für die Arktis beschließen, bevor der Run der Schifffahrt losgeht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine Havarie irreparable Schäden verursacht. So lange darf nicht gewartet werden.

Laut aktuellen Zahlen des Alfred Wegener Instituts reduzierte sich das Eis in der Arktis in diesem Sommer gegenüber den 1970er und 80er Jahren um eine Fläche, die etwa fünf Mal so groß ist wie Deutschland. Die Nordostpassage war erstmals über den Sommer ohne Eisbrecher zu befahren. Der NABU befürchtet in der Folge dort stark zunehmenden Schiffsverkehr, da sich für die Reeder so die Reisezeit von Asien nach Europa von 24 auf 14 Tage reduziert. Ein Anstieg der Schifffahrt würde jedoch das Rußproblem in der Arktis weiter verschärfen und damit die Eisschmelze beschleunigen.

Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik: „Das Verbrennen von Schweröl setzt erhebliche Mengen von Ruß frei. Ruß gilt nach CO2 als zweitstärkster Klimatreiber. Er lagert sich auf den Eisflächen der Arktis ab, wodurch ein Grauschleier entsteht, durch den sich die Umgebung aufheizt und das Arktiseis weiter abschmilzt. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden. Wir brauchen dringend einen Umstieg auf sauberere Kraftstoffalternativen und den verpflichtenden Einsatz von Abgastechnik. Hier ist die internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO in der Pflicht, entsprechende Regularien zu beschließen.

Der NABU engagiert sich zusammen mit 15 weiteren NGOs in der Clean Arctic Alliance für ein Schwerölverbot in der Arktis ab 2020. Für die Antarktis gilt bereits seit Anfang 2017 der sogenannte Polar Code und damit ein Verbot für Schiffe, Schweröl als Kraftstoff zu nutzen oder mitzuführen.

Weitere Informationen: www.nabu.de.