Die perfekte Orientierung von Krokodilen

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29.09.2007 15:42
Kategorie: News
Satelliten überwachtes Reptil findet trotz extremer Distanzen nach Hause

London (pte/29.09.2007/07:10) - Krokodile gelten bei Europäern häufig als träge und lethargische Tiere. Eine neue Studie von Forschern der australischen University of Queensland zeigt klar, dass die Reptilien genau das Gegenteil davon sind. Mit Hilfen von Satellitensendern konnten die Forscher zeigen, dass Salzwasserkrokodile (Crocodylus porosus) epische Distanzen zurücklegen können, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe.

Der Forscher Craig Franklin und der inzwischen verstorbene Krokodilexperte Steve Irwin haben zwischen August und September 2004 drei Salzwasserkrokodile an Plätzen, die 56, 99 und 126 Kilometer Luftlinie von ihrem Heimatgebiet entfernt lagen, ausgesetzt und sie mit Sendern versehen. Alle drei Tiere verhielten sich ziemlich ähnlich: Zunächst erkundeten sie für einige Wochen ihr neues Habitat, ehe sie sich auf den Weg nach Hause machten. Zwischen fünf und 20 Tagen dauerte die Wanderung der Krokodile ehe sie wieder in ihren heimischen Gewässern waren. Alle drei Tiere hatten den Weg in ihre Heimat problemlos gefunden, wobei das Krokodil, das den weitesten Weg zurücklegte, die außergewöhnlichste Heimreise hatte, denn es musste, um nach Hause zu kommen, die Cape York Halbinsel an der Nordspitze Australiens umschwimmen. Die gesamte Distanz, die das Tier in 20 Tagen zurückgelegt hatte, betrug insgesamt 411 Kilometer.

"Die meiste Zeit, wenn man Krokodile beobachtet, liegen sie faul in der Sonne, daher kommt man leicht zum Schluss, dass sie sehr träge sind", meint Franklin. Für viele sei es erstaunlich, dass die Krokodile tagelang schwimmen können. Das wiederum werfe einige Fragen des Metabolismus bei den Echsen auf. Bisher waren Forscher davon ausgegangen, dass sie einen aneroben Stoffwechsel - das ist eine Energiegewinnung durch den unvollständigen Abbau von Nahrungsstoffen in Abwesenheit von Sauerstoff - nutzen. Dieser Stoffwechsel stellt schneller Energie her als der aerobe, ist aber weniger effizient. Das bedeutet, dass die Reptilien große Energieschübe haben, dann aber rasch ermüden.

Die Studie widerlegt allerdings die bisher gemachten Entdeckungen, denn die Anstrengungen, die das Tier mit der Distanz von mehr als 400 Kilometern gemacht hat, legen nahe, dass der Stoffwechsel während der langen Reise umgestellt wurde. Bereits in anderen Untersuchungen haben Wissenschaftler gezeigt, dass Krokodile sehr weit ins Meer getragen wurden und den Weg zurück mühelos geschafft haben.

Rätselhaft bleibt auch das Navigationssystem der Krokodile. Die Forscher gehen davon aus, dass die Tiere wahrscheinlich mehrere Faktoren wie etwa die Position zur Sonne, das magnetische Feld, ihre Augen und ihren Geruchssinn zu ihrer Orientierung nutzen. "Krokodile sind enger mit Vögeln verwandt als alle anderen Reptilien. So ist es auch möglich, dass sie ein ähnliches Navigationssystem nutzen wie Vögel", meint der Forscher. Die Salzwasserkrokodile - auch Leistenkrokodile genannt - sind mit einer Länge von bis zu 7,5 Metern die größten lebenden Panzerechsen der Erde. Das Verbreitungsgebiet der Tiere ist sehr groß und reicht von Ostindien über Südostasien bis nach Australien und Teilen von Ozeanien. Auch auf den Palau-Inseln, in Vanuatu und Fidschi wurden einzelne Tiere gesichtet.