Changing Oceans Expedition

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06.07.2009 20:41
Kategorie: News

Countdown für einzigartige Forschungsreise auf den Weltmeeren läuft

Motorsegler Fleur de Passion
Der Segler "Fleur de Passion"

Die letzten Vorbereitungen für eine einzigartige Expedition zur Erforschung der Ozeane laufen: Am 11. Juli 2009 startet im französischen Marseille unter Schirmherrschaft der UNESCO die „Changing Oceans Expedition“. Sie will die Ozeane erforschen und auf die Vielfalt der Meere hinweisen. Zugleich zielt die Aktion darauf, die Schutzzonen in den Weltmeeren deutlich auszuweiten. Während des auf zehn Jahre angelegten Projekts für einen nachhaltigen Umgang mit den Weltmeeren sollen 100 Meeresschutzgebiete erkundet sowie erstmals ein umfassendes 3D-Modell der Weltmeere erstellt werden.

Am 29. Juni wurde das Expeditionsboot „Fleur de Passion“ von Tunesien aus zum Startort Marseille (Frankreich) überführt. Die Fleur de Passion ist ein Segelschiff mit beachtlicher Vergangenheit. Ursprünglich wurde sie 1942 als Motorschiff - als so genannter Kriegsfischkutter - der deutschen Marine gebaut und war für den Minenräumdienst und die Versorgung von U-Booten im küstennahen Einsatz vorgesehen. Aus diesem Grund besteht das Schiff aus einer kombinierten Holz­-Stahlkonstruktion, d. h. der Rumpf besteht vorrangig aus Holz, das von einem Stahlgerippe zusammengehalten und stabilisiert wird. Nach Kriegsende im Jahr 1945 ging das Schiff als Kompensation für erlittene materielle Schäden in den Besitz der französischen Marine über, wo es viele Jahre im Einsatz war. Erst 1976 wurden die Waffensysteme entfernt und das Schiff an eine Privatperson verkauft, die es in Fleur de Passion umtaufte und als Segelschiff nutzte. In den nachfolgenden 20 Jahren wurde das Boot im Mittelmeer und Atlantik für sozialpädagogische Projekte und wissenschaftliche Aktivitäten genutzt.Das Segelschiff  kann weltweit von Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen kostenlos genutzt werden. Organisator der Expedition ist die gemeinnützige Schweizer Stiftung Antinea Foundation.

Albert Falco, langjähriger Weggefährte des legendären französischen Meeresforschers Jacques Cousteau und einer der Schirmherren der Expedition, sagt: „In den letzten 20 Jahren sind die großen Fische verschwunden. Die Arten können sich nicht mehr regenerieren. Das Meer muss geschützt werden, denn die eigentliche Gefahr ist der Mensch … wir sind die Haie!“ Ronald Menzel, Geschäftsführer der Antinea Foundation, weist auf einen weiteren Aspekt hin: „Unsere Ozeane sterben an Verschmutzung und Überfischung. Wenn wir nicht jetzt damit anfangen, unsere eigene Zukunft zu schützen, wird es nicht nur bald keinen Fisch mehr zu essen geben. Vielen Millionen Menschen wird zudem die Existenz- bzw. Nahrungsgrundlage entzogen – wir gefährden also unsere eigene Zukunft. Unsere Expedition setzt auf wissenschaftliche Erkenntnisse, die Unterstützung ausgewählter Schutzmaßnahmen sowie die Kraft von Bildern und Augenzeugenberichten über den Wandel in den Ozeanen. So möchten wir dazu beitragen, dass Politik und Wirtschaft die richtigen Entscheidungen für eine Zukunft mit gesunden Ozeanen treffen.“

Die „Changing Oceans Expedition“ führt nach dem Start zunächst durch das Mittelmeer. Im Jahr 2010 sollen die Nord- und Ostsee befahren werden. Damit kehrt 65 Jahre nach Kriegsende ein ehemaliges Schiff der deutschen Marine mit einer Umweltschutzmission nach Deutschland zurück. Von 2011 an werden dann der Atlantik, der Pazifik und der Indische Ozean befahren.

Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit steht, den Zustand bestehender Schutzgebiete zu erkunden und mit Daten vergangener Expeditionen zu vergleichen, um so den Effekt einer Schutzzone auf das Gebiet sowie die angrenzende Umgebung zu bestimmen. Parallel wird mit modernster Technik ein 3D-Modell der Ozeane gefertigt, welches in dieser Qualität bislang noch nicht existiert. Gleichzeitig wird dieses Projekt eine Expedition zum Miterleben und Mitmachen sein. Weltweit können Interessierte die Expedition hautnah verfolgen. Neben einer kontinuierlichen Berichterstattung im Internet wurde eigens für die Expedition eine neue Technologie zur Live-Übertragung von Unterwasser-Videos entwickelt. Darüber hinaus können sich Freiwillige als Öko-Volontäre an Bord oder Unterstützer der Organisation engagieren. Das Projekt wird von mehreren Sponsoren finanziert.