Dresden: Wände des Todes in der Tiefsee

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18.05.2006 11:32
Kategorie: News
Greenpeace protestiert mit Grundschleppnetz auf dem Schlossplatz

Dresden, 17. 5. 2006 - Mit einem 70 Meter breiten, 15 Meter hohen und 40
Meter tiefen Original- Grundschleppnetz protestieren Greenpeace-Aktivisten
heute auf dem Schlossplatz in Dresden gegen die sinnlose Zerstörung der
Tiefsee. Mit solchen Grundschleppnetzen werden zum Beispiel Rotbarsch und
Blauleng gefangen; die dabei genutzten Schleppnetze sind oft bis zu dreimal
so gross wie das hier präsentierte. Eine Fotoausstellung in dem Netz
dokumentiert den Artenreichtum in großer Tiefe und wie rasant er durch die
Grundschleppnetz-Fischerei vernichtet wird. Greenpeace fordert ein
Moratorium, ein Sofortverbot der Grundschleppnetz-Fischerei auf der Hohen
See. Das Grundschleppnetz und die Greenpeace-Ausstellung touren seit sechs
Wochen durch Europa und wurden bereits in zehn Städten gezeigt.

"Noch bevor die Tiefsee überhaupt erforscht ist, wird sie schon zerstört", sagt Iris Menn, Meeresbiologin bei Greenpeace. "Verantwortung dafür tragen alle EU-Länder, allen voran Fischfangnationen wie Spanien. Ein
Grundschleppnetz-Moratorium auf der Hohen See ist die einzige Chance, das
wertvolle Leben dort unten für die Menschheit zu erhalten." Wie wenig
erforscht die Tiefsee immer noch ist, hat die "SOS-Weltmeer"-Expedition von
Greenpeace gerade wieder gezeigt. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der
Universität der Azoren hat das Greenpeace-Schiff "Esperanza" die
Unterwasserseeberge, die so genannten Seamounts, bei den Azoren untersucht
und dokumentiert. Dort entdeckten die Wissenschaftler jetzt eine weitere
bisher unbekannte Art, ein frei schwimmendes wirbelloses Meereslebewesen.

Die Artenvielfalt in der Tiefe schätzen Experten inzwischen auf bis zu
zehn Millionen Spezies, vergleichbar mit dem Reichtum der tropischen
Regenwälder. Doch durch die Grundschleppnetz-Fischerei ist diese Vielfalt
massiv bedroht. Pro Minute wird hier eine Fläche von 148 Fussballfeldern
durch Grundschleppnetze umgepflügt. Die Fischtrawler ziehen die riesigen
Netze, die mit tonnenschweren Scherrbrettern ausgestattet sind, über den
Meeresboden. Dabei rasieren sie alles ab, was ihnen im Weg ist - kein
Lebewesen hat eine Chance zu entkommen. Rund 300 Schiffe sind derzeit an
der Grundschleppnetz-Fischerei auf der Hohen See beteiligt. 60 Prozent
davon gehören zur Flotte der Europäischen Union. Spanien hält den
größten Anteil.

Das Original-Grundschleppnetz und die Tiefsee-Fotoausstellung sind heute
und Morgen, Donnerstag, den 18. Mai, von 10 bis 18 Uhr auf dem Schlossplatz
zu sehen. Vor Ort informieren Aktivisten über die Meeresarbeit von
Greenpeace und die "SOS Weltmeer"-Tour der "Esperanza".

Presseerklärung vom 17. Mai 2006