Ein Klimaforscher aus Potsdam lässt sich 8 Monate auf einer Eisscholle durchs Nordpolarmeer treiben

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01.09.2007 10:57
Kategorie: News
Auf einer drei Quadratkilometer großen Eisscholle wird der Meteorologietechniker Jürgen Graeser zusammen mit 35 russischen Forschern durch das Nordpolarmeer treiben. Die Männer haben eine Wunschroute – die Transpolardrift (eine der zwei mächtigen Strömungen im Arktischen Ozean), überlassen sich aber ganz den Strömungen des Meeres.

Das Nordpolarmeer gilt als Schlüsselregion für den globalen Klimawandel. Das Wettergeschehen der gesamten nördl. Hemisphäre wird von den atmosphärischen Veränderungen in der Arktis beeinflusst.

Die Männer, den Strömungen des Ozeans ausgeliefert, werden von Luft, Eis und Wasser Proben nehmen und Daten sammeln. Die üblichen Satellitenmessungen weisen wegen des reflektierenden Eises häufig Fehler auf.

Der Einsatz von Forschungsschiffen ist für langfristige Studien zu teuer und für feste Stationen fehlt das Land, daher diese Expedition.

Auf einer zuvor auf Satellitenbildern ausgesuchten Eisscholle errichten die Forscher ihre Winterstation: Ein winziges Dorf aus Holzhäusern für Labors, Werkstatt, Küche und Krankenzimmer - die Heimat der Forscher für ein Jahr. Der Potsdamer wird schon im April kommenden Jahres abgeholt - dann hat er voraussichtlich genug Daten gesammelt.

Ein roter Ballon ist das wichtigste Gepäckstück. An einer Leine wird das acht Meter lange, zeppelinförmige Gerät täglich bis auf 1 500 Meter Höhe steigen. Sechs Sonden, die im Abstand von jeweils 200 Metern am Seil angebracht sind, messen Lufttemperatur, Windstärke, Feuchte und Luftdruck. Die Daten werden an das Europäische Wetterzentrum in Reading bei London übermittelt.

Um die Eisscholle bei Gefahr schnellstmöglich verlassen zu können, sind die Häuser auf Kufen gebaut und die gesamte Ausrüstung befindet sich auf Schlitten.