Teile:
01.04.2022 01:13
Kategorie: News

Ein medikamentöser Hoffnungsträger gegen Dekompressionsunfälle?

Die gesamte Pharmaindustrie erfuhr Ende 2019 und Anfang 2020 durch die Pandemie einen immensen Aufschwung. Die weltweite Erforschung des Sars Covid_19 Virus mit Entwicklung von Impfstoffen und therapeutisch einsetzbaren Medikamenten hatte jedoch auch ein interessantes Nebenprodukt: Deco Flux.

 

Aprilscherz: Auflösung siehe hier: taucher.net/diveinside-deko_flux_die_aufloesung


Bericht von Dr. Anke Fabian

Das Präparat wurde von dem japanischen Pharmakonzern Don O Beshi Limited (ドン・オー・ベシ・リミテッド) Mitte 2021 entwickelt und ist derzeit in der Erprobungsphase. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um die sogenannte Nitrogenase, einen Enzymkomplex, welcher in der Lage ist elementaren molekularen Stickstoff zu reduzieren und damit in eine biologisch verfügbare Form umzuwandeln, welche über die Nieren ausgeschieden werden kann.

Gallery 1 here

Der gesamte Prozess der biologischen Stickstofffixierung ist relativ komplex und erfordert das Zusammenwirken mehrerer Enzyme, von denen die Nitrogenase jedoch das wichtigste ist. Wesentlich für die Ausscheidung ist der Harnstoffzyklus der Niere. Harnstoff ist neben Glutamin und Alanin die wichtigste Transportform des Stickstoffes zur Niere. Vorbedingung ist allerdings eine gute Nierenfunktion und eine ausreichende Trinkmenge.

Einfaches Studiendesign

Ausgeschlossen wurden Probanden mit stattgehabtem Dekompressionsunfall, bekanntem PFO sowie Vorerkrankungen der Nieren, Herz-Kreislauf und Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus).

Die Taucher absolvierten kontrolliert absolut identische Tauchprofile ausschließlich auf Druckluft. Zur Generierung einer ausreichenden Menge an Stickstoffblasen wurde in der ersten Studienphase kein Nitrox oder andere Gasgemische eingesetzt. Die Quantifizierung der Stickstoffblasen erfolgte direkt nach dem Tauchgang durch fortschrittliche Ultraschall- Bildgebungstechnik. Die zweite Phase sah die Einnahme von 400,5 mg Deco Flux ca. 30 min vor jedem Tauchgang vor. Das Präparat wird als Brausetablette in mindestens 250ml -500ml Wasser aufgelöst, was gleichzeitig die Flüssigkeitszufuhr vor dem Tauchgang sicherstellt. Anschließend wurde die Blasenlast mit gleicher Methode quantifiziert. Nach Datenauswertung und Modulation wurden in Phase drei nur noch tiefere Tauchgänge mit abgekürzter Dekompressionszeit durchgeführt und anschließend mit gleicher Methode die Blasenlast gemessen.

Gallery 2 here

Ergebnis: der Hersteller wirbt mit einer 90%-igen Reduktion der Dekompressionszeit bzw. Reduktion des Risikos eine Deko zu erleiden. Deco Flux soll 2023 auf den Markt kommen.

Redaktionelle Ergänzung

Das hört sich alles sehr vielversprechend an. Ist dies aber auch so? Unsere Recherchen haben ergeben, dass das Präparat bis dato lediglich an einem relativ kleinen Taucherkollektiv eingesetzt und ausgewertet wurde. Die Querschnittsanalyse der beteiligten Taucher zeigte gesunde Probanden in gleichmäßiger Altersverteilung (12 – 70 Jahre) und Variation im Ausbildungsniveau (Open Water Diver bis Dive Instructor).

Gallery 3 here

Wo ist der Haken? Es fehlt uns noch die statistische Relevanz und vollständige Datenlage um eine abschließende Meinung hierzu zu bilden. Aufgrund der geringen Anzahl der Probanden sind jedoch 2022 weitere Studien mit größeren Kollektiven geplant. Aufgrund der Mitarbeit von Divedoc Dr. Anke Fabian in der aktuellen Studie haben wir auch die Möglichkeit Taucher für die nächste geplante Studie auszuwählen. Wer gesund und Taucher ist und Lust hat, kann sich bei uns melden.

Wichtig: Für die Studie bewerben kann sich jeder brevetierte Taucher, aber nur mit Erfahrung bei tiefen Tauchgängen mit Pressluft! Bitte Bewerbungsmail unter Angabe der bisherigen Maximaltiefe und warum man der richtige ist - an dekoflux@taucher.net schicken.