Der Schatz im Kanal - Polizeitaucher suchen Tresor

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28.07.2007 13:02
Kategorie: News
Polizeitaucher auf der Suche nach einem einst von Jugendlichen versenkten Tresor. Der Inhalt stammt aus Einbrüchen in verschiedene Geschäfte. Was genau drin ist, bleibt ein Geheimnis. Zuschauer verfolgten den Einsatz

"Und wie weit kannst du was sehen?", fragt das Ufer. "Nicht viel, höchstens 50 Zentimeter", kommt es scheppernd aus dem Funkgerät. Der, der da so wenig sieht, ist ein Polizeitaucher, der den Auftrag hat, einen Tresor aus dem Rhein-Herne-Kanal zu fischen. Einen Tresor? Sofort stellt sich die Frage nach dem Inhalt. Schmuck? Diamanten? Martin Wichart vom Kriminalkommissariat Jugend klärt auf: "Der Tresor stammt aus einer Serie von 42 Geschäftseinbrüchen im Jahr 2006 im Bereich der oberen Marktstraße." Ein bisschen Geld ist wohl drin, genaue Auskunft wird nicht gegeben. "So viel wie halt in so einen kleinen Geschäftstresor reinpasst. Keine Unsummen also."

Die jugendlichen Täter hätten den ungefähren Ort, wo sie die Beute versenkt haben, preisgegeben, sagt der Jugend-Kommissar. An der Fußgängerbrücke, neben der Trassenführung über den Kanal, da sei er wohl damals abgetaucht. Sogar Spuren seien am Brückengeländer zu sehen. Gut, dass die Taucher das wissen. Sonst wäre es nämlich noch schwieriger, wenn nicht unmöglich, den "Schatz" zu bergen. Denn der Kanal ist 50 Meter breit und bis zu fünf Meter tief. Da könnte man lange suchen.

Die Taucher kommen aus Wuppertal. Nicht nur die Experten, die direkt ins Wasser gehen, sind mitgekommen. Vorgeschrieben sind nämlich ein Tauchgruppenführer, der den Einsatz vor Ort koordiniert, ein Taucher-Arztgehilfe für den Notfall und ein Sicherheitstaucher, der bei Problemen unter Wasser nachtaucht. Der Schatzsucher unter den Fluten ist nie allein. "Wir tauchen grundsätzlich mit Leine", so Sandy Schneider, die Sicherheitstaucherin vor Ort. "So hat man immer Kontakt. Sie bedeutet für den Taucher 50 Prozent Sicherheit und 50 Prozent Orientierung." Die braucht man auch in dieser Brühe, wo man eh nur alles ertasten kann. Deshalb gibt´s auch dicke Handschuhe und eine Vollsichtmaske, die nicht vom Kopf rutschen kann. Das wäre auch sehr eklig.

Was Frank Brec, unser Mann unter Wasser, alles im Kanal findet, ist nämlich nicht zu glauben. Das gibt er per Funk durch, damit sich die Kollegen an Land nicht wundern, was er da so lange an einer Stelle macht. Dinge wie Einkaufswagen oder Skateboards lässt der Froschmann unten. Kleine Utensilien, eine schicke Brille oder einen Nothammer aus dem Bus bringt er jedoch ans Ufer. Zumindest den Hammer kann man vielleicht ja noch gebrauchen.

Die kleine Abordnung am Ufer erweckt Aufsehen. Vater und Sohn auf dem Rad lehnen sich weit über die Brücke, um zu sehen was unten vor sich geht. Ist ja auch eine spannende Sache, so eine Schatzsuche. Nach etwa einer Stunde intensiven Suchens die nüchterne Bilanz: Kein Tresor. Glücklicherweise hat der Besitzer das Geld ja schon, die Versicherung wird wohl ihren eigenen Safe geöffnet haben.

Quelle: Westdeutsche Allgemeine
Text von Lena Kamps